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Für Reinhard Grindel geht es bei der EM-Vergabe um alles

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DFB-Präsident Reinhard Grindel

DFB-Präsident Reinhard Grindel

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Was für und was gegen Deutschland als Gastgeber 2024 spricht.

Berlin.  Am Donnerstag fällt in ­Nyon in der Schweiz die Entscheidung darüber, wer die Fußball-Europameisterschaft 2024 ausrichten darf. Die beiden verbleibenden Bewerber sind Deutschland und die Türkei.

Der Evaluierungsbericht der Europäischen Fußball-Union (Uefa) hat der deutschen Bewerbung ein gutes Zeugnis ausgestellt. Entscheidend wird jedoch sein, wie die 18 der Funktionäre aus dem Exekutivkomitee der Uefa abstimmen werden. DFB-Präsident Reinhard Grindel und Servet Yardimci vom türkischen Verband TFF dürfen nicht teilnehmen. Gewählt wird geheim, die Sitzungsteilnehmer vergeben jeweils vier Punkte für ihren Favoriten, einen Punkt für den anderen Bewerber. Bei Punktgleichheit entscheidet die Stimme des Sitzungsleiters, das ist Uefa-Präsident Aleksander Ceferin. Der Slowene kann aber auch das Los entscheiden lassen.

Nicht nur bei Sportwettenanbietern, die bei einem Zuschlag für Deutschland gerade einmal eine Quote von 1,05 anbieten, gilt die DFB-Bewerbung als favorisiert. Auch Bundestrainer Joachim Löw ist überzeugt, „dass wir mit leichtem Vorsprung“ in die Entscheidung gehen. Der Evaluierungsbericht vom vergangenen Freitag hatte am erfahrenen Turnierausrichter Deutschland nichts auszusetzen, während bei den Türken neben den ungeklärten Menschenrechtsfragen nötige, jedoch ungewisse Milliarden-Investitionen in der Infrastruktur kritisiert wurden.

Doch auch in Deutschland, das sich mit den zehn Austragungsorten Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Köln, Hamburg, Leipzig, Dortmund, Gelsenkirchen und Frankfurt/Main beworben hat, hat es in der jüngeren Vergangenheit ungewohnt viele negative Schlagzeilen gegeben. Etwa über die dubiosen Machenschaften im Hintergrund der WM-Vergabe 2006, die betrügerischen Automobilkonzerne und zuletzt die Jagdszenen auf Ausländer in Chemnitz. All das wirft kein gutes Licht auf das einstige Musterland.

Das weiß auch DFB-Chef Grindel, für den es am Donnerstag um viel mehr gehen dürfte als nur um Sieg oder Niederlage. Das von ihm so genannte „Leuchtturmprojekt“ EM könnte seinen Absturz beschleunigen. Der einstige CDU-Bundestagsabgeordnete hat durch sein schwaches Krisenmanagement in der Causa Mesut Özil an Kredit verloren. Die E-Mail-Affäre im Vorfeld des Länderspiels gegen Peru tat ein Übriges.

Schon wird Philipp Lahm, der Weltmeister von 2014, als sein Nachfolger ins Gespräch gebracht. Da passt es Grindel gar nicht, dass die Ultras in der Bundesliga für Dienstag und Mittwoch erst stummen und danach lautstarken Protest gegen den DFB angekündigt hat. Damit würden die Fans den Slogan der EM-Bewerbung „Vereint im Herzen Europas“ ins Lächerliche ziehen. Und den DFB-Präsidenten gleich mit.

Auf der anderen Seite versucht die Türkei, bei der Uefa mit Steuer- und Mietfreiheit in den Stadien zu punkten, was für den Verband ein wichtiger Aspekt ist: Für ihn geht es um Gewinnmaximierung. Die Türkei hat sich schon 2008, 2012 und 2016 vergeblich beworben, ist aus eigener Sicht „an der Reihe, die Bühne zu betreten“.

Dem steht die politische Großwetterlage entgegen. Die Machtausweitung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, die Verhaftung Zehntausender Oppositioneller, die Kluft zur EU, die eingeschränkte Pressefreiheit – all das nervt die Uefa. Der Evaluierungsbericht nennt das „Fehlen eines Aktionsplans in Sachen Menschenrechte problematisch“. Ceferin betonte, die Uefa habe alle diese Dinge im Auge.

( BM )