Nations League

Lewandowski, der Große

Polens Top-Torjäger steht im Nations-League-Duell gegen Portugal vor seinem 100. Länderspiel. Den Rekord hält jedoch sein Intimfeind.

Dynamik und eine herausragende Technik zeichnen Robert Lewandowski (l.) aus

Dynamik und eine herausragende Technik zeichnen Robert Lewandowski (l.) aus

Foto: Julian Finney / Getty Images

Berlin.  „Der Erfolg unserer Nationalmannschaft basiert auf Teamwork, doch jeder Erfolg braucht ein Gesicht. Dieses Gesicht ist bei uns Robert Lewandowski. Er verkörpert absolute Weltklasse.“ Die Lobpreisung für den Stürmer kommt von keinem Geringeren als der früheren Fußballikone Polens, Zbigniew Boniek. Der Ritterschlag des heutigen Präsidenten des Fußballverbandes PZPN untermauert nur, wie wichtig der Bayern-Stürmer für die Rot-Weißen ist.

Lewandowski, der Große. Wie groß, das zeigt ein Blick auf die Zahlen: Im Nations-League-Duell gegen Portugal am Donnerstag (20.45 Uhr, DAZN) steht Lewandowskis 100. Einsatz in der Nationalmannschaft bevor, und mit 55 Toren hat der 30-Jährige ohnehin schon längst solche Stürmergrößen wie Grzegorz Lato (48 Tore) oder Wlodzimierz Lubanski (45) hinter sich gelassen.

„Ich habe niemals davon geträumt, so viele Spiele für die Mannschaft zu bestreiten und der beste Torjäger in der Geschichte der polnischen Nationalmannschaft zu werden“, ließ Lewandowski in Chorzow vor dem Duell mit dem Europameister wissen. Das klingt bescheiden, dabei folgte Lewandowski Karriere immer einem Plan. Roberto Baggio, Alessandro Del Piero oder auch Thierry Henry dienten dem in Warschau geborenen Sohn eines Sportlerehepaares – Vater Krzystof war Judoka, Mutter Iwona spielte Volleyball – als Vorbilder. Bewegungsabläufe und Schusstechnik schaute er sich von jenen Weltklassespielern ab.

Ehefrau Anna achtet auf seine Fitness

Doch es gab auch ein Manko, wie Krzysztof Sikorski nun verriet. „Seine Beine waren wie Stäbchen. Ich hatte immer Angst, dass sie ihm ein anderer Spieler brechen würde. Um körperlich stärker zu werden, bat ich ihn, Speck zu essen. In einer Saison erzielte mein Team 158 Tore. Die Hälfte davon ging auf Roberts Konto“, so Lewandowskis Jugendtrainer bei Varsovia Warszawa.

Später ist seine Frau Anna, Karate-Kämpferin und Ernährungsexpertin, verantwortlich für seine herausragende Fitness. Der Rest ist bekannt. Lech Posen, Borussia Dortmund und der FC Bayern lauten die Stationen, bei denen Lewandowski zum Stürmer der Extraklasse reifte.

Schon beim Debüt in der Nationalelf im September 2008 traf er, beim 2:0 in der WM-Qualifikation in San Marino – acht Minuten nach seiner Einwechslung. Dortmunds Ex-Trainer Jürgen Klopp lobte ihn für „seine Einstellung und seinen Ehrgeiz“, der frühere Bayern-Coach Pep Guardiola schwärmte von einem „der professionellsten Spieler, mit denen ich zusammengearbeitet habe“.

Blaszczykowski steht vor Länderspielrekord

Die Partie gegen Portugal kommt für den Angreifer zum richtigen Zeitpunkt, um aufzuzeigen, dass seine Torflaute bei den Bayern (seit drei Spielen ohne Treffer) nur temporär ist und keine ausgewachsene Krise. Zumal es gegen Portugal noch etwas gutzumachen gilt, schließlich waren es Cristiano Ronaldo und Co., die Polens EM-Aus 2016 im Elfmeterschießen besiegelten.

Einziger Fehlschütze damals: Jakub Blaszczykowski (32), der mit 103 Einsätzen am Donnerstag alleiniger Rekordspieler Polens werden kann. Angesichts der offenen Abneigung zu seinem ehemaligen Dortmunder Mitspieler, den er schon als Polens Kapitän beerbte, und seines eigenen Ehrgeizes dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich Lewandowski auch diesen Rekord schnappt.

Schlagkräftige Unterstützung bekommt Lewandowski gegen Portugal, das nun ohne Ronaldo antritt, durch Krzysztof Piatek (23). Der Angreifer des FC Genua führt mit neun Treffern die Torjägerliste der Serie A an. Im September debütierte er gegen Irland (1:1).