Fussball

Fußball-Hauptstadt Berlin: Groß genug für zwei Topteams

Erstmals seit 42 Jahren spielen mit dem 1. FC Union und Hertha BSC wieder zwei Berliner Vereine in der Bundesliga.

Zuschauer aus beiden Teilen Berlins am 27. Januar 1990 im Olympiastadion beim Freundschaftsspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin.

Zuschauer aus beiden Teilen Berlins am 27. Januar 1990 im Olympiastadion beim Freundschaftsspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union Berlin.

Foto: Thomas Wattenberg / dpa

Berlin. Wenn es nach Berlinern geht, darf sich die Hauptstadt auf mehr als nur zwei Stadtderbys in der Fußball-Bundesliga freuen. Karsten Heine, der sowohl den Aufsteiger 1. FC Union sowie Hertha BSC einst trainierte, und Benjamin Köhler, der für beide Vereine spielte, sind sich ebenso einig wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller, dass die stadtinternen Duelle „super für Berlin“ sind. Durch die Entfernung der beiden Vereine innerhalb der Stadt sei genügend Platz für zwei Erstligisten.

Hertha und Union werden in der im August beginnenden Saison die ersten Berliner Erstliga-Stadtderbys seit 42 Jahren austragen. Zuletzt hatte Ende der 1970er Jahre Tennis Borussia neben Hertha in der Bundesliga gespielt. In den vergangenen zehn Jahren trafen Hertha und Union in der Zweiten Liga vier Mal aufeinander – mit ausgeglichener Bilanz bei je einem Sieg und zwei Unentschieden.

Das erste Spiel zwischen Hertha und Union gab es 1990

Das erste Spiel vor mehr als 50.000 Zuschauern im Olympiastadion gab es aber bereits im Januar 1990 – mit Heine als Union-Trainer. „Wir haben alle gemeinsam gehofft, dass beide Vereine mal in der ersten Liga aufeinander treffen“, erinnert sich Heine an dieses Duell. Dass es dann gerade für Union so ein „beschwerlicher Weg“ werden würde, war damals aber nicht abzusehen. „Gutes dauert eben seine Zeit“, sagt er.

Heine sieht Union nun aber gut gerüstet, das erste Jahr im Oberhaus erfolgreich zu überstehen. „Union wird das mit der für den Klub eigenen Art schaffen. Gerade im Stadion an der Alten Försterei mit den tollen Fans wird es für keine Mannschaft einfach“, sagt der 64-Jährige. Auch Köhler ist optimistisch: „Mit der Euphorie werden sie es packen.“ Beide betonen, der Verein werde nach teilweise chaotischen Jahren nach der Wende mittlerweile unter Dirk Zingler als Präsident gut und klug geführt.

Hertha will am 9. November spielen, Union nicht

Und sie würden sich freuen, wenn Erstliga-Stadtderbys in der Hauptstadt ein Dauerzustand werden. „Es ist doch eher bemerkenswert, dass es das bislang nicht gab“, sagte Köhler, „ich kenne kaum eine andere Hauptstadt, die nicht mindestens zwei Erstligisten hat“. In der Tat hat in den großen europäischen Ligen lediglich Paris nur einen Erstligisten – der dafür fünf der letzten sechs Meisterschaften gewann. In Rom sind es zwei Klubs, in Madrid nach dem Abstieg von Vallecano noch vier, in London und Istanbul sogar jeweils fünf.

Nun wird es also auch in Berlin wieder richtige Derbys geben. „Der große Gewinner ist unsere fantastische Hauptstadt“, twitterte Hertha-Manager Michael Preetz nach dem Union-Aufstieg. Der Klub freut sich auf ein mindestens einmal mehr als sonst ausverkauftes Olympiastadion. Auch der Sportsoziologe Thomas Alkemeyer betont: „Fußballerisch ist das ein riesengroßer Gewinn. Es wird große stadtinterne Duelle geben, emotional hoch aufgeladen, da beide Vereine ja auch ganz unterschiedliche Einstellungen, Haltungen und Milieus repräsentieren.“ Das zeigte sich gleich in der Diskussion um einen möglichen Austragungstermin am 9. November – dem 30. Jahrestag des Mauerfalls – den Hertha ins Spiel brachte und Union ablehnte.

Normale Konkurrenz zwischen den Klubs

Von solchen Diskussionen abgesehen, empfinden Heine und Köhler keine große Konkurrenz, „eher eine normale, notwendige Rivalität“, wie es Heine nennt. So wechselt Julius Kade im Sommer ohne Nebengeräusche von Hertha zu Union, und auch Heine und Köhler waren bei beiden Vereinen stets gleichermaßen akzeptiert.

Der gebürtige Westberliner Köhler fühlt sich wegen seiner persönlichen Geschichte mit dem Ostklub Union besonders verbunden, der ihn bei seiner Krebserkrankung im Jahr 2015 enorm unterstützte. Der Ostberliner Heine schwelgt dagegen in Erinnerungen an seine Zeit beim Westklub Hertha, vor allem an die vielen namhaften Spieler und Trainer, die er dort erlebte.

Ehemalige Herthaner und Unioner kommen in Altglienicke zusammen

1990 habe er pure Freude und großes gegenseitiges Interesse füreinander gespürt, „das ist sicher etwas abgekühlt, aber beide Vereine haben ihre Fans, die Stadt ist groß genug und noch ein Profi-Klub würde Berlin auch gut tun“. Heine selbst weiß noch nicht, ob er die beiden Stadtderbys überhaupt im Stadion sehen wird. Das liegt an seinem neuen Job beim Regionalligisten VSG Altglienicke, der wie Union im Südosten der Hauptstadt zu Hause ist.

Dort trainiert Heine viele Spieler, die er aus seiner Zeit bei Union und Hertha kennt. „Die meisten denken zuerst an Torsten Mattuschka, Christopher Quiring oder Björn Brunnemann, aber am Ende spielen hier mehr ehemalige Herthaner“, sagt Heine. Auch so schließt sich für ihn, der auf mehr als 15 Jahre als Spieler und Trainer bei Union sowie knapp 15 Jahre bei Hertha kommt, ein Kreis.