Fussball

Wer bleibt drin? Halbe 2. Liga strampelt im Abstiegsstrudel

Zwei Spieltage vor Saisonende kann noch rund die Hälfte der Zweitligisten absteigen. Der Abstiegskampf ist packend wie nie.

Unions Marc Torrejon (l) und Darmstadts Felix Platte kämpfen um den Ball

Unions Marc Torrejon (l) und Darmstadts Felix Platte kämpfen um den Ball

Foto: pa

Berlin. Kuschel-Atmosphäre vorm Kellerderby, Kasernenflair in Kienbaum und Salzgitter: Im Saison-Schlusssprint starrt die Hälfte der Zweitligisten zitternd in den Abgrund - und gemäß dem Prinzip "Not macht erfinderisch" ziehen die Kellerkinder alle Register. Nahezu verzweifelt suchen sie eine positive Antwort auf die Frage, die Fans und Verantwortliche seit Wochen umtreibt: Wer bleibt drin?

Das Rampenlicht scheint am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) zweifelsohne im Herzen Sachsens. Wenn Erzgebirge Aue (Tabellen-15./39 Punkte) Dynamo Dresden (Tabellen-12./40 Punkte) zum Derby bittet, macht sich bei den Klubs ein mulmiges Gefühl breit. Einen anderen Ost-Vertreter in die Drittklassigkeit schießen, das will keiner. "Egal, welches Ergebnis es am Ende gibt: Ich wünsche mir, dass beide Mannschaften drin bleiben, weil das für die Region wichtig wäre", sagte Aues Trainer Hannes Drews der Sächsischen Zeitung.

Vor ausverkauftem Haus im neuen Erzgebirge-Stadion wird im Angesicht des Abstiegs die mentale Verfassung entscheidend sein. Der Verlierer der Duells muss sich ganz schön umschauen, vor allem nach den übrigen Teams aus der unteren Tabellenhälfte, die allesamt gegen besser platzierte Mannschaften antreten. Union Berlin (Tabellen-10./41 Punkte) beispielsweise bekommt es mit dem Sechsten VfL Bochum zu tun und greift zu außerordentlichen Methoden.

Union ins Kurz-Camp

Für nur einen Tag ging es von Freitagabend an ins Bundesleistungszentrum Kienbaum. Auf dem Plan steht kein Training, Regeneration und Teambuilding sind die Stichworte. "Wahrscheinlich ist der Gedanke, dass wir uns noch ein bisschen zusammenschweißen können. Der Fokus wird aufs Wesentliche gelenkt", sagte Union-Stürmer Steven Skrzybski der BZ.

Auch Eintracht Braunschweig (Tabellen-14./39 Punkte) kasernierte sich von Donnerstag bis Sonntag im niedersächsischen Salzgitter ein, um sich optimal auf das Spiel gegen den FC Ingolstadt einzustellen. Übrigens: Ingolstadt ist als Neunter mit 42 Zählern auch noch nicht sicher gerettet. Doch lichterloh brennt es woanders. Beispielsweise in Fürth.

So hat Greuther Fürth (Tabellen-16./38 Punkte) seit vier Spielen nicht gewonnen und vergeigte jüngst das Kellerduell beim FC St. Pauli 0:3. Gegen den bereits geretteten MSV Duisburg braucht es nun einen Sieg. Den könnten auch Darmstadt 98 (Tabellen-17./37 Punkte) und St. Pauli (Tabellen-13./40 Punkte) vertragen. Nur bei beiden ist die Stimmung besser.

Nach der gruseligen Sieglos-Serie Mitte der Saison hat sich Darmstadt mit zuletzt neun Spielen ohne Niederlage wieder herangekämpft und darf doch noch vom Ligaverbleib träumen. Kein Wunder, dass die Hessen am Donnerstag mit ihrem Trainer Dirk Schuster ligaunabhängig bis 2020 verlängerten. Beim Fünften Jahn Regensburg gewinnen sollten die Lilien am Sonntag aber trotzdem.

Eine ähnlich schwere Aufgabe wartet auf die Paulianer, die mit ihrem ersten Sieg seit sieben Wochen gegen Fürth die Hoffnung neu entflammten. Der Vierte Arminia Bielefeld reist nach Hamburg, und der Gastgeber gibt sich selbstbewusst. "Wir lassen uns nicht auf Rechnereien ein, denn wir haben noch zwei Spiele, in denen wir es in der eigenen Hand haben", sagte Trainer Markus Kauczinski.

Die eigenen Geschicke nicht mehr in der Hand hat seit vergangenem Wochenende der 1. FC Kaiserslautern, der bereits als erster Absteiger feststeht. Und trotzdem können die Roten Teufel noch Einfluss nehmen. Sie spielen am Sonntag gegen den 1. FC Heidenheim (Tabellen-11./41 Punkte) und können dem Abstiegsrennen eine entscheidende Wendung verpassen.