Fussball

Monsieur Favre und die Baustellen des BVB

Schon jetzt zieht der neue Trainer im Hintergrund die Fäden. Torhüter Hitz unterschreibt bis 2021.

Der Schweizer Lucien Favre trat schon mit Hertha und Mönchengladbach im Westfalenstadion an. Aber in der kommenden Saison sitzt er beim

Der Schweizer Lucien Favre trat schon mit Hertha und Mönchengladbach im Westfalenstadion an. Aber in der kommenden Saison sitzt er beim

Foto: Bernd Thissen / dpa

Dortmund.  Sein Name ist im Klub und dessen Umfeld zwar schon allgegenwärtig, aber Lucien Favre wird nicht an Bord des Flugzeugs sein, das sich am Sonntag mit Spielern und Offiziellen von Borussia Dortmund auf den Weg nach Los Angeles macht. Peter Stöger führt das Team auf ihrer Marketingreise, zu der ein öffentliches Training und ein Spiel gegen den Los Angeles FC am Mittwochmorgen deutscher Zeit gehören. Seine Lust auf diesen Trip nach Saisonende ist zwar ähnlich überschaubar wie bei jenen 18 Spielern, die nicht durch Verletzung oder Nationalmannschafts-Nominierung verhindert sind – aber der Österreicher hat noch einen laufenden Vertrag und deswegen erfüllt er dem Klub diesen letzten Auftrag.

„Ich mache das fertig, das gehört zu meinem Job dazu“, brummelt er. Aber viel mehr als die Bank für seinen Nachfolger warmhalten darf der 52-Jährige nicht mehr, in den USA ist er endgültig nur noch Platzhalter, nicht mehr Gestalter: So entscheidet nicht er, welcher Spieler mitfliegt, „das ist eine Sache des Klubs“, sagt der Wiener entwaffnend offen. „Denn das ist eine Geschichte, die zwar am Ende der Saison stattfindet, aber in die nächste reinspielt.“

Und mit der neuen Saison hat Stöger nichts mehr zu tun, seine Zeit als BVB-Trainer endet mit der Rückkehr aus Los Angeles am Donnerstag – das ist schon lange beschlossen und seit einer Woche auch verkündet. Er hat seine Pflicht erfüllt, hat die Mannschaft, die unter Vorgänger Peter Bosz im freien Fall war, mit einigen pädagogischen und psychologischen Kniffen stabilisiert und mit etwas Glück in die Champions League geführt. Selten aber waren die Leistungen geeignet, die Zuschauer zu begeistern, das schnelle, spektakuläre Dortmunder Spiel der vergangenen Jahre schimmerte nur gelegentlich durch. In der Europa League scheiterte der BVB an RB Salzburg, in der Bundesliga gab es bittere Niederlagen gegen Bayern München, Schalke 04 – und Mainz 04.

Stögers Nachfolger wird Lucien Favre, was noch nicht offiziell verkündet, aber intern längst beschlossen ist. Der Schweizer, einst in der Bundesliga bei Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach überwiegend erfolgreich, ist noch bis 2019 beim französischen Erstligisten OGC Nizza unter Vertrag, der am Sonnabend in Lyon sein letztes Saisonspiel bestritt (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe). Aber eine Ausstiegsklausel von etwa drei Millionen Euro wird ihm den Weg nach Dortmund ebnen, wo er einen Zweijahresvertrag erhält. Die Entscheidung fiel vor allem deswegen auf Favre, weil der 60-Jährige in der Vergangenheit immer wieder bewiesen hat, wie gut er Mannschaften aufbauen und Spieler besser machen kann. In Dortmund haben sie sich einen großen Umbruch vorgenommen, und hinter den Kulissen mischt der Schweizer bereits eifrig mit, verhinderte beispielsweise die ablösefreie Verpflichtung seines 34-jährigen Landsmanns Stephan Lichtsteiner.

Damit allerdings bleibt beim BVB eine Baustelle erhalten, denn mindestens ein neuer Außenverteidiger wird dringend gesucht, zudem ein zentraler Abwehrspieler, ein kampfstarker Mann für das Mittelfeldzentrum und ein Stürmer. Man habe Bedarf in allen Mannschaftsteilen, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Immerhin, am Sonnabend bestätigten die Westfalen den ablösefreien Transfer von Torhüter Marwin Hitz vom FC Augsburg zum BVB. Demnach unterschrieb der 30 Jahre alte Schweizer einen Vertrag bis 2021. Auf dem Wunschzettel stehen außerdem Werder Bremens Mittelfeld-Abräumer Thomas Delaney und Eintracht Frankfurts Außenspieler Marius Wolf. Es bleibt einiges zu tun für Favre und seine Chefs.