Fussball

eSoccer statt eSports: DFB will nur Fußball-Spiele stärken

eSports-Vereine müssen für eine Mitgliedschaft durch die Landessportverbände und dem DOSB anerkannt werden.

DFB-Präsident Grindel will nur Fußball-Spiele untersützen. Die eSports-Vereine müssen aber anerkannt werden

DFB-Präsident Grindel will nur Fußball-Spiele untersützen. Die eSports-Vereine müssen aber anerkannt werden

Der DFB öffnet dem boomenden eSports-Markt ein Stück weit die Tür - allerdings nur für Spiele mit klarem Bezug zum Fußball. "Wir wollen keine Spiele fördern, in denen Kinder auf andere schießen und das Ganze auch noch als Sport bezeichnet wird", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel: "Wenn dagegen fußballbezogene Spiele als Ergänzung zum Sport im Verein wirken und über diesen Weg vielleicht sogar der ein oder andere in den Verein kommt, findet das unsere Unterstützung."

Zuvor hatte der DFB eine Diskussion über das Wettkampf-Videospielen abgelehnt. Die neue Linie wurde nun gemeinsam mit den Regional- und Landesverbänden festgelegt. Die "fußballbezogene Spiele und Formate" fasst der DFB unter dem Begriff "eSoccer" zusammen.

Mit seiner Abgrenzung von weltweit beliebten Shooting-Games wie Counter-Strike teilt Grindel die Meinung von IOC-Präsident Thomas Bach, der sich am Donnerstag klar gegen die Aufnahme von Killer-Spielen ins olympische Programm ausgesprochen hatte.

eSports-Vereine müssen anerkannt werden

Darüber hinaus machte der DFB klar, dass eSports-Vereine für eine Mitgliedschaft unter seinem Dach zunächst durch die jeweiligen Landessportverbände und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anerkannt werden müssen. Gleichzeitig sollen nur Vereine aufgenommen werden dürfen, die sich "mit fußballbezogenen Spielen und Wettbewerben" befassen.

Der eSport-Bund Deutschland (ESBD) "begrüßte" den Vorstoß des DFB, durch den für die am eSport interessierten Vereine "mehr Verbindlichkeit und mehr Gestaltungsmöglichkeiten" entstehen würden. "Aber man muss auch klar sagen: eine Spaltung von eSport zu betreiben ist aus unserer Sicht nicht der richtige Weg", sagte ESBD-Präsident Hans Jagnow auf SID-Anfrage. Das vorrangige Interesse für Fußballsportsimulationen sei sachlich nachvollziehbar. "Dazu aber eine Abgrenzung zur gesamten eSport-Familie zu betreiben, und dafür den längst vergessenen Begriff der 'Killerspiele' aus der Mottenkiste der Geschichte zu holen, wird dem Stand der gesellschaftlichen Debatte um eSport nicht gerecht."

Die neue Haltung des DFB ist auch in der Diskussion um die offizielle Anerkennung von eSports als Sportart von Bedeutung. Derzeit erarbeitet die vom DOSB gegründete Arbeitsgemeinschaft E-Sport eine Empfehlung, wie in Zukunft mit eSports umgegangen werden soll. Die Meinung des DFB wird dabei nicht ohne Einfluss sein. Ein Ergebnis wird bis Herbst erwartet. Zuvor hatte die Bundesregierung die Förderung und Anerkennung der jungen Sportart ohne die Absprache mit den Verbänden bereits im Koalitionsvertrag verankert.