Fussball

Die gesamte Bundesliga drückt Frankfurt die Daumen

Halbfinale gegen den FC Chelsea: Wie die Bundesliga von einem Eintracht-Triumph in der Europa League profitieren könnte

Danke für die Unterstützung: Makoto Hasebe und Kevin Trapp (v.l.) bedanken sich mit ihren Mitspielern bei den Fans.

Danke für die Unterstützung: Makoto Hasebe und Kevin Trapp (v.l.) bedanken sich mit ihren Mitspielern bei den Fans.

Foto: Arne Dedert / dpa

Frankfurt/Main. Das weiße Hemd perfekt gebügelt, der Drei-Tage-Bart frisch gestutzt: Adi Hütter (49) war schon am Tag vor dem Spiel gegen den FC Chelsea bereit für einen weiteren Europacup-Festtag. „Wir treffen auf einen Über-Gegner. Aber wir müssen das auch genießen“, sagte der Trainer von Eintracht Frankfurt vor dem Halbfinal-Hinspiel der Europa League am Donnerstag (21 Uhr/RTL und DAZN): „Wir fühlen uns in der Underdog-Rolle sehr wohl.“ Hütter ist sich zwar nicht nur wegen der zuletzt etwas kraftlosen Bundesliga-Auftritte sicher, dass „wir leiden müssen“ – dennoch glaubt der Österreicher fest an die Chance des deutschen Pokalsiegers: „Ich bin überzeugt, dass wir uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel schaffen können.“

Denn der sechsmalige englische Meister, der 2012 die Champions League und ein Jahr später die Europa League gewann, ist zwar finanziell haushoch überlegen mit seinem fünfmal so hohen Umsatz, steht aber unter enormem Druck. Trainer Maurizio Sarri (60) kämpft um seinen Job, braucht dringend ein versöhnliches Saisonende. In der heimischen Premier League kämpfen die „Blues“ zwei Spieltage vor Schluss nämlich nur noch darum, bei 24 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Manchester City den vierten Platz zu verteidigen.

Dass der Weltverband Fifa Chelsea wegen Verstößen gegen Transferregeln mit einer Einkaufssperre bis zum Sommer 2020 belegt hat, drückt trotz eingelegten Widerspruchs noch mehr auf die Stimmung bei dem Klub, den der russische Besitzer Roman Abramowitsch nach Milliardeninvestitionen inzwischen lieber wieder loswerden will.

„Jetzt gilt es, die Daumen für die letzte deutsche Mannschaft auf europäischer Ebene zu drücken“, forderte jedenfalls Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), nach den „spektakulären Spielen“ in den vorherigen Runden gegen Schachtjor Donezk, Inter Mailand und Benfica Lissabon. Schon aus Eigennutz dürften das die Ligakonkurrenten tatsächlich tun, denn ein Erfolg Frankfurts hätte ja auch auf sie Auswirkungen. Denn falls Eintracht die Europa League gewänne, dürfte die Mannschaft nächste Saison definitiv in der Champions League spielen – und zwar als im besten Topf gesetzter Gruppenkopf.

Sollte Frankfurt sogar auf Rang acht oder noch weiter in der Bundesliga zurückfallen, dürften bei einem Sieg in der Europa League nicht nur für fünf deutsche Teams in der Champions League starten, sondern auch noch drei in der Europa League.

Doch an so etwas denken die Spieler natürlich erst einmal nicht. „Chelsea ist ein riesengroßer Gegner“, äußerte Martin Hinteregger: „Aber wir haben bewiesen, dass wir mit Champions-League-Teams mithalten können.“ Ähnlich sieht es Kevin Trapp, der von der Mannschaft einen kollektiven Kraftakt erwartet. „Wir müssen über diesen Punkt, wenn es weh tut und schwer wird, hinweggehen“, sagte der Torhüter: „Gegen eine Mannschaft wie Chelsea spielen wir ja nicht so oft, da müssen wir voll da sein und alles ausblenden.“

Verpassen wird das Spiel übrigens Nationalverteidiger Antonio Rüdiger, der 26-jährige Berliner in Diensten des FC Chelsea musste am Knie operiert werden. „Wie schade, dass ich meiner Mannschaft nicht mehr helfen kann“, schrieb Rüdiger in den sozialen Medien. „Aber meine Knieoperation verlief gut, und ich denke schon wieder positiv.“