DFB-Pokalfinale

Der letzte Akt im Bayern-Drama um Kovac

Bleib er oder muss er gehen? Für Bayern-Trainer Niko Kovac steht gegen Leipzig weit mehr auf dem Spiel als nur der DFB-Pokal.

Trainer Niko Kovac präsentiert seinen ganzen Stolz: die Meisterschale.

Trainer Niko Kovac präsentiert seinen ganzen Stolz: die Meisterschale.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Berlin. Ein Pokalfinale als Ticket für eine ganze Saison. Auf dem Spiel gegen RB Leipzig am Sonnabend steht: ein (weiteres) Jahr auf der Trainerbank des FC Bayern. Das erste Spiel seiner ganz persönlichen Relegation hat Niko Kovac gewonnen. 5:1 gegen Eintracht Frankfurt. Dafür gab es die Meisterschale, zwei Bierduschen, eine Medaille, einen Wimpel. Dazu Sprechchöre der Fans, Anerkennung und Lob. Was fehlte: Lippenbekenntnisse seiner Bosse sowie herzliche Umarmungen seiner Spieler. Als Bayern-Trainer Jupp Heynckes Titel feierte, wurde er von den Spielern stets auf Händen getragen und in die Luft geschmissen.

Mit forschen Aussagen („Ich bin davon überzeugt, dass es weitergeht“) überrumpelte Kovac letzten Sonnabend die zaudernden Verantwortlichen, dokumentierte kurz darauf seine Unsicherheit („Ich glaube, dass ich das richtig interpretiert habe“). Bekommt er, weil man ihm fürs Double Dank schuldet, nach einem gewonnenen Pokalfinale gegen Leipzig endlich Brief und Siegel für die Weiterbeschäftigung, die vertraglich ohnehin bis 2021 fixiert ist? Oder wird Kovacs Arbeitspapier bei einer krachenden Niederlage zum Papierflieger, zu Konfetti? Verbunden mit einem goldenen Handschlag: Danke, Trainer. Und alles Gute weiterhin!

Entscheidung nicht von einem Spiel abhängig

Endspiel um den Job also. Oder etwa doch nicht? „Es wäre verrückt, wenn man das von einem Spiel abhängig macht. Das wäre unverantwortlich“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsboss, am Freitag bei „Bild“ in Berlin. Eine plötzliche Kehrtwende? Damit sagt er indirekt aber auch: Die Entwicklung der Mannschaft über die gesamte Saison wird analysiert.

Nichts ist unmöglich. „Nach dem Düsseldorf-Spiel (dem 3:3 Ende November, damals der Höhepunkt der Krise, d.Red.) haben wir uns gesagt, wir ziehen das jetzt durch und stehen hinter Niko Kovac. Und wir haben gesagt: Wir setzen uns nach der Saison zusammen und analysieren alles und dann sehen wir, wie es weitergeht. Daran halten wir fest.“

Also was nun? Uli Hoeneß hatte den Kroaten ins Amt gehoben, auch weil dieser als Ex-Spieler ein Teil der Hoeneß’schen Mia-san-Mia-Familie ist. Er vergönnt dem 47-Jährigen ein weiteres Jahr. Dass die Fans Kovac während des Heimspiels gegen Frankfurt abfeierten, habe er sehr wohl vernommen, so der Bayern-Präsident. „Das hat mir gutgetan“, sagte er voller Zufriedenheit. Ja, ihm! Seinem ständigen Tribünen-Nachbarn etwa nicht? Rummenigge hatte Kovac kühl und harsch eine Jobgarantie verweigert und stets auf die Verpflichtung zu Erfolg gepocht. Ein anderes „Mia san mia“, das eher auf einer nüchtern-geschäftlichen Basis fußt. „Ich wollte damit zu erkennen geben: Wir dürfen nicht zufrieden sein“, erklärte Rummenigge nun.

Rummenigge ist in jedem Fall fein raus

Die Differenzen zwischen Kovac und Teilen der Mannschaft, die sich in taktischer Hinsicht unterfordert fühlen und in der Hitze der Schlacht hilfreiche Flexibilität von der Seitenlinie aus vermissen, lassen auch Hoeneß zweifeln. Er hadert, schiebt die bald zu lösende Kernfrage weg: „Wir sollten das Thema mal aus unseren Köpfen bringen.“ Bei einer Feier mit Pokal dürfte er den Schulterschluss mit Kovac suchen. Für Rummenigge ist das Endspiel eine Win-Win-Situation: Gewinnt Bayern, hat der Verein sein 12. Double der Vereinsgeschichte eingesackt. Bei einer Niederlage könnte er eine Trennung vom Trainer intern argumentativ besser vorantreiben.

Für Kovac ist es das dritte Pokalfinale hintereinander, das schafften zuvor nur Otto Rehhagel (von 1989 bis 1991), Udo Lattek (von 1984 bis 1986) sowie Hans Schmidt (von 1935 bis 1938). 2016 verlor Kovac mit Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund 1:2. Letztes Jahr glückte ihm der Coup, als angehender Bayern-Coach seine künftige Mannschaft mit 3:1 zu bezwingen. Was ihm landesweit Sympathie und in München Respekt einbrachte. Letzterer wurde in der neuen Saison vom ersten Herbststurm hinfortgeblasen. Das Zaudern der Bosse machte ihn bei den Fans zum Sympathieträger, er bedankte sich für „Anerkennung und Trost“.

Kovac könnte eine Premiere gelingen

Mit einem Erfolg gegen RB Leipzig könnte Kovac eine Menge Argumente auf seine Seite schaufeln. Vierter Trainer, der den DFB-Pokal mit zwei verschiedenen Teams gewinnt (nach Rehhagel, Hennes Weisweiler und Karl-Heinz Feldkamp) – was keinem der Herren zweimal in Folge gelang.

Plus, und das würde Kovac die Krone aufsetzen: Nach dem Gewinn von Meisterschaft und Pokal als Spieler, im Jahr 2003 mit Bayern, könnte er zum Pionier der Vereinsgeschichte werden: ein Doppel-Double, einst als Profi, nun als Coach. Was im deutschen Fußball einmalig wäre.