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Bale schießt Real Madrid zum Königsklassen-Hattrick

Die Königlichen gewinnen 3:1 gegen Liverpool. Lorius Karius mit zwei Torwart-Patzern. Salah muss nach 30 Minuten verletzt raus.

Die Madrider Mannschaft feiert den Titel

Die Madrider Mannschaft feiert den Titel

Foto: pa

Kiew. Der Fußball kennt wenige Finals, die schon nach einer halben Stunde entschieden wurden. Aber gestern im Olympiastadion von Kiew, da schien es fast so. Etwas ging kaputt, als Mohamed Salah wegen einer Schulterverletzung vom Platz musste. Sein zuvor dominanter FC Liverpool war geschockt, Gegner Real Madrid witterte die Chance. Das Spiel wurde ein anderes, und folgerichtig ging es an die Spanier. Dass den Weg zum 3:1 (0:0) gleich zwei groteske Torwartfehler des Deutschen Loris Karius pflasterten, rundete den schlimmen Abend für die Engländer ab.

44 Tore hatte Salah dieses Jahr in allen Wettbewerben erzielt, zehn allein in der Champions League. Mehr als jeder andere entfachte der Ägypter die Welle, die das Team von Jürgen Klopp überraschend bis in dieses Finale ritt. Sogar Vergleiche mit Cristiano Ronaldo wurden schon angestellt. Aber ein Zweikampf mit Sergio Ramos, während dem der Real-Kapitän seinen Arm einklemmte, beendete den Showdown vorzeitig. Etwas Schlimmeres kann einem Finale kaum passieren.

Der Spieler, auf den sich alle Welt gefreut hatte, war nicht mehr da, und das Spiel kippte im selben Moment. Die Madrider Fans, die Salahs Abgang in unsportlicher Manier feierten, ahnten es sogleich. Ihre zuvor schwerfällige Mannschaft, der größten Sorge beraubt, machte sofort einen Schritt nach vorn, stiftete Chaos im Liverpooler Strafraum. Karim Benzema traf dann kurz vor der Pause auch schon ins Netz – aber weil Ronaldo bei seinem vorherigen Kopfball minimal im Abseits gestanden hatte, gab Schiedsrichter Mazic den Treffer nicht.

Eine Galgenfrist für Liverpool, welche die englischen Fans in der Halbzeitpause noch einmal zu aufmunternden Gesängen nutzten. Sie wollten, ausgestattet mit einer komfortablen Zweidrittelmehrheit im Stadion, irgendwie Salah zu ersetzen helfen. Liverpool ist ja so ein Verein, der manchmal – wie bei der legendären Aufholjagd gegen den AC Mailand 2005 – solche Wunder vollbringt. Die Fans, sie wollten diesen heißen Sommertag zu einem großen Ende bringen, den sie vor der Sophienkathedrale im Zentrum begonnen hatten, an dem über all die Tage eine gigantische Kopie des Henkelpotts gestanden war, um den gestern zum 62. Mal gespielt wurde.

Liverpools Torwart Karius wird zur tragischen Figur

Allein, es brauchte ironischerweise erst den Rückstand, damit Liverpool wieder emotional in die Partie fand. Nachdem Isco in der 48. Minute für Real schon die Latte getroffen hatte, fiel das Tor dann aber auf dämlichste Art. Beim Abwurf übersah Karius den ausgestreckten Fuß von Benzema – von diesem prallte der Ball ins Tor (51.). Liverpool reagierte mit dem Stolz eines verwundeten Löwen. Einen Eckball köpfte Dejan Lovren aufs Tor und Sadio Mané verlängerte zum Ausgleich (55.). Reals Marcelo konnte ihn nicht entscheidend stören – jener Linksverteidiger, über den Klopp vorher gesagt hatte: „Jeder weiß, dass er nicht verteidigt.“

Dafür greift Marcelo sehr wohl an, wie in der 64. Minute, als er eine Flanke in den Strafraum schlug, den der erst drei Minuten vorher für Isco eingewechselte Gareth Bale per spektakulärem Fallrückzieher verwandelte – in einer mustergültigen Kopie des Tors von Real-Star Cristiano Ronaldo im Viertelfinale bei Juventus Turin. Liverpool kam dem Ausgleich noch einmal nahe, als Mané mit einem Schuss von der Strafraumgrenze den Pfosten traf (70.). Doch erneut Karius raubte seinem Team die letzte Chance. Einen mittig platzierten Fernschuss von Bale aus rund 25 Metern halbrechts pritschte er sich selber ins Tor (84.). Der Waliser wurde mit zwei Toren zum Matchwinner.

Noch eine Flitzerattacke bei einem Torschuss von Ronaldo in der Nachspielzeit, danach lagen sich bei Real alle in den Armen. Sie sind einen langen Weg zusammen gegangen zu einem „legendären Team“ (Ramos). Für Real Madrid ist es der dritte Titel in Folge, der vierte in den vergangenen fünf Jahren und der 13. in der Geschichte. Das sind mehr als der Zweite (AC Milan, 7) und einer der Dritten (Barcelona, Bayern, Liverpool, je 5) zusammen. „Geschichte, die du geschrieben hast / Geschichte, die noch zu schreiben ist“, wie es in jener Vereinshymne heißt, die durch Kiew tönte. Nach den späten 1950er-Jahren, als Di Stéfano und Co. die ersten fünf Ausgaben in Folge gewannen, hat diese Mannschaft die zweiterfolgreichste Ära in der Geschichte des Europapokals geschrieben. Und wieder trägt sie das weiße Trikot. Auf dem Platz vor der Sophienkathedrale und überall auf der Welt – die wichtigste Trophäe des Klubfußballs gehört wieder Real Madrid.

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