Fußball-WM 2022

Pleite für Infantino: Mega-WM erst 2026

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Das hatte sich Gianni Infantino etwas anders vorgestellt: Eine WM mit 48 Teams wird es 2022 in Katar noch nicht geben.

Das hatte sich Gianni Infantino etwas anders vorgestellt: Eine WM mit 48 Teams wird es 2022 in Katar noch nicht geben.

Foto: IBRAHEEM AL OMARI / Reuters

Rückschlag für Fifa-Präsident Gianni Infantino: Seine Träume von einer WM mit 48 Teams schon 2022 in Katar sind geplatzt.

Zürich/Frankfurt. Im Moment der unerwarteten Niederlage blieb Gianni Infantino stumm. Nachdem die von ihm anvisierte Aufstockung der Winter-WM 2022 in Katar überraschend vorzeitig geplatzt war, gab es dazu kein Statement vom Fifa-Präsidenten. Stattdessen veröffentlichte der Fußball-Weltverband lediglich eine knappe Mitteilung: Die vorgezogene Mega-WM ist vom Tisch, eines von Infantinos Lieblingsprojekten schon vor dem Fifa-Kongress am 5. Juni in Paris begraben.

Persönliche Niederlage für den Präsidenten

Es ist ein mittlerweile ungewohntes Gefühl für den mächtigen Schweizer. Infantino liebt es, wenn ein Plan funktioniert. Das tat er zuletzt häufig. Mit der Ausweitung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Teams für die WM 2026 löste er im Vorjahr ein Wahlversprechen an die vielen kleineren Verbände ein. Dazu boxte er Anfang März erfolgreich die Reform der Klub-WM durch, und auch seine Wiederwahl im Juni ist angesichts eines fehlenden Gegenkandidaten nur noch Formsache.

Doch das offizielle Ende der Pläne für Katar ist für Infantino nun eine persönliche Niederlage. Schließlich hatte er das Vorhaben zur Chefsache gemacht. „Warum nicht?“, fragte er zu Beginn seiner Werbetour Ende Oktober rhetorisch. Im Dezember sah er dann eine „Mehrheit“ für seine Pläne, sprach im Januar davon, „Ideen und Träume“ zu haben, zeigte sich im Februar noch immer „optimistisch“ und präsentierte im März stolz die positiven Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie.

Weltpolitik macht Erweiterung unmöglich

Letztlich aber stolperte ausgerechnet der gewiefte Machtpolitiker Infantino über die Weltpolitik. Die Suche nach dem zwingend notwendigen Co-Gastgeber gestaltete sich aufgrund der komplexen politischen Verhältnisse in der Golfregion zu schwierig. Eine Staatengruppe unter Führung Saudi-Arabiens boykottiert Katar seit 2017 politisch und wirtschaftlich. Lediglich Kuwait und der Oman waren als Mit-Ausrichter denkbar, wobei letzterer bereits abgewinkt hatte.

„Nach einem gründlichen und umfassenden Konsultationsprozess unter Einbeziehung aller relevanten Interessengruppen wurde der Schluss gezogen, dass unter den derzeitigen Umständen ein solcher Vorschlag nicht umgesetzt werden kann“, hieß es deshalb leicht verklausuliert in der Fifa-Mitteilung: „Es wird kein Vorschlag für den nächsten Fifa-Kongress am 5. Juni eingereicht.“

Nicht Infantinos erster Rückschlag

Die Schlappe für Infantino hatte sich angedeutet. Viele Experten hatten den Fifa-Boss wiederholt davor gewarnt, die Situation in der Krise am Persischen Golf zu unterschätzen. Auch WM-Gastgeber Katar schlug zuletzt deutlich vorsichtigere Töne an und betonte, dass die Entscheidung nicht zum Alleingang der Fifa werden könne. Das muss nun auch Infantino spüren, der ohnehin zuletzt an mehreren Fronten zu kämpfen hatte.

Wegen der „Amigo-Affäre“ um Geschenke an einen Jugendfreund, den heutigen Schweizer Staatsanwalt Rinaldo Arnold, sowie vermeintliche Geheimtreffen mit dem im Fifa-Korruptionsskandal ermittelnden Bundesanwalt Michael Lauber geriet Infantino zuletzt unter Druck. Auch für die neue Klub-WM und sein Vorhaben einer globalen Nations League für Nationalteams gibt es Gegenwind. Beim Kongress in Paris muss sich Infantino in zwei Wochen wohl auch unangenehme Fragen gefallen lassen. Dann sollte der 49-Jährige auch wieder redseliger sein.

SID