Fussball

Bayern-Scout hofft auf Coup im Berliner Amateurfinale

Im Endspiel geht es am Pfingstmontag für die Kicker des Sechstligisten Berliner SC gegen BFC Dynamo.

BSC-Trainer Wolfgang Sandhowe sieht seine Mannschaft als Außenseiter

BSC-Trainer Wolfgang Sandhowe sieht seine Mannschaft als Außenseiter

Foto: pa

Berlin.  Im Berliner Pokalfinale am Pfingstmontag im Jahnsportpark (17 Uhr, ARD) sind die Kicker des Sechstligisten Berliner SC krasser Außenseiter gegen den BFC Dynamo, der zwei Klassen höher in der Regionalliga spielt. „Dynamo steht im Licht, wir im Schatten. So extrem sehe ich den Unterschied zwischen den Teams“, erklärt BSC-Trainer Wolfgang Sandhowe. Seine Spieler sind alles Feierabendkicker, die in der Regel unter Flutlicht trainieren. Dass der BFC die letzten fünf Punktspiele allesamt verlor, ändert für den 64-Jährigen nichts. Sandhowe: „Dynamo hat in den Spielen ständig rotiert. Gegen uns werden sie aber eine Topelf auf den Rasen bringen. Egal, meine Jungs freuen sich drauf. Denn das ist für die Mannschaft und den ganzen Verein ein absoluter Höhepunkt.“

Und seit 92 Jahren auch der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Denn so ein bisschen ist der BSC sogar Deutscher Meister. 1923 hatte der damals finanzkräftige Verein die Fußballabteilung von Hertha 92 aufgenommen. Als „Hertha B.S.C. – Fußball-Abteilung des Berliner Sport-Clubs e.V.“ zog der heutige Bundesligist von 1926 an sechs Mal in Folge ins Finale um die Deutsche Meisterschaft ein. Die Trikots der Herthaner zierte damals ein Adler – das Logo, mit dem der Berliner SC heute noch spielt. Nachdem es 1930 endlich mit dem Titel klappte, wurde die Fusion wieder rückgängig gemacht. Gegen die Zahlung einer Abfindung durfte Hertha die Spielstätte (die „Plumpe“ am Gesundbrunnen) und das BSC im Namen behalten.

Enge Freundschaft mit Gerland

Eine bewegte Geschichte hat auch der heutige BSC-Trainer. Das Team von der Hubertusallee ist für Wolfgang Sandhowe schon die 18. Trainerstation. Begonnen hat alles 1986 bei den Amateuren vom VfL Bochum. Hermann Gerland hatte ihn dorthin geholt. Mit Gerland verbindet Sandhowe noch heute eine enge Freundschaft. „Er ist so etwas wie ein Mentor für mich“, sagt Sandhowe stolz. Die emotionalste Station erlebte der einstige Zweitliga-Profi in der Türkei als Co-Trainer von Jupp Derwall bei Galatasaray. Sandhowe: „Da haben ich nach einem Auswärtssieg im Viertelfinale des Landesmeistercups in Istanbul den Boden des Flughafengebäudes nicht mehr gesehen, weil uns die Leute nach draußen getragen haben. Absoluter Wahnsinn!“ Danach übernahm er Anfang der 1990er-Jahre Türkiyemspor und gewann damals den Berliner Landespokal.

Nach dem kuriosesten Job in den Reihen seiner Spieler angesprochen, zeigt der Trainer auch eher lächelnd auf sich. „Einige Jungs studieren, andere machen einen ganz normalen Job. Eigentlich bin ich selbst der Verrückteste. Ich bin Trainer, dazu Scout für den FC Bayern und helfe meiner Frau in ihrem Bestattungsinstitut.“

Dass mit Damantang Camara im März ein Spieler seiner Mannschaft mit erst 24 Jahren starb, tut im Verein vielen immer noch weh. Der herzkranke Stürmer war auf dem Trainingsplatz zusammengebrochen und später im Krankenhaus verstorben. Wolfgang Sandhowe erzählt: „Das war für uns alle ein Schock, mit dem wir zu kämpfen hatten. Da war an Fußball lange Zeit nicht zu denken. Aber das Finale haben wir auch für Dami erreicht. Jetzt sind wir ihm auch schuldig, uns dort ordentlich zu verkaufen. Vor dem Halbfinale haben wir uns in Trikots mit seinem Namen warm gemacht. Auch für das Finale haben wir uns etwas einfallen lassen, um Dami zu gedenken.“