Regionalliga Nordost

Beim Berliner AK spielt die Angst mit

Der Berliner AK fürchtet beim Auswärtsspiel in Chemnitz rassistische Übergriffe und will ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen.

Abu-Bakarr Kargbo (r.) vom Berliner AK versucht, den Erfurter Kevin Pino Tellez abzuschütteln

Abu-Bakarr Kargbo (r.) vom Berliner AK versucht, den Erfurter Kevin Pino Tellez abzuschütteln

Foto: Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Berlin.  Ersan Parlatan versucht, sich nicht ablenken lassen. „Wir sind Sportler, wir sind Fußballer“, sagt der Trainer des Regionalligisten Berliner AK, „und wir wollen in Chemnitz eine Top-Leistung bringen. Es ist meine Pflicht, die Mannschaft penibel vorzubereiten.“ Das aber fällt gerade schwer. Die rassistischen Vorfälle am Spielort haben den Sport in den Hintergrund gedrängt. Wenn die Berliner am Sonnabend (15 Uhr) beim Tabellenführer Chemnitzer FC antreten, spielt die Angst mit.

„Die Bilder, die uns aus Chemnitz erreicht haben, sind furchtbar“, sagt BAK-Präsident Mehmet Ali Han, „das macht uns große Sorgen.“ Hitlergrüße, Hetzjagden auf Migranten, Beschimpfungen und Beleidigungen – die schockierenden Aufnahmen aus Sachsen haben sich eingebrannt beim Klub-Boss.

Noch immer behält er sich vor, seine Mannschaft vor der Partie zurückzuziehen. Sollte es während des Spiels zu rassistischen Beleidigungen von den Rängen kommen, werde die BAK-Elf den Rasen verlassen. „Die drei Punkte sind uns egal“, betont Han, „es geht um unsere Sicherheit.“

Drohungen per Mail und Telefon

Schon Ende August hatte Han Bedenken geäußert. Weil eine Fan-Gruppierung des Chemnitzer FC als ein Treiber der fremdenfeindlichen Aufmärsche gilt. Weil die Polizei damals überfordert wirkte. Und weil der BAK für das rechte Lager zum Feindbild taugt. Das halbe Team besteht aus Migranten oder Spielern mit doppelter Staatsbürgerschaft, auch der Vorstand ist so geprägt. „Vielfalt ist unsere Stärke“, lautet das Motto des BAK.

Nach Hans Äußerungen ließ das Echo von rechts nicht lange auf sich warten. Er erhielt Drohungen per Mail, in sozialen Netzwerken und anonym per Telefon. Inzwischen hat er mehrere Strafanzeigen gestellt. Rassistische Anfeindungen hat Aufstiegsanwärter BAK schon oft erfahren – sei es bei Lok Leipzig, dem BFC Dynamo oder Energie Cottbus.

„Das muss ein Ende haben“, fordert Han. Der Bauunternehmer will Zeichen setzen. Beim Nordostdeutschen-Fußballverband (NOFV) hat er beantragt, dass sein Team den Trikot-Aufdruck „Wir sind mehr“ tragen darf, jenen Slogan, der für Demonstrationen gegen rechte Gewalt steht. Der Verband riet davon ab.

Chemnitz appelliert an seine Fans

Hoffnung macht Han indes die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden und Gegner CFC. Bei der Sicherheitsbesprechung am Dienstag waren rund 30 Personen zugegen, darunter ein Oberstaatsanwalt und Vertreter der Bundespolizei. Unbegründet sind die Vorkehrungen keineswegs.

In Chemnitz beobachten Fanforscher schon lange rechtsextreme Strömungen in den Fankurven. Die Gruppierung „Kaotic Chemnitz“ bildete sich in den Nullerjahren aus CFC-Fans. 2012 erhielt sie zwar ein Auftrittsverbot vom Klub, doch Teile der vom sächsischen Innenministerium als „rechtsextrem“ eingestuften Gruppe haben sich einen Platz in der Szene bewahrt.

Der CFC, auf dessen Mannschaftsbus „Chemnitz ist weder grau noch braun – wir sind mehr“ lackiert ist, richtete am Donnerstag ein Schreiben an seine Fans, rief zur Besonnenheit auf. Doch selbst wenn diese Botschaft ankommt: Brisant wird das Regionalliga-Topspiel allemal.