Fussball

HSV will nach Hunt-Traumtor das Unmögliche wahr machen

Der HSV schöpft im Abstiegskampf neuen Mut: Dank eines Traumtores von Aaron Hunt und der Umstellungen von Trainer Christian Titz.

 Hamburgs Douglas Santos (r) und Tatsuya Ito (l) jubeln mit dem Torschützen zum 3:2 Aaron Hunt

Hamburgs Douglas Santos (r) und Tatsuya Ito (l) jubeln mit dem Torschützen zum 3:2 Aaron Hunt

Foto: pa

Hamburg. Aaron Hunt gönnte sich nach seinem Traumtor ein bisschen Ruhe. Während seine Kollegen bei einem Waldlauf das herrliche Wetter und vor allem das 3:2 (1:1) gegen Schalke 04 genossen, blieb der Matchwinner drinnen im Kraftraum. Und so klopften die HSV-Fans am Sonntag beim lockeren Training vor allem Trainer Christian Titz auf die Schulter. Schließlich hat auch der 47-Jährige neben Hunt großen Anteil daran, dass die Hamburger wieder vom Wunder Klassenerhalt träumen.

"Wir haben immer noch den Glauben daran, dass wir zurückkommen können", sagte Titz, der die Anerkennung der Fans sichtlich genoss: "Wir werden jetzt aber nicht in Euphorie verfallen, weil wir ein Spiel gewonnen haben, sondern weiter arbeiten."

Titz setzt auf die Jugend

In seinen knapp vier Wochen hat Titz den HSV ordentlich umgekrempelt, er setzt auf die Jugend, ein neues System und scheut sich nicht, vermeintliche Stars zu degradieren. Und nach zuvor 15 Spielen ohne Sieg sieht es mittlerweile phasenweise richtig nach Fußball aus, was der vermeintlich längst abgestiegene HSV da spielt.

"Wir haben gezeigt, dass der HSV noch lebt", sagte der junge Innenverteidiger Rick van Drongelen nach diesem erstaunlichen Auftritt. Schalke ist ja nicht irgendwer in der Bundesliga, und so richtete Lewis Holtby gleich einmal eine Kampfansage an die Keller-Konkurrenz aus Köln, Mainz und Wolfsburg: "Wir wollen das Unmögliche möglich machen. Ich habe die letzten Jahre mehrfach erlebt, was hier in den letzten Minuten alles möglich ist."

Dass der Rückstand auf den Relegationsrang auf fünf Punkte schmolz, hatten die Hamburger vor allem dem Geniestreich von Hunt zu verdanken. Der Altmeister schoss den HSV mit seinem herrlichen Treffer (84.) aus etwa 25 Metern in den Winkel hinein ins Glück, auf den Rängen herrschte anschließend eine Ekstase, als hätten die Hamburger einen Titel geholt. "Ich habe einfach draufgehalten", sagte Hunt bei Sky: "Da gehört auch ein bisschen Glück dazu, dass er dann so oben einschlägt."

Hamburg spielt aggressiver

Mit Glück hatte der Sieg gegen Schalke aber sonst nichts zu tun. Der HSV war aggressiv, Titz hatte sein Team bestens eingestellt, die Hanseaten nutzten geschickt die Löcher, und sie ließen sich auch durch die Gegentore von Naldo (9.) und Guido Burgstaller (63.) nicht beeindrucken. Zudem erwischte neben Hunt auch der nur 163 Zentimeter kleine Wirbelwind Tatsuya Ito einen herausragenden Tag, immer wieder spielte der Japaner die Schalker Abwehr schwindelig. "Ich rufe ihn ab heute Lionel Ito", sagte van Drongelen nachher in Anspielung auf Superstar Lionel Messi vom FC Barcelona schwindelig. Selbst Schalke-Trainer Domenico Tedesco schwärmte: "Er war überragend."

Die Fans fragen sich mittlerweile, wo der HSV stünde, wenn Titz schon im Januar übernommen hätte - und nicht Bernd Hollerbach. Nach den Treffern von Hunt, Filip Kostic (17.) und Holtby (52.) sind die Hamburger aber immerhin nicht mehr Letzter. 15 Punkte sind noch zu vergeben, der HSV spielt unter anderem gegen Freiburg und Wolfsburg. "Das können wir schaffen. Die Hoffnung ist auf jeden Fall da", sagte van Drongelen. Und Holtby sagte über den neuen HSV: "Dieses Feuer dürfen wir jetzt nicht mehr ausgehen lassen."