Bundesliga

Bayern-Boss Hoeneß bläst zur Attacke

Der Präsident der Bayern kündigt weitere Transfers im Sommer an und stichelt im Titelrennen gegen Spitzenreiter Dortmund

Bayern-Präsident Uli Hoeneß (r.), hier neben Karl-Heinz Rummenigge, ist längst wieder im Angriffsmodus

Bayern-Präsident Uli Hoeneß (r.), hier neben Karl-Heinz Rummenigge, ist längst wieder im Angriffsmodus

Foto: Sven Hoppe / picture alliance/dpa

München.  Uli Hoeneß war in seinem Element. Das ist der Präsident des FC Bayern München immer, wenn er sich selbst und den Rekordmeister inszenieren kann. So saß der 67-Jährige also in der Talksendung „Doppelpass“ des TV-Senders Sport1 und ließ – begleitet von der ihm eigenen Süffisanz – wissen: „Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die kommende Saison.“

Angesichts des Umstandes, dass „seine“ Bayern in der Liga wieder in Schlagdistanz zu Spitzenreiter Borussia Dortmund sind, kommt die erneute Ankündigung der Transferoffensive im Sommer für Hoeneß zum richtigen Zeitpunkt. Seine Erklärungen, nicht schon vor dieser Saison den notwendigen Umbruch stärker vorangetrieben zu haben, untermauert jedoch nicht den Eindruck einer bewussten Planung.

Ribéry und Robben niemanden vor die Nase setzen

Sie wirken eher wie der Versuch, eine bislang fußballerisch eher dürftige Saison zu rechtfertigen. „Wir sind gut präpariert“, tönte Hoeneß am Sonntag und begründete: „Wir hatten beschlossen, nicht diese, sondern nächste Saison zu klotzen.“

Stattdessen sollte verdienten Spielern wie Franck Ribéry oder Arjen Robben „ein vernünftiger Abgang“ ermöglicht werden. Dem Duo, auch einem Rafinha, „müssen wir unheimlich dankbar sein“, sagte Hoeneß. Deshalb sei der FC Bayern auch bereit gewesen, ihnen keine teuren Spieler vor die Nase zu setzen. Ribéry soll nach seiner aktiven Karriere sogar in anderer Funktion zum FC Bayern zurückkehren, wie Hoeneß andeutete: „Wir werden versuchen, eine Beschäftigung für Franck Ribéry zu finden, die seinen Verdiensten gerecht wird.“

Pavard und Arp sind bislang die einzigen Zugänge

Dass die Bayern Sentimentalitäten über den sportlichen Erfolg stellen, ist nur schwer zu glauben und wirft im ohnehin schon schwierigen bestreben, mit der internationalen Elite aus Madrid, Barcelona, Manchester oder Paris mitzuhalten, noch weiter zurück. Die Bereitschaft, „mal die Meisterschaft ein Jahr zu opfern“, erklärte Hoeneß wie folgt: „Ich habe in meinem Leben mehr als 50 Titel gewonnen, da kommt es auf den einen oder anderen nicht an.“

Fest verpflichtet für die kommende Saison sind bislang nur Stuttgarts Weltmeister Benjamin Pavard (22) und HSV-Talent Jann Fiete Arp (19). Weltmeister Lucas Hernandez (23) von Atlético Madrid scheint den Bayern tatsächlich die Rekordablöse von 85 Millionen Euro wert zu sein. Heiß sind die Münchner auf Englands Juwel Callum Hudson-Odoi (18) vom FC Chelsea und auch auf Nationalstürmer Timo Werner (22), der RB Leipzig nur noch in diesem Sommer eine hohe Ablöse einbringen wird.

Dem BVB prophezeit der Bayern-Boss die Hölle

Natürlich nahm sich Hoeneß auch die Kritiker vor. „Wir haben einen Trainer, der infrage gestellt wird. Wir haben einen Sportdirektor, der nichts taugt. Wir haben eine Mannschaft, wo es nur Unruhe gibt“, zählte er auf und konterte: „Mit der Kritik können wir gut leben, solange die Ergebnisse stimmen.“ So tat er auch Rafinhas Kritik, Trainer Niko Kovac würde ihn missachten, mit einem „Jetzt schimpft schon der Rafinha!“ ab. Und in typischer Hoeneß-Art tönte der Klubchef: „Wenn die Saison nicht so schwierig wäre, würden wir jetzt hier sitzen und wir hätten zehn Punkte Vorsprung. Und das will doch auch keiner. So ein Umbruch geht nicht ohne Schrammen vonstatten.“

Auch wie sich die Klubspitze in den kommenden Jahren aufstellen will, erklärte Hoeneß. Eine Vorentscheidung pro Oliver Kahn (49) scheint bereits gefallen zu sein. Der Ex-Kapitän ist Hoeneß' Wunschkandidat für die Nachfolge von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (63), der seinen Vertrag aber nochmal bis Ende 2021 verlängert hat. Kahn soll schon bald eine Probezeit antreten. „Oliver Kahn würde ein Jahr bei uns normales Vorstandsmitglied. Da hat man Zeit, sich zwölf Monate zu beschnuppern“, sagte Hoeneß. Danach hieße es „ja oder nein“.

Bayern-Sportdirektor Salihamidzic bald im Vorstand

Die Zukunft von Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der im sportlichen Bereich unter keinem Vorgesetzten arbeiten will, bleibt von der Personalie Kahn unberührt. Kahn würde im Vorstand nicht für den Sport zuständig sein, deutete Hoeneß an, zugleich sagte er: „Ich bin ziemlich sicher, dass Hasan Salihamidzic bei uns über kurz oder lang Vorstand wird.“

Wie groß seine Opferbereitschaft in Sachen Meisterschaft tatsächlich ist, offenbarte Hoeneß auch noch – indem er sich wie in früheren Jahren als Frontmann der Abteilung Attacke präsentierte. Spätestens am 6. April warte „die Hölle“ auf den BVB beim Topspiel in München. „An dem Tag wird die Meisterschaft vorentschieden“, stichelte Hoeneß in Richtung Dortmund. Er war in seinem Element.