Champions League

Europas Fußball steht vor der Zerreißprobe

Die Pläne für eine geschlossene Gesellschaft in der Champions League werden konkreter. Verlierer: die nationalen Ligen – und die Fans.

Der Henkelpott ist das Objekt der Begierde in der Champions League

Der Henkelpott ist das Objekt der Begierde in der Champions League

Foto: Pressefoto ULMER/Markus Ulmer / picture alliance / Pressefoto ULMER/Markus Ulmer

Berlin. Am Montag und Dienstag treffen sich die 232 Fußball-Vereine der europäischen Klub-Vereinigung ECA in Amsterdam zu ihrer Generalversammlung. Ein Treffen, dass in diesem Jahr für ordentlich Zündstoff sorgt, angesichts jener im Umlauf befindlichen Pläne, die nicht weniger als eine Neustrukturierung des Europapokals beinhalten. Und den Fußball in Europa damit vor eine Zerreißprobe stellen.

Antrieb ist das Streben nach neuen Millionen-Einnahmen, welches die bisherigen Spielpläne vor allem der nationalen Ligen komplett pulverisieren würde, vom massiven Verlust der Wertigkeit von Bundesliga und Co. ganz zu schweigen.

Die „rote Linie“, die Christian Seifert, Boss der Deutschen Fußball-Liga, schon bei der im Januar aufkommenden Debatte um Champions-League-Spiele am Wochenende gezogen hatte, scheint überschritten.

Drei Ligen mit Auf- und Abstieg

Es geht um die Einführung einer neuen Königsklasse in drei Ligen mit Auf- und Abstieg – mittels Relegationsspielen, wie die „Bild am Sonntag“ berichtete. So sollen in der höchsten Liga A in vier Achtergruppen gespielt werden, aus denen sich die jeweils ersten Vier für die K.o.-Runde qualifizieren.

Bei acht zusätzlichen Gruppenspieltagen wartet ein Terminchaos, in dem die Bundesliga am Wochenende wohl weichen müsste. Verlierer wären die Fans.

Schon im Herbst vergangenen Jahres waren Pläne zu einer möglichen Super League im „Spiegel“ öffentlich geworden. Elf Großklubs, darunter auch der FC Bayern München, hätten die Abspaltung vom organisierten Fußball geplant. Angesichts der neuen Champions-League-Pläne erscheinen die damals publik gewordenen Überlegungen wie ein Druckmittel auf die Uefa samt ihres in dieser Causa hilflos taumelnden Chef Alexander Ceferin für eine Neuordnung der Königsklasse ab 2024. So lange läuft der Vertrag für das aktuelle Format mit acht Vierergruppen und anschließender K.o.-Runde.

Champions League als geschlossene Gesellschaft

Werden die neuen Pläne Wirklichkeit, hätte das weitreichende Auswirkungen. Die nationalen Meisterschaften würden durch die vor allem global wahrgenommene neue Liga völlig entwertet. Die Chance vor allem für kleinere europäische Ligen oder Überraschungsmeister, sich mit den Besten Europas messen zu können, ist durch die Auf- und Abstiegsregelung außer Kraft gesetzt. Eine geschlossene Gesellschaft der immer gleichen 32 Klubs droht.

Und durch die dann permanenten Einnahmen in mindestens mittlerer zweistelliger Millionenhöhe würde die Schere zwischen reichen Klubs und dem Rest der Liga noch größer werden – und wohl nie wieder verringert werden können.

„Die Tabellen sind schon jetzt in vielen Ligen zementiert, die Meister jedes Jahr dieselben, auch in der Bundesliga. So wird der Fußball endgültig an die Wand gefahren“, ist sich der Generalsekretär des Verbunds der europäischen Fußball-Ligen (EPFL), Georg Pangl, sicher.

Rolle des FC Bayern ist unklar

Großklubs wie Real Madrid, der FC Barcelona, Juventus Turin oder Paris Saint-Germain dürften dennoch Gefallen an der Champions League finden angesichts der enormen Leistungsunterschiede zur nationalen Konkurrenz.

Unklar ist die Rolle des FC Bayern. Zuletzt bestritten die Münchner ein Spiel an mehreren Fronten: Die Bundesliga nie infrage stellen, aber alle Expansionspläne wie die ECA-Strategie nach mehr Champions-League-Millionen immer unterstützen.

Angesichts der Möglichkeit, die mittleren und kleineren englischen Klubs zumindest wieder einzuholen, die durch den Milliarden-schweren TV-Vertrag in der Premier League längst vorbeigezogen sind, wäre ein Streben nach der neuen Super League nachvollziehbar.

Für DFL-Vize Peters bleibt Bundesliga Kerngeschäft

Für DFL-Vizepräsident Peter Peters, zugleich Finanzvorstand bei Schalke 04, einem der 13 deutschen ECA-Mitglieder, waren bislang „die internationalen Wettbewerbe eine sehr sinnvolle Ergänzung zu unserem Kerngeschäft – und das ist und bleibt die Bundesliga. Alles, was die Werthaltigkeit der Bundesliga beschädigen könnte, findet überhaupt nicht meine Zustimmung.“