Gipfeltreffen

Die Bayern erteilen Dortmund eine Lehrstunde

Der FC Bayern erobert mit einem 5:0 gegen Dortmund die Bundesliga-Spitze zurück und setzt ein klares Signal in Sachen Titelverteidigung.

Die Bayern jubeln, die Dortmunder sind enttäuscht

Die Bayern jubeln, die Dortmunder sind enttäuscht

Foto: Sina Schuldt / dpa

München. Ein wenig ungläubig blickte Robert Lewandowski schon drein. 200 Tore in der Fußball-Bundesliga – „ich habe nie geglaubt, dass ich so viele Tore schießen könnte. Aber wir sind nur einen Punkt vor Dortmund, das dürfen wir nicht vergessen. Wir müssen weiter auf dem Platz zeigen, dass wir Meister werden wollen“, sagte der Torjäger des FC Bayern.

Im Gipfeltreffen mit Borussia Dortmund kam sogar noch Treffer 201 hinzu, nach 90 Minuten, die nicht jeder so erwartet haben dürfte. 5:0 (4:0) hieß es für den Rekordmeister. Ein Resultat, nach dem BVB-Trainer Lucien Favre nur anerkennen musste: „Das war eine Lehrstunde, Bayern war viel besser, viel schneller, auch technisch.“

Im 100. Bundesliga-Duell mit Borussia Dortmund zeigte der Rekordmeister sein bestes Saisonspiel und nahm den bisherigen Tabellenführer phasenweise auseinander. In dieser Verfassung werden sie sich ihre siebte Meisterschaft in Folge wohl kaum nehmen lassen. „Wir haben katastrophal gespielt, katastrophal verteidigt. Ich habe keine Erklärung dafür“, sagte BVB-Kapitän Marco Reus: „So dürfen wir gegen niemanden auftreten. Aber die Bayern sind auch kein Karnevalsverein.“

Bayern mit Leidenschaft, Dortmund apathisch

Der herausragende Mats Hummels eröffnete früh (10.) ein Münchner Spektakel, das an das 6:0 an gleicher Stelle aus der Vorsaison erinnerte. Gegen die zögerlichen, bisweilen überfordert und wehrlos wirkenden Dortmunder erhöhte Robert Lewandowski (17.), danach nutzten Javi Martinez (41.) und Serge Gnabry (43.) die zahlreichen Unzulänglichkeiten der unsicheren BVB-Abwehr aus. Erneut Lewandowski (89.) setzte den Schlusspunkt. Die Bayern waren in jeder Hinsicht eine Klasse besser, überzeugend war vor allem, wie geschlossen die Münchner auftraten.

„Wir haben das Spiel sofort in unsere Hände genommen. Es kam auch wenig nach hinten, weil alle vorn auch gut gearbeitet haben“, sagte Bayern-Trainer Niko Kovac. Den ersten Aufreger gab es schon nach 100 Sekunden, als Lewandowski nach schönem Pass von Thomas Müller bei einem Zweikampf mit Abdou Diallo im Strafraum zu Boden ging – auch nach Rücksprache mit dem Videoassistenten blieb Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) aber bei seiner Entscheidung: kein Elfmeter.

Vier Minuten später traf Mahmoud Dahoud nach prima Vorlage von Marco Reus aus bester Position nur den Außenpfosten (6.) – wer weiß, wie die Partie verlaufen wäre, hätte der Mittelfeldspieler etwas genauer gezielt. „Natürlich hätte das geholfen, schade“, so Favre. Und so gingen statt den Dortmundern die Münchner in Führung: Hummels traf nach einem Eckball von Thiago per Kopf.

Lewandowski jagt jetzt Heynckes und Burgsmüller

Die Münchner traten von Beginn an mit breiter Brust auf, gingen entschlossen in die Zweikämpfe und gaben keinen Ball verloren. Dortmund wirkte fast apathisch und leistete sich haarsträubende Fehler wie beim Treffer von Lewandowski: Dan-Axel Zagadou verlor den Ball an den Polen, der lupfte das Spielgerät elegant an Torhüter Roman Bürki vorbei.

„Das kam nicht überraschend für uns, wir haben in der Analyse vor dem Spiel festgestellt, dass Zagadou öfter mal einen Bock drin hat“, erklärte Kovac. Nur Gerd Müller (365 Tore), Klaus Fischer (268), Jupp Heynckes (220) und Manni Burgsmüller (213) haben in der Bundesliga noch öfter getroffen als Lewandowski.

BVB-Stürmer Reus ohne Wirkung

Die durchweg überzeugenden Münchner schnauften danach für ein paar Minuten durch, ohne dass die nun arg eingeschüchterten Dortmunder Schaden anrichten konnten. Spätestens nach einer weiteren Kopfballchance des starken Hummels (31.) entfalteten die Bayern erneut ihre ganze Wucht gegen verzagte Gäste: Martinez nutzte einen zweiten Nachschuss zum dritten Treffer, nach einer Flanke von Müller nickte Gnabry ein.

Erst nach der Pause ließen es die Münchner ein wenig ruhiger angehen, hatten aber nach wie vor Ball und Gegner unter Kontrolle und weiter beste Torchancen, etwa durch Lewandowski nach Vorlage des flinken Kingsley Coman (55.). Dortmund war nicht in der Lage, sich aufzubäumen, Reus hing als einzige Spitze völlig in der Luft.