BUNDESLIGA

Dortmunds riskanter Poker um Hummels

Der BVB will Ex-Kapitän Hummels zurückholen. Aber die Bayern verlangen mehr als 20 Millionen Euro. Die Fanszene ist gespalten

Bayerns Mats Hummels (M.) feiert mit Robert Lewandowski und Thomas Müller den Sieg im DFB-Pokalfinale gegen Leipzig

Bayerns Mats Hummels (M.) feiert mit Robert Lewandowski und Thomas Müller den Sieg im DFB-Pokalfinale gegen Leipzig

Foto: Foto: Hassenstein / Bongarts/Getty

München. Mats Hummels genießt mit Gattin Cathy derzeit die Sonne Floridas­. Zum vierten Hochzeitstag ließ sich das Paar entspannt auf einer Liege fotografieren. Daheim ist unterdessen die Zukunft des Ex-Nationalspielers ein heiß diskutiertes Thema – und allem Anschein nach steht eine spektakuläre Rückkehr zu Borussia Dortmund bevor.

Rekordmeister Bayern München und sein schärfster Bundesliga-Rivale verhandeln nach Informationen von „Bild am Sonntag“, „Sport Bild“ und Sky über einen Transfer des 30-Jährigen und dabei soll, so heißt es, weitgehend Klarheit herrschen. Die „BamS“ berichtete von einer Ablöse von etwa 20 Millionen Euro und erfolgsabhängigen Zuschlägen, die die Münchner als „angemessen“ akzeptiert hätten. Die Vereine kommentieren das alles bislang nicht. Hummels Vater und Berater Hermann teilt am Telefon mit, dass er nichts mitzuteilen habe.

2016 hat Hummels 35 Millionen gekostet

Hinter den Kulissen aber wird konkret gearbeitet am potenziellen Sensationstransfer – auch wenn die Dortmunder Verantwortlichen durchaus überrascht waren, als sie der Zeitung entnahmen, es sei bereits alles verhandelt: eine Ablöse von 20 Millionen Euro plus Boni, ein Hummels-Gehalt in Dortmund von knapp unter zehn Millionen Euro.

So weit ist es noch nicht. Zwar ist Hummels durchaus wechselwillig, sind die Bayern grundsätzlich und die Dortmunder gerne zu dem Transfer bereit – doch gibt es einiges zu klären.

Der Wechsel wäre kein normaler. Er wäre ein spektakulärer. Ein überraschender. Ein umstrittener. Als es Hummels 2016 für 35 Millionen Euro Ablöse zum Branchenprimus zog, hinterließ er eine gespaltene Fanszene. Die einen meckerten, weil der Kapitän sein Team verließ. Die anderen dankten ihm trotz alle der Enttäuschung für acht herausragende Jahre. Im Schnelldurchlauf: 2008 wechselt Hummels vom FC Bayern zum BVB, entwickelte sich dort zu einem der besten deutschen Innenverteidiger, gewann 2011 die Meisterschaft, 2012 das Double. Jetzt also würde er im Alter von 30 Jahren zurückkehren – mit seinen Stärken und seinen Schwächen.

Starke Rückrunde von Hummels

Einerseits mangelt es ihm an Tempo. Bayern-Trainer Niko Kovac schätzt ihn nicht wirklich. Bundestrainer Joachim Löw hat Hummels im März aussortiert. Andererseits hat Hummels in der vergangenen Rückrunde häufig überzeugt. Er verfügt immer noch über ein herausragendes Aufbauspiel, seine Kopfbälle sind eine Waffe. Und Erfahrung hat er in vielen Duellen gegen die weltbesten Stürmer gesammelt.

Auch deswegen strahlt der Verteidiger in guten Momenten eine Überzeugung aus, an der es den jüngeren BVB-Verteidigern mangelt. Dies ergab auch die Saisonanalyse in Dortmund: Der Titel wurde auch deswegen verpasst, weil die Profis in einigen Partien patzten, die Knie am Ende häufig zitterten. Da soll die Erfahrung und Ausstrahlung von Hummels helfen.

Rückkehr von Sahin und Götze war kein Erfolg

Daher basteln die Dortmunder nun erneut an einer Rückholaktion, wie einst bei Nuri Sahin, Shinji Kagawa und Mario Götze. Keiner von ihnen erreichte je die Stärke und Bedeutung von einst. Warum sollte dies bei Hummels anders sein?

Die BVB-Bosse glauben, dass der Verteidiger immer noch in der Lage ist, die junge Elf zu führen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke träumt schon lange davon, den Ex-Kapitän zurückzuholen.

Nun aber, da die Bayern in Lucas Hernandez für 80 Millionen und Benjamin Pavard für 35 Millionen zwei hochkarätige Abwehrspieler holen, scheint Hummels’ Stern im Süden zu sinken – und wenn er und die Bayern tatsächlich zustimmen, kann der langgehegte Traum in Erfüllung gehen.