Europa League

Warum Frankfurts Gegner sogar Madonna anlockt

Benfica Lissabon ist Europas größte Kaderschmiede. verdient mit dem Nachwuchs über 400 Millionen Euro. Auch der Sohn des Popstars übt dort.

Die berühmteste Fußball-Mama in Lissabon: Madonna mit ihrem Sohn David Banda

Die berühmteste Fußball-Mama in Lissabon: Madonna mit ihrem Sohn David Banda

Foto: Carlos Rodrigues / Getty Images

Seit Madonna in Portugal lebt, sind die Sängerin und ihre Privilegien ein großes Thema. Zuletzt scheint sie den Bogen allerdings überspannt zu haben. Nachdem ihr das Rathaus von Sintra für den Videodreh zu ihrer neuen Single „Indian Summer“ zwar artig ein denkmalgeschütztes Palais zur Verfügung stellte, aus Sorge um das Interieur jedoch den gewünschten Auftritt eines Pferdes untersagte, soll sie sogar den Premierminister eingeschaltet haben. Alles half nichts, Madonna zeterte über Undankbarkeit („Dabei habe ich dem Land so viel gegeben“) und die Presse berichtet, sie werde ihren Wohnsitz in Lissabon noch dieses Jahr aufgeben.

Was ihr Adoptivsohn David Banda davon hält, ist bisher nicht bekannt. Dabei war er ja der Grund, warum die Diva vor zwei Jahren überhaupt Einzug hielt in Portugal. Der damals Elfjährige hatte einen Platz in Benficas Jugendakademie bekommen. Und das ist eine Chance, die man besser nicht ausschlagen sollte.

Kein Klub nimmt so viel Geld mit Talenten ein

Wenige Nachwuchsschulen garantieren so hohe Aussichten auf eine Profikarriere wie die von Eintracht Frankfurts heutigem Europa-League-Gastgeber im Viertelfinal-Hinspiel (21 Uhr, RTL). Durch den 2006 in idyllischer Ruhe auf der anderen Seite des Tejo-Flusses eröffneten Caixa Futebol Campus hat Benfica den jahrzehntelang führenden Lokalrivalen Sporting als Portugals wichtigste Talentschmiede abgelöst. „Wir haben es geschafft, eine Fabrik zu errichten“, sagte Vereinspräsident Luis Filipe Vieira, als er am Dienstag neue Installationen präsentierte und den Ankauf von weiteren 42 Hektar Land bekanntgab. „Der Campus ist eine weltweite Referenz“, so Vieira, „und das strategische Schlüsselprojekt von Benfica.“ Deshalb gelte: „Investieren, investieren, investieren“.

Das nötige Geld dafür bringen die Absolventen der Schule doppelt und dreifach wieder ein. Kein anderer Klub der Welt hat über die letzte Dekade so viel Überschuss auf dem Transfermarkt erzielt wie Benfica (444 Millionen Euro). Allein in den vergangenen fünf Sommern wurde für rund 150 Millionen eingekauft, aber für 530 Millionen verkauft. Rund 300 Millionen davon ermöglichten selbstausgebildete Profis.

Aktuell die stärkste Akademie-Generation

Die nächsten Transfers werden bald folgen. Spieler wie die Innenverteidiger Rúben Dias (21) und Ferro (21), die Mittelfeldspieler Gedson Fernandes (20) und Florentino (19) oder die Angreifer Jota (19) und insbesondere Joao Félix (19) prägen die bisher wohl stärkste Akademie-Generation Benficas. Seit Anfang Januar ihr ehemaliger Coach bei der zweiten Mannschaft, Bruno Lage, den Cheftrainerjob übernahm, haben sich ihre Einsatzzeiten potenziert. Der Mannschaft ist das nicht schlecht bekommen. Unter Lage hat sie sich von Platz vier an die Tabellenspitze gearbeitet, punktgleich mit dem FC Porto.

„Unermüdlich“ – auch auf Deutsch – steht an den Wänden der Fitnessräume im Caixa Futebol Campus, oder: „unzerbrechlich“. Jenseits von Appellen an die Mentalität eines Großklubs mit 36 Meisterschaften, zwei Europapokalsiegen der Landesmeister, 180.000 Mitgliedern und rund der Hälfte der Portugiesen als Anhänger wird die Akademie unter anderem für ihr „BenficaLab“ gefeiert, wo die Spieler ganzheitlich auch in Aspekten wie Psychologie oder Ernährung betreut werden. Als besonders fortschrittlich gilt ein Käfig namens „360S“, der auf 15 Quadratmetern einen Fußballplatz simuliert und in dem sie nach individueller Programmierung an ihren Schwächen arbeiten.

Madonnas Sohn David Banda ist ein Stürmer

Dort träumt nun also auch Madonnas Sohn, Linksfuß und Stürmer, davon, eines Tages wie Ferro in der Verlängerung des Achtelfinals gegen Dinamo Zagreb das entscheidende Tor einer Europapokalrunde zu erzielen. Wie Rúben Dias bereits Stammspieler in der Nationalelf zu sein, vom berühmten Positionskollegen Pepe als „Zukunft Portugals“ bezeichnet zu werden und angeblich vor einem Wechsel zu Atlético Madrid zu stehen. Oder wie Joao Félix den halben Kontinent kirre zu machen.

Real Madrid, Juventus, die Manchester-Klubs sowie der FC Bayern sollen den Teenager mit der Zahnspange beobachten, den viele als Portugals größtes Talent seit Cristiano Ronaldo bezeichnen. Benfica hat vorsorglich seine Ausstiegsklausel auf 120 Millionen Euro angehoben und auch bei den übrigen Zukunftshoffnungen kräftig aufgestockt. Damit weiter viel Geld bewegt wird im Kreislauf der Talentfabrik.