DFB-POKALFINALE

FC Bayern holt zum 19. Mal den DFB-Pokal

Der FC Bayern gewinnt im Olympiastadion 3:0 gegen RB Leipzig. Lewandowski und Coman treffen für den Meister, der lange Probleme hatte.

Geschafft: Kapitän Manuel Neuer (M.) reckt im Kreise seiner Mannschaft den DFB-Pokal in die Höhe.

Geschafft: Kapitän Manuel Neuer (M.) reckt im Kreise seiner Mannschaft den DFB-Pokal in die Höhe.

Foto: Matthias Hangst / Bongarts/Getty Images

Berlin. Sein Bruder war der erste Gratulant, Robert Kovac schloss Niko Kovac in die Arme. Mit einem 3:0 (1:0) gegen RB Leipzig gewann Bayern München den DFB-Pokal, zum 19. Mal. Kovac, dessen Vereinsführung seit Wochen ein Bekenntnis zum Trainer vermeidet, holte somit in seiner ersten Saison als Übungsleiter des FC Bayern das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Zudem ist er der Erste, der als Spieler (2003 mit den Bayern) und nun als Trainer das Double in Deutschland gewinnt. Die Tore in einem über weite Strecken spannenden Finale erzielten Robert Lewandowski (29. und 85. Minute) sowie Kingsley Coman (78.). „Wir haben heute sehr gut gespielt. Bis auf den Eckball haben wir das Spiel kontrolliert. Jetzt sind wir Pokalsieger“, sagte Lewandowski.

Videobeweis nach Großchance für Leipzig

So eindeutig, wie das Resultat klingt, ging das 76. Pokalendspiel im mit 74.322 ausverkauften Olympiastadion nicht über die Bühne. RB Leipzig, das im zehnten Jahr der Vereinsgeschichte zum ersten Mal die Chance auf einen Titel hatte, forderte dem Branchenprimus über 70 Minuten extrem heraus.

So konnten sich die Bayern bei Manuel Neuer bedanken, dass er nach fünf Wochen Verletzungspause seinen Dienst wieder antreten konnte. Der Nationaltorwart lenkte mit einem starken Reflex einen Kopfball des Leipzigers Yussuf Poulsen aus fünf Metern mit dem Arm an die Unterkante der Latte, von dort sprang der Ball zurück ins Feld (10.).

RB protestierte, wollte ein elfmeterwürdiges Foul von Robert Lewandowski an Ibrahima Konaté gesehen haben. Im Videokeller in Köln schaute sich Videoassistent Tobias Welz die Szene an und signalisierte Schiedsrichter Tobias Stieler (Hamburg) im Olympiastadion – weiterspielen.

Bayern-Tor dämpft Schwung der Sachsen

Leipzig dominierte die Anfangsphase mit seinem offensiven Pressing und hohem Tempo fast nach Belieben. So wurde Poulsen erst im letzten Moment von Joshua Kimmich geblockt (17.). Dann schickte Emil Forsberg den schnellen Timo Werner – mit der Fußspitze klärte Kimmich auf Kosten eines Eckballs (24.).

Und die Bayern? Deren Trainer war vor dem Anpfiff in der Münchener Kurve mit „Niko Kovac“-Sprechchören gefeiert worden, aber das Team wirkte beinahe überfordert. Thiago und Javi Martinez gelang es im Mittelfeld nicht, die Führung zu übernehmen.

Doch in der Not zeigten die Bayern Bayern-Qualitäten: Flanke David Alaba von links, ein artistischer Kopfball von Lewandowski gegen die Laufrichtung von RB-Torwart Peter Gulacsi, drin war der Ball. Mit ihrer ersten Torannäherung gingen die Münchener in Führung (29.).

Neuer wehrt Großchance von Forsberg ab

Das Gegentor war ein Stimmungsdämpfer für Leipzig. Plötzlich war die Leichtigkeit dahin, nun war es ein intensives Ringen um jeden Ball. RB geriet unter Druck. Lukas Klostermann klärte im letzten Moment vor Martinez (44.).

Nach der Pause schaltete Leipzig wieder in den Herausforderer-Modus: Nach einem Konaté-Steilpass sprintete Forsberg über 30 Meter freistehend aufs Bayern-Tor zu, doch Torwart Manuel Neuer wehrte den Ball mit einer starken Fußparade zur Ecke ab – was für eine Monsterchance (48.).

„Ich war hochmotiviert und bin im Training bereit gewesen“, sagte der starke Neuer: „Ich hätte gern schon eher gespielt, es war eine Punktlandung. Besser hätte man das Drehbuch nicht schreiben können.“

Aber auch die Bayern waren hellwach: Lewandowski ließ zwei Gegenspieler aussteigen, sein Schuss landete in den Armen von RB-Torsteher Gulacsi (55.). Während RB-Trainer Ralf Rangnick die aufgeheizte Partie relativ ruhig verfolgte, coachte Kovac temperamentvoll an der Seitenlinie.

Coman erhöht auf 2:0

Nach 58 Minuten brachte Timo Werner die Kugel endlich vorbei an Torwart Neuer – diesmal stoppte Bayerns Innenverteidiger Niklas Süle den Ball kurz vor der Linie. Im Gegenzug rissen die ersten Münchner Ersatzspieler auf der Bank die Hände bereits zum Jubeln hoch, doch ein Thiago-Kopfball rauschte um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei.

Für Leipzig sollte sich der fahrlässige Umgang mit den Hochkarätern rächen.

Eine abgefälschte Flanke landete bei Kingsley Coman, der aus zwölf Metern zum 2:0 traf (78.). Im Videokeller wurde die Entscheidung überprüft – RB wollte ein Foul von Lewandowski an Verteidiger Konaté gesehen haben. Doch die Entscheidung blieb: Tor.

Schaulaufen für Robben und Ribéry

Während die Bayern-Kurve nach der Abschiedseinwechselung von Arjen Robben (73.) lautstark auch Franck Ribery forderte, machte Lewandowski mit seinem Treffer zum 3:0 alles klar (85.).

Ribery kam drei Minuten später ebenfalls zu seinem letzten Einsatz im Bayern-Trikot. Die letzten Minuten waren ein Schaulaufen für Ribery und Robben, deren Zeit in München mit der Nacht im Olympiastadion und dem DFB-Pokal, überreicht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, zu Ende ging.

„Jetzt ist schon eine große Enttäuschung da. Wenn du hier bist, willst du gewinnen“, sagte Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. „Wir hatten starke erste 30 Minuten, in denen wir in Führung gehen müssen. Nach dem ersten Gegentor waren wir ein bisschen verunsichert. Am Ende ist es eine verdiente Niederlage.“