WM 2019

Deutsches Team geschockt nach Marozsan-Ausfall

DFB-Leistungsträgerin muss mit gebrochenem Zeh vorerst aussetzen. Eine Rückkehr in das Turnier ist eher unwahrscheinlich.

Dzsenifer Marozsan (l.) muss nach der Verletzung gegen China pausieren.

Dzsenifer Marozsan (l.) muss nach der Verletzung gegen China pausieren.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Valenciennes. Martina Voss-Tecklenburg versuchte, ihr öffentliches Bild der stets gut gelaunten Bundestrainerin aufrecht zu erhalten. Doch wirklich gelingen wollte ihr dies im nordfranzösischen Valenciennes einen Tag vor dem zweiten Vorrundenspiel bei der WM gegen Spanien (heute, 18 Uhr/ZDF/DAZN) nicht. Denn nun musste die 51-Jährige bestätigen, was außerhalb des Mannschaftskreises befürchtet wurde: Ihre Topspielerin Dzsenifer Marozsan wird ausfallen. „Für die Vorrunde sicher“, wie Voss-Tecklenburg sagte. Aber der Ton und das Mienenspiel der Bundestrainerin ließen erahnen, dass es auch bei erfolgreichem Weiterkommen eng werden könnte für Deutschlands beste Fußballerin.

Was zunächst nach einer Knöchelverletzung durch einen Tritt im Spiel gegen China (1:0) aussah, stellte sich zusätzlich als Bruch des mittleren Zehs am linken Fuß heraus. „Es war ein Schock. Das ist bitter für uns als Team, aber auch persönlich für Dzsenifer. Für sie war es ein besonderes Turnier“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. Die 27-jährige Marozsan spielt für Olympique Lyon, gewann mit dem Klub dreimal die Champions League und dreimal die französische Meisterschaft.

Duell mit Spanien wird Schlüsselspiel

Sie ist der Star im deutschen Team. Eine begnadete Technikerin mit guter Übersicht, die Pässe wie an der Schnur gezogen schlagen und Schüsse hart wie Abrissbirnen aufs gegnerische Tor jagen kann. Vor dem Turnier sagte die zudem dreimal als beste Fußballerin der französischen Liga ausgezeichnete Spielmacherin: „Es ist mein Traum, das WM-Finale in Lyon zu spielen.“

Ein Unterfangen, das nun ernsthaft in Gefahr gerät. Nach dem Stotterstart gegen China ist das Duell mit Spanien wohl das Spitzenspiel um den Sieg in der Gruppe B und damit um einen vermeintlich leichteren Gegner im Achtelfinale. Wie die deutsche Elf auf den Ausfall reagieren wird, ließ Voss-Tecklenburg offen, betonte aber: „Dzsenifer kann man nicht ersetzen.“

Obendorf könnte für Doorsoun in Startelf rücken

Dass es auch so personelle Veränderungen gegeben hätte, räumte die Bundestrainerin ebenfalls ein. „Nicht nur wegen der Verletzung von Dzsenifer Marozsan, sondern auch wegen unserer Beobachtungen aus dem China-Spiel.“ Sara Doorsoun könnte nach bösen Fehlpässen ihren Platz in der Abwehr räumen, die eingewechselte 17-jährige Lena Oberdorf dürfte nach überzeugender Leistung eine Kandidatin für die Startelf sein.

Und Dzsenifer Marozsan? Die trainiert in Frankreich individuell und versucht weiter alles, um doch noch einmal ihr Trikot mit der Nummer zehn bei diesem Turnier überstreifen zu können. Schon nach dem verhängnisvollen Tritt auf den Fuß wurden Erinnerungen an die vergangenen Weltmeisterschaften wach. Die Heim-WM 2011 hatte sie wegen einer Knieverletzung verpasst, 2015 knickte sie in Kanada um, schleppte sich angeschlagen durchs Turnier und musste im Anschluss monatelang nach einer Sprunggelenk-Operation pausieren. Vergangenes Jahr war sie mehrere Monate nach einer beidseitigen Lungenembolie ausgefallen, zeigte sich zuletzt aber in der besten Form ihres Lebens. Bis die Chinesinnen sie aggressiv in die Zange nahmen. Schon früh brach der Zeh im Auftaktspiel – Marozsan spielte trotzdem 75 Minuten lang weiter.

Spanierinnen überzeugen auch nicht

Spaniens Trainer Jorge Vilda reagierte recht kaltherzig auf die Verletzung der deutschen Starspielerin: „Mit gebrochenem Zeh haben andere trotzdem weiter gespielt.“ Seine Mannschaft hatte wie Deutschland ihr Auftaktmatch gewonnen, wie der deutsche Sieg gegen China war aber auch das spanische 3:1 gegen Südafrika nicht völlig überzeugend. Bundestrainerin Voss-Tecklenburg ist das egal. „Wir müssen bei diesem Turnier gegen jedes Team 100 Prozent geben. 80 oder 90 reichen nicht.“