Bundesliga

Die Bayern feiern die glorreiche Sieben

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Franck Ribéry (untere Reihe, 2.v.r.) feiert seine neunte Meisterschaft mit den Bayern

Franck Ribéry (untere Reihe, 2.v.r.) feiert seine neunte Meisterschaft mit den Bayern

Foto: KAI PFAFFENBACH / Reuters

Die Bayern holen den Titel und krönen Franck Ribéry zum Rekordmeister der Bundesliga. Doch Gerüchte um Trainer Kovac bleiben.

München. Seinen Moment, seinen ganz persönlichen Moment des Tages, nein der gesamten Saison hatte Niko Kovac noch während des Spiels, rund zehn Minuten vor Spielende gegen seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt. Es stand bereits 5:1, das Ding war durch, Bayern Deutscher Meister, zum siebten Mal hintereinander, zum 29. Mal insgesamt. Da begann die Südkurve seinen Namen zu skandieren. „Niiii-ko Kovac!“ Laut, immer lauter. Tausende auf den Tribünen stimmten ein und feierten den Meister-Trainer mit „Du bist der beste Mann!“.

Kovac spürte die Vibrationen dieses besonderen Moments, genoss die Ovationen, feierte diese, seine Sekunden. Pure Genugtuung. Er bedankte sich, zeigte Richtung Kurve den Daumen nach oben und winkte voller Stolz. Zum Abschied? Am Freitag hatte das Online-Portal „Spox“ berichtet, dass der gebürtige Berliner in jedem Fall nach Saisonende gehen muss – selbst als Meister oder gar als Doublegewinner.

Kovac wie einst Beckenbauer

Wenig später, als der 47-Jährige die Meister-Medaille umhatte, reckte er immer wieder die Faust in den Himmel, winkte seinen Lieben auf der Tribüne. Es ist sein größter Erfolg. Es ist seine Schale. In seinem Casual Outfit stand er da, glückstrahlend und mit klebrigem Weißbier am Körper. Neun Punkte Rückstand im Winter auf Borussia Dortmund, nun zwei Zähler Vorsprung auf den BVB ins Ziel gerettet, alle internen und externen Störfeuer überwunden und am Ende ein Champion. Denn nun steht Kovac auf einer Stufe mit der Lichtgestalt des deutschen Fußballs.

Richtig gelesen. Kovac ist gleich Kaiser. Denn in der titelreichen Vereinshistorie des FC Bayern war es bisher nur Franz Beckenbauer gelungen, als Spieler (1969, 1972, 1973, 1974) und als Trainer Meister zu werden.

Der Trainer geht von Verbleib aus

Aber bleibt Kovac? Jetzt doch? Am Sky-Mikrofon sagte er zu den Gerüchten über seinen feststehenden Abschied. „Ich habe im Hintergrund andere Informationen. Ich bin davon überzeugt, dass es weitergeht.“ Ach, ja? „Sie können mir glauben, dass das Infos aus erster Hand sind, nicht aus zweiter oder dritter.“ Also direkt von den Bossen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß? Kovac antwortete mit einem Lächeln: „Ähm, ja, lassen wir es mal so stehen.“

Auf der Pressekonferenz erklärte er rund eine Stunde später: „Ich rede mit meinen Chefs, ich habe ja drei. Wenn man miteinander redet, hört man heraus, in welche Richtung es geht. Ich glaube, dass ich das richtig interpretiert habe.“ Hoffentlich – für ihn. Als noch einmal nachgehakt wurde, wie es nun tatsächlich weitergehe, antwortete er: „Ja, aber wir sind deutscher Meister.“ War das die Bedingung der Bosse? Ist Kovac nächste Saison Trainer? Sportdirektor Hasan Salihamidzic: „Die Fakten sprechen dafür, ja.“

Feier mit Weißbier und Tränen

Dieser 18. Mai 2019, diese Doch-Noch-Meisterschaft, eingefahren am letzten Spieltag, könnte der Wendepunkt im Hickhack um den zähen und widerstandsfähigen Coach sein, der trotz seines Vertrags bis 2021 gefühlt nur noch auf Abruf im Amt war. Das Votum der Fans war jedenfalls eindeutig. Kann man so einen bei den Fans derart beliebten Meistertrainer entlassen? Kurzfristig zumindest nicht. In einem Interview noch auf dem Rasen fürs Vereins-TV hatte Kovac mit wässrigen Augen und brüchiger Stimme gesagt: „Es ist Wahnsinn.“ An die Fans gerichtet: „Danke für eure Unterstützung.“ Er verneigte sich, ab auf die Ehrenrunde.

Dann wurde gefeiert, eine Party mit viel Weißbier und Tränen. Vor allem wegen der scheidenden Altstars Franck Ribéry und Arjen Robben, die – wie im kitschigsten Märchen – beide als Einwechselspieler ihr Abschiedstor erzielten. Das 4:1 und 5:1. Zuvor hatten Kingsley Coman (4.), David Alaba (53.) sowie Renato Sanches (58.) auf 3:1 gestellt, nur nach Sébastien Hallers Ausgleich (51.) war es kurz kribbelig in München, weil der BVB in Gladbach führte. Doch dann bescherten sich die Oldies selbst. Die ganze Mannschaft feierte Ribéry (36) und Robben (35) für ihre Tore, die Fans für zwölf bzw. zehn Jahre in München.

„Mir war wichtig, nochmal zu spielen, ich war nur heiß auf das Spiel – und jetzt kommt alles raus“, sagte Robben und gab zu: „Die Tränen waren schon ein paar Mal da heute.“ Die Schale, überreicht von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, durften Ribéry, Robben und Rafinha, der nach acht Jahren geht, gemeinsam entgegennehmen.

Ribéry hält nun allein den Rekord

Ribéry, mit neun Meisterschaften nun Rekordhalter in der Bundesliga, heulte hemmungslos. Auf der Tribüne erwischte es auch Uli Hoeneß. Der Präsident konnte bei der Einwechselung von Ribéry, dessen Ziehvater er immer war, seine Tränen nicht zurückhalten, weinte hemmungslos. Es wurde die rauschendste Feier, die die Allianz Arena je gesehen hatte – kein Wunder, nach zuletzt zwölf auswärts gewonnenen Meisterschaften.

Schlusswort Thomas Müller: „Die Mannschaft hat’s verdient. Wir hatten so viel Stress und Ärger in diesem Jahr, sind von neun Punkten Rückstand zurückgekommen, mehr geht nicht. Nächste Woche holen wir uns den Pokal!“

( Patrick Strasser )