Champions League

Im Wohnzimmer des Marsmenschen

Turin huldigt Cristiano Ronaldo nach glorreichem Drei-Tore-Abend. In Spanien räumen sie „historischen Fehler“ ein.

Da können die Teamkollegen nur staunend zuschauen: Cristiano Ronaldo (r.) befördert Juventus Turin im Alleingang ins Viertelfinale.

Da können die Teamkollegen nur staunend zuschauen: Cristiano Ronaldo (r.) befördert Juventus Turin im Alleingang ins Viertelfinale.

Foto: Tullio M. Puglia / Getty Images

Turin. Cristiano Ronaldo konnte sich nach der unvergesslichen Europapokal-Nacht von Turin die Provokation einfach nicht verkneifen. Erst bugsierte der Superstar von Juventus ein völlig überfordertes Atlético Madrid per Dreierpack im Alleingang aus der Champions League, danach bekam der gegnerische Trainer Diego Simeone noch die saftige Replik auf seinen „Cojones-Jubel“. Nach dem 3:0 (1:0)-Sieg am Dienstagabend im Achtelfinal-Rückspiel der Turnier sprach wieder einmal alles nur über Ronaldo.

Ronaldo besiegt Atlético im Alleingang

Zuvor hatte der 34-Jährige das mit 40.000 Fans ausverkaufte Turiner Stadion in ein Tollhaus verwandelt und seine Familie zu Tränen gerührt. Schwester und Sohn weinten auf der Tribüne vor Glück - auch die Augen seiner Freundin Georgina Rodríguez schimmerten feucht. „Er hat großartig gespielt“, sagte Juve-Trainer Massimiliano Allegri.

„Das ist der Grund, warum Juventus mich gekauft hat – um in Spielen wie diesen zu helfen“, sagte der fünfmalige Weltfußballer nach der Partie. Wenig bescheiden wie immer, aber in der Sache richtig. Nur schwer vorstellbar ist es, dass die Turiner nach 0:2-Rückstand aus dem Auswärtsspiel in Madrid ohne Ronaldo noch die Wende geschafft hätten.

Schließlich war es der Europameister, der mit seinem Elfer-Treffer zum entscheidenden 3:0 (86.) und zuvor zweimal per Kopf (27./48.) den Weg ins Viertelfinale im Alleingang gepflastert hatte.

Der 34-Jährige ist bereit für seinen sechsten Titel in der Königsklasse

„Ich hatte eine magische Nacht angekündigt – und es wurde eine magische Nacht. Nicht wegen meiner Tore, sondern für das gesamte Team. Das ist die Mentalität von Champions“, sagte Ronaldo. Nach fünf Triumphen - vier mit Real Madrid und einen mit Manchester United - nimmt er nun Titel Nummer sechs ins Visier: „Unsere Reise ist noch nicht beendet.“

Und selbst Atlético-Trainer Simeone kam nicht umhin, dem gefeierten Star einen verbalen Lorbeerkranz zu flechten. „Er ist der Beste der Welt. Wir haben gelitten wie Juve im Hinspiel. Sie sind weiter, und das ist verdient“, resümierte der Argentinier.

Atlético-Coach Simeone musste für gleichen Jubel Strafe zahlen

Ronaldos Nachahmung seines anstößigen Jubels während des Hinspiels, als er sich beidhändig in den Schritt gegriffen hatte, nahm Simeone dem portugiesischen Paradiesvogel nicht krumm. Der Coach hatte dafür übrigens eine Geldstrafe von 20.000 Euro aufgebrummt bekommen. „Er wird gesehen haben, wie ich das im Hinspiel gemacht habe. Und wie ich hat er versucht, seinen Charakter zu zeigen“, sagte Simeone.

Portugiese hat mehr Tore in der Königsklasse als Atlético

Das war auch der italienischen Presse nicht verborgen geblieben. „Der Sieg ist einem Marsmenschen mit dem Trikot Nummer 7 zu verdanken, der Cristiano Ronaldo heißt“, schrieb die Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“. „Ronaldo, einfach ein Monster! Ein legendärer CR7 zerrt Juve zum Erfolg“, titelte der „Corriere della Sera“. Und „Tuttosport“ lobte: „Die Champions League ist wieder das Wohnzimmer von Ronaldo.“ Die Zahlen sprechen jedenfalls für ihn.

Mit seinen Königsklassentreffern 122 bis 124 ist er natürlich Rekordtorschütze und hat alleine mehr Tore in der Königsklasse erzielt als ganz Atlético (118). Tore, die Ronaldos Ex-Klub und Atléticos Erzfeind Real Madrid schmerzlich fehlen, wie die dortigen Zeitungen feststellten.

Für das Finale würde Ronaldo nach Madrid zurückkehren

„Madrid hätte so einen Spieler nie gehen lassen dürfen, einer der Urheber ihrer vier letzten Champions-League-Titel“, schrieb „Marca“: „Wir haben gerade gesehen, dass Ronaldo keinen Preis hat. Ein historischer Fehler.“ Vor der Saison hatte Ronaldo Real für rund 100 Millionen Euro Richtung Turin verlassen, woran die Madrilenen zerbrachen und wovon Juve profitierte. Denn möglicherweise führt der Star nun die Italiener statt der ehemals „Galaktischen“ ins Finale um Europas Krone. Passenderweise findet das Endspiel am 1. Juni im Atlético-Stadion statt.

Teamkollegen bei Juve schwärmen vom Ausnahmekönner

Eine Rückkehr in Ronaldos vorherige Wahlheimat, die seine Teamkollegen sicherlich gern mit dem Ausnahmekönner antreten würden. „Ronaldo ist unglaublich. Wir sind glücklich, solch einen Spieler zu haben“, sagte der deutsche Nationalspieler Emre Can nach dem Spiel. Und Abwehrspieler Giorgio Chiellini stellte fest: „Cristiano ist nicht von dieser Welt. Er ist außergewöhnlich und macht den Unterschied.“