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Kovac beschwört den Zusammenhalt: "Wir sind Eintracht!"

Der Frankfurt-Trainer trifft mit seiner Mannschaft im Pokal-Finale auf Bayern. Er appelliert an seine Mannschaft.

Niko Kovac jubelt mit seiner Mannschaft über den Finaleinzug

Niko Kovac jubelt mit seiner Mannschaft über den Finaleinzug

Foto: pa

Frankfurt. Als der markerschütternde Jubel von 10.000 siegestrunkenen Frankfurtern verklungen war, als er sein Final-Shirt schon wieder abgestreift hatte, wollte Niko Kovac unbedingt noch etwas loswerden. "Wir sind eine Eintracht", sagte der künftige Trainer von Bayern München beschwörend und mit feiner Schärfe in der Stimme. "Wir stehen hier alle zueinander. Was uns der eine oder andere reinsingen wollte - es hat nicht funktioniert." Er schloss mit den Worten: "Wir sind die Eintracht!"

Dem 1:0 (0:0) bei Schalke 04 im DFB-Pokal-Halbfinale ließen Trainer, Spieler und Funktionäre eine Demonstration ungebrochenen Teamgeistes folgen. Kovac umarmte jeden seiner Helden doppelt und dreifach, um sicherzugehen, dass er ja keinen vergessen hatte. Gemeinsam feierten dann alle vor der bebenden Kurve - auch Niko Kovac nach anfänglichem Zögern. Dieser Triumph könnte der erste Teil einer Versöhnung mit den Fans sein, deren Verehrung nach dem Bayern-Schock in Wut umgeschlagen war.

Hörte man sich am Mittwochabend im Frankfurter Kreise um, zu Unrecht. "Anfeindungen gegen Niko sind nicht gerechtfertigt. Er ist ein ganz aufrichtiger Mensch. Er hat immer die Wahrheit gesagt", betonte Sportdirektor Bruno Hübner. Die Mannschaft habe "ein Stück weit auch für den Trainer gespielt". Kovac selbst gönnte sich kurz darauf auch noch ein Selbstlob: "Zweimal hintereinander im Finale mit Eintracht Frankfurt, das ist eigentlich nobelpreiswürdig. Alle, die auf dem Platz waren, haben ihr letztes Atom Energie gegeben."

Kovac steht ein mediales Gewitter bevor

Auf den besonderen Treppenwitz des Abschiedsfinals gegen seinen neuen Verein wollte Kovac nach den Sticheleien der vergangenen Tage zwischen München und Frankfurt nicht intensiver eingehen. Er ließ andere sprechen. "Jetzt kann Niko zu Hause in Berlin seinen Abschied feiern, ist doch schön", sagte Sportdirektor Fredi Bobic, der tags zuvor von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge wie ein aufsässiges Kleinkind abgekanzelt worden war. "Jetzt müssen wir die Kollegen da noch weghauen, dann ist alles okay. Wir werden eklig sein."

Die "unfassbare Willensleistung" (Bobic) auf Schalke mit dem traumhaften Hackentor von Luka Jovic (75.) sollte der Eintracht für diesen schwierigen Gang Schub verleihen. Kovac steht ein mediales Gewitter bevor: Es wird vor dem Endspiel kaum ein anderes Thema als seinen Abschied, dessen nebulöse Umstände und die Frage, ob er seinem künftigen Klub womöglich das Triple vermiest. Der Kroate sprach zwar vom "Traum", der wahr geworden sei, wiegelte aber auch ab: "Berlin ist nur ein Zuckerbrot."

Das Brot-und-Butter-Geschäft der Eintracht bleibt die Bundesliga - das muss sie auch sein: Seit 2013 geht der Verlierer des Pokalfinals unabhängig vom Gegner bei der Vergabe der Europapokalplätze leer aus. "Alle Aufmerksamkeit, aller Fokus gilt den letzten Ligaspielen", sagte Kovac, der in den vier letzten Punktspielen dieser Saison "die Welle der Euphorie reiten und den Platz halten oder sogar noch verbessern will". In der Tabelle liegt Frankfurt auf dem siebten Rang, Bobic sprach daher von der großen Chance, es "aus eigener Kraft in den Europacup zu schaffen. Die wollen wir nutzen."

Und wenn nicht? Dann gibt es immer noch den Pokal. Gegen den größtmöglichen Gegner. Aber: "Wir sind so ein eingeschworener Sauhaufen", sagte Marco Russ, "deshalb ist uns das auch latte."

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