Bundesliga

Titeljagd entscheidet auch Bayerns internen Machtkampf

Zwei Spiele in fünf Tagen gegen Werder Bremen könnten den Einfluss von Hoeneß und Rummenigge auf die Zukunft des Klubs verändern.

Zum 119. Geburtstag des FC Bayern vereint, aber sonst im Richtungsstreit: Präsident Uli Hoeneß (r.) und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Zum 119. Geburtstag des FC Bayern vereint, aber sonst im Richtungsstreit: Präsident Uli Hoeneß (r.) und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Foto: Sina Schuldt / dpa

München. Ein bisschen wurmt es Uli Hoeneß doch, dass der erste Meistertitel der Saison nicht an den FC Bayern ging – sondern an Werder Bremen. Seine Bayern hatten auf eine Teilnahme an der Virtuellen Bundesliga vorerst verzichtet. eSport und Hoeneß, das war immer ein schwieriges Verhältnis. „Sollen wir da mitmachen?“, fragte der Bayern-Präsident kürzlich. „Das sollten die Mitglieder entscheiden.“ Hauptsache, Bayern würde dann auch dort Meister.

Werder kann das Double zunichte machen

Wie soll man Hoeneß da glauben, dass er in der realen Fußball-Welt auch mal mit Platz zwei leben könnte, wie er unlängst behauptete? Die Wahrheit ist eine ganz andere: Fünf Spieltage vor Saisonende darf sich der Tabellenführer den Vorsprung von einem Punkt auf Verfolger BVB nicht mehr nehmen lassen. Der gesamte Hoeneß-Kosmos geriete ins Wanken. Wieder spielt Werder Bremen eine entscheidende Rolle.

Sonnabend in der Bundesliga in München, Mittwoch im DFB-Pokal in Bremen: In nur fünf Tagen kann der Nordklub das ersehnte Double zunichte machen. Für Hoeneß steht dabei sogar noch mehr auf dem Spiel. In Nibelungentreue hält er an Niko Kovac fest und versicherte seinem Trainer im Restaurant „Käfer“ sogar Rückendeckung, falls die Mannschaft strauchelt.

Hoeneß kontert Rummenigge, Rummenigge kontert Hoeneß

Keine zwei Tage später konterkarierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das Treuegelöbnis des Aufsichtsratsvorsitzenden. „Es gibt keine Job-Garantie bei Bayern, für niemanden“, erinnerte er Hoeneß ans eigene Grundgesetz. „Jeder muss liefern. Wer damit nicht umgehen kann, ist im falschen Klub.“ Natürlich war der Trainer gemeint. Hoeneß aber dürfte die Aussage nach dem Schulterschluss mit Kovac persönlich verstanden haben.

Wenn die Bosse einträchtig nebeneinander auf der Haupttribüne sitzen, geben sie keinen Anlass zu Spekulationen, wie es um ihre Beziehung steht. Hoeneß aber machte nun unter der Woche klar, dass Rummenigge ein Vorstandschef auf Abruf ist. Der designierte Rummenigge-Nachfolger Oliver Kahn soll am 1. Januar 2020 seine Einarbeitungszeit beginnen - ein Jahr früher als geplant.

18 Pflichtspielsiege in Folge gegen Bremen

Diese Machtverhältnisse kippen nur dann, wenn Bayern gegen Werder die Saison versemmelt. Dann landet mit der Trainerfrage auch die Zukunftsfähigkeit des Rekordmeisters auf der Agenda. Es ist kein Geheimnis, dass Rummenigge eher Thomas Tuchel als Niko Kovac wollte. Die Gefahr für Hoeneß scheint aber nicht hoch. 18 Pflichtspielsiege in Folge stehen gegen Werder zu Buche. In den letzten sieben Gastspielen in München kassierte Bremen 36 Gegentore - nie weniger als vier.

„Es ist eine besondere Situation, aber wir müssen uns auf das erste Spiel konzentrieren“, sagte Trainer Kovac. „Bremen ist ein Gegner, der gut in Form ist und den wir sehr ernst nehmen.“ Neben Torwart Manuel Neuer (Wadenverletzung) dürfte auch Innenverteidiger Mats Hummels pausieren. Kovac möchte bei der Zerrung kein Risiko eingehen. Er braucht Hummels für das Pokalspiel; dort ist Niklas Süle gesperrt. Es steht zu viel auf dem Spiel.

Vorbild Ajax Amsterdam

Ein aktuelles Vorbild für einen sportlichen Coup lieferte Bremen Ajax Amsterdam mit dem Sieg bei Juventus Turin. Begeistert verfolgt vom Bremer Mittelfeldkämpfer Davy Klaassen, der selbst 13 Jahre lang das Ajax-Trikot trug. „Ajax hat das sehr gut gemacht. Und wenn wir es auch gut machen, haben wir in München Chancen. Ein klein bisschen Ajax steckt auch in Werder“, glaubt der Niederländer. Bayern war in der Gruppenphase der Königsklasse nicht über zwei Unentschieden gegen Amsterdam hinausgekommen.