Regionalliga-Reform

Die Nordost-Staffel bleibt, aber Berliner Klubs ärgern sich

Die Abschaffung der Regionalliga-Nordost ist vom Tisch, doch die neue Aufstiegsregelung macht es den Berliner Klubs nicht leichter

Der frühere Herthaner Shawn Kauter von Berliner AK (Mitte).

Der frühere Herthaner Shawn Kauter von Berliner AK (Mitte).

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Jan Kaefer / picture alliance / Beautiful Sports

Peißen/Berlin.  Die reguläre Verhandlungszeit reichte nicht aus. Um die Zukunft des deutschen Regionalliga-Fußballs auf den Weg zu bringen, brauchte es am Dienstagabend rund 30 Minuten extra. Wenig verwunderlich, für eine schnelle Lösung schien die Themenlage beim Treffen von Drittligaklubs und Viertligavereinen aus den Staffeln Nord, Nordost und Bayern in Peißen (Sachsen-Anhalt) zu komplex und die Entscheidung von zu großer Tragweite. Zur Debatte stand unter anderem die Abschaffung der Regionalliga Nordost, in der fünf Berliner Teams spielen.

Teichmann: „Alle Meister müssen aufsteigen!“

Um es vorweg zu nehmen: so weit kam es nicht. Stattdessen einigten sich die Klub-Vertreter nach teils hitzigen Diskussionen darauf, dass ab 2020 alles so bleibt, wie es im aktuellen Übergangsstadium schon ist. Heißt: vier Drittliga-Aufsteiger aus fünf Regionalliga-Staffeln. Direkt qualifiziert sind die Meister der Regionalliga-Staffeln West und Südwest, weil dort rund 50 Prozent aller deutschen Vereine angesiedelt sind. Von den drei Meistern aus Nord, Nordost und Bayern ist nach einem Rotationsprinzip nur einer als Aufsteiger gesetzt, die beiden verbleibenden Teams müssen ins Play-off. Ein Zustand, der die ambitionierten Berliner Klubs nicht glücklich macht.

„Alle Meister müssen aufsteigen“, sagt Rocco Teichmann, Sportdirektor von Viktoria 89, „alles andere ist nicht fair.“ Sein Kollege Mehmet Öztürk vom Berliner AK sieht es ähnlich. „Für die, die aufsteigen wollen, ist es nicht schön“, wenngleich er „die Problematik im Nordosten versteht“.

Entscheidung im September

Ein im Vorfeld diskutiertes Szenario war die Aufgliederung der Nordost-Staffel in die Staffeln Nord und Bayern, einhergehend mit der Einführung eines vierten Absteigers in Liga drei. Dies hätte zwar die Aufstiegsfrage erleichtert, aber den Wegfall vieler Ost-Duelle zur Folge gehabt - für nicht wenige gleichbedeutend mit dem Untergang des Ost-Fußballs. Als dritte Alternative wurde die Beibehaltung der fünf Regionalliga-Staffeln und eine gleichzeitige Aufstockung der 3. Liga auf 22 Teams mit dann fünf Absteigern gehandelt. Ein Modell, das derzeit noch an der unklaren Finanzierung der 3. Liga scheitert.

Vorerst hat der Beschluss nur richtungsweisenden Charakter. Wie genau die Aufstiegsregelung ab der Saison 2020/21 aussehen wird, soll auf dem DFB-Bundestag am 27. September beschlossen werden. Ob sich die angedachte Lösung durchsetzt, wird interessant zu beobachten sein, doch auch die laufende Spielzeit könnte bereits spannend enden. Denn: Womöglich hat ein Berliner Klub den langersehnten Sprung in die 3. Liga leichtfertig verspielt, dabei genießt der Nordost-Meister in dieser Saison ausnahmsweise das Aufstiegs-Privileg.

Berliner AK beantragt keine Drittliga-Lizenz

Weil er zur Winterpause zwölf Punkte hinter dem bis dahin souveränen Spitzenreiter Chemnitz lag, hat Verfolger Berliner AK darauf verzichtet, die Drittliga-Lizenz zu beantragen. Inzwischen ist der Rückstand auf sieben Punkte geschmolzen, vor allem aber droht Chemnitz die Insolvenz. Und: Neue Geldgeber dürften nach den zuletzt offenkundig gewordenen Verbindungen zum rechten Lager nicht eben Schlange stehen. BAK-Präsident Mehmet Ali Han gibt zu: „Jetzt ärgern wir uns ein bisschen.“

Nutznießer könnte im Fall der Fälle Herthas U23 sein. Der derzeitige Tabellendritte braucht keinen Lizenz-Ärger zu fürchten. „Sollte sich das Thema für uns stellen, wollen wir die Herausforderung natürlich annehmen und werden vorbereitet sein“, sagt Nachwuchsakademie-Leiter Benjamin Weber.