DFB-Pokal

Kovac oder Kohfeldt – Es kann nur einen geben

Das Pokalhalbfinale zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern ist auch das Duell der beiden Trainer. Die Statistik spricht für Kovac.

Zuletzt sah man sich am vergangenen Sonnabend in München: Bayern-Coach Niko Kovac (l.) und Werder-Trainer Florian Kohfeldt vor dem Bundesliga-Spiel am 20. April, das der FC Bayern 1:0 gewann.

Zuletzt sah man sich am vergangenen Sonnabend in München: Bayern-Coach Niko Kovac (l.) und Werder-Trainer Florian Kohfeldt vor dem Bundesliga-Spiel am 20. April, das der FC Bayern 1:0 gewann.

Foto: Matthias Balk / dpa

München. Niko Kovac liebt das Dunkel der Nacht, insbesondere die Kombination mit Flutlicht und Fußball. „Abendspiele haben immer eine ganz andere Wirkung auf Fans und Spieler. Das war für mich immer das Schönste, da kommen auch die besten Spiele raus“, sagt der Bayern-Trainer und freut sich auf den Mittwochabend im Weserstadion, auf das DFB-Pokalhalbfinale bei Werder Bremen (20.45 Uhr, ARD und Sky). Unter Flutlicht. Wenn alle unter Strom sind. Kein zäher Vorsommer-Kick wie am vergangenen Sonnabend in der Allianz Arena, als Bayern 1:0 gewann.

„Das wird nun, wenn in Bremen das Licht angeht, ein anderes, schwierigeres Spiel“, so Kovac. Ein K.o.-Spiel um den Einzug ins Cup-Finale am 25. Mai im Berliner Olympiastadion. Ein Spiel, das für Kovac in seinem Premieren-Jahr auf der Bayern-Bank bereits der K.o. für das Ziel Double bedeuten kann.

In der Champions League kam das Aus für die Münchner Ansprüche deutlich zu früh – auch wenn im Achtelfinale der Gegner FC Liverpool hieß. Unter Flutlicht und unterm Brennglas der Beobachter, intern wie extern: Bremen wird für Kovac zu einer Weggabelung.

Kovac war im DFB-Pokal schon oft erfolgreich

Dabei müsste Kovac in der Nacht vor dem Pokal-Duell am Mittwoch gut geschlafen haben. Denn Pokal kann er, da geht er fast nie k.o.. Seit Kovac am 8. März 2016 bei Eintracht Frankfurt als neuer Cheftrainer Nachfolger von Armin Veh wurde, lautet seine Pokal-Bilanz mit den Hessen und den Bayern: 15:1-Erfolge.

Vier Runden, wenn auch beinahe blamabel knapp gegen zwei Regionalligisten und im Viertelfinale mit dem kuriosen 5:4 gegen Zweitliga-Klub FC Heidenheim, hat er in dieser Spielzeit mit den Münchnern überstanden – und das als amtierender Pokalsieger.

Schließlich gewann Kovac letzte Saison den Cup, versalzte Bayerns Trainerlegende Jupp Heynckes im Mai 2018 den Abschied. Macht vier plus die sechs Pokal-Einzelsiege, die man ja für den Titel braucht.

Das Finale in Berlin ist ein herausragendes Erlebnis

Auch in der Saison 2016/17 hatte er mit der Frankfurter Eintracht das Finale erreicht, verlor 1:2 gegen Dortmund, Kovac’ einzige Cup-Pleite. Wohl deshalb liebt er den Pokal so sehr, denn bis auf die erste Hauptrunde im August finden alle Partien inklusive Finale abends statt. „Man ist im Pokal besonders motiviert.

Das Finale in Berlin mitzuerleben, ist wirklich etwas Tolles, die Stimmung einzigartig, das ganze Land schaut auf dieses Spiel“, sagt Kovac, der weiß: „Werder steht seit langer Zeit mal wieder im Halbfinale, die ganze Stadt und das Publikum sind elektrisiert, das Endspiel zu erreichen.“ Zum ersten Mal seit 2010 (0:4 gegen Bayern).

Den Pott holten die Hanseaten das letzte Mal im Jahr zuvor, mit 1:0 gegen Leverkusen, Siegtreffer Mesut Özil. Im Sturm wirbelte ein gewisser Claudio Pizarro, der heute 40-Jährige sitzt am Mittwoch als Joker auf der Bank.

Werder ist im Pokal seit 1988 zu Hause ungeschlagen

Pizarro kennt die unheimliche Serie, die Bremen am Mittwoch im mythischen Weserstadion weiterschreiben will, nur zu gut. 37 Spiele lang ist man in der grün-weißen Festung bei Pokal-Heimspielen ungeschlagen, verlor zuletzt am 13. April 1988 im Halbfinale mit 0:1 gegen Eintracht Frankfurt.

Das 16-jährige Talent Niko Kovac, geboren in Berlin, kickte damals für Rapide Wedding, während Werders heutiger Cheftrainer Florian Kohfeldt, Baujahr 1982, noch nicht einmal eingeschult war. Diese Saison allerdings gewann Bremen vier Mal auswärts, zuletzt in Dortmund (7:5 nach Elfmeterschießen) und auf Schalke (2:0). Unter Kohfeldt, dem Gerechtigkeitsfanatiker. Sagt er über sich selbst.

„Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, muss ich extrem mit mir kämpfen, um nicht aus der Haut zu fahren.“ In dieser Saison wurde Kohfeldt sogar einmal auf die Tribüne verbannt. Er versuche, „diese Seite so gut wie möglich zu unterdrücken“, meinte der 36-Jährige, vor ein paar Wochen vom DFB als „Trainer des Jahres 2018“ ausgezeichnet.

Kohfeldt ist süchtig nach Kaugummis

Gegen das Aus-der-Haut-fahren helfen ihm: Kaugummis, eine Menge Kaugummis. Kohfeldt ist süchtig, das gibt er gerne zu. „Immer, wenn auf dem Platz etwas passiert, gibt’s einen. Das hilft mir beim Stressabbau. Ich habe schon einmal probiert sie wegzulassen, aber ohne geht es einfach nicht.“

Stets griffbereit sind die Dinger in der Hosentasche seines Trainingsanzuges. Rund zwei Packungen (also 24 Kaugummis) verschleißt der Gesundheitswissenschaftler in 90 Minuten.

Am Mittwoch wird er für den Fall der Fälle – Verlängerung plus eventuelles Elfmeterschießen – sicher noch eine extra Packung einstecken.

Bremen hat in der Rückrunde erst einmal verloren

Sportdirektor Frank Baumann setzte ab Ende Oktober 2017 auf den früheren Co-Trainer von Werder (75 Spiele), als Nachfolger von Alexander Nouri. Bereits 2001 kam Kohfeldt als Torwart nach Bremen, beendete früh seine aktive Karriere („Ich war nicht gut genug“) und wurde 2006 – mit erst 23 Jahren! - Jugendtrainer.

In dieser Rückrunde hat er mit Werder erst ein Spiel verloren, das vor vier Tagen bei Bayern. Das Finale wäre seine bisherige Krönung, womöglich der Beginn einer Ära à la Thomas Schaaf oder gar Otto Rehhagel.

Doch Kovac ist nicht bange. „Vor zwei Jahren in Gladbach, letztes Jahr auf Schalke, beide Male mit der Eintracht“, deutete er seine Mini-Serie in Halbfinals an und fügte lächelnd hinzu: „Dieses Jahr eben in Bremen.“

Der Kroate: „Wir sind nie nicht einfach durchmarschiert, man braucht etwas Glück im Pokal.“ Er hofft auf eine gute Nacht.