Bundesliga

Leipziger Allerlei zwingt Bayern zum Nachdenken

Rekordmeister aus München findet bei seiner ersten Niederlage im Jahr 2018 keine Lösungen für die taktische Variante des Vizemeisters.

Bayern-Verteidiger Mats Hummels ist die Enttäuschung nach der Niederlage in Leipzig anzusehen

Bayern-Verteidiger Mats Hummels ist die Enttäuschung nach der Niederlage in Leipzig anzusehen

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Leipzig.  Es ist Mitte März, die Bayern verlieren acht Spieltage vor Saisonende bei Vizemeister RB Leipzig – und sind ziemlich entspannt. Als habe man sich in der Kabine nach dem 1:2 bei den Roten Bullen abgesprochen, fielen in den Analysen immer wieder zwei Worte: „Kein Beinbruch!“ Es sind höchstens Serien gerissen und keine Bänder. Spieler und Trainer machten auch nicht den Eindruck, als würde das seltene Erlebnis der ersten Niederlage seit vier Monaten auch emotional einen Knacks auslösen. 18 Pflichtspiele war Bayern ungeschlagen gewesen, hatte in der Bundesliga sechs Auswärtssiege am Stück geholt.

Für ein Spiel fand der Abo-Meister seinen Meister. „Gegen solch eine gute Mannschaft zu verlieren, dass muss man auch mal einkalkulieren“, meinte Trainer Jupp Heynckes. Angesichts von immer noch 17 Punkten Vorsprung kann man das auch. „Schlimm ist es nicht, aber es wurmt uns trotzdem“, ärgerte sich Mats Hummels über die seiner Meinung nach „verdiente Niederlage gegen eine richtig starke Mannschaft“.

Leipzig zwängte den Bayern ihren Rhythmus auf. „Die spielen ihren eigenen Stil“, meinte Thomas Müller und erklärte: „Leipzig ist dann gefährlich, wenn wir den Ball haben. Dann sind sie sehr giftig.“ So gelang RB der erste Erfolg gegen den Titelverteidiger im fünften Versuch.

Lerneffekt für die großen Herausforderungen

Leipzig, das im Vergleich zu den Bayern einen Tag weniger Pause nach dem Europa-League-Spiel am Donnerstag in St. Petersburg hatte, überraschte mit einer Taktik-Variante: eine Dreierkette, eingebettet in ein 3-4-3-System. „Hinten reinnageln wollten wir uns nicht, gegen Fünferketten spielt München jede Woche“, sagte Ralph Hasenhüttl, „wir waren uns einig, dass wir das durchziehen.“ Die zweite Strategie: „Sprinten mit Ball, ansprinten ohne Ball.“ Wenn die Bayern derart unter Druck gesetzt werden, machen sie Fehler. Dies könnte der Lerneffekt für die großen Herausforderungen in der Champions League im April sein.

Heynckes hat endlich wieder pädagogische Ansätze für die entscheidende Saisonphase nach der Länderspiel-Pause. Seine Mannschaft sei „nicht so griffig wie gewohnt“ gewesen, so Heynckes. Ohne ordnende Stabilisatoren im Mittelfeld wie Javi Martínez oder Thiago fehlte die rechte Balance.

Erkenntnis Nummer zwei: Es gibt doch ein Gefälle im Kader, siehe Juan Bernat, der Franck Ribéry vertrat, oder Sebastian Rudy, der den Leipzigern im Mittelfeld nicht gewachsen war. Einer sah die Partie ganz anders: Mittelstürmer Sandro Wagner, der Lewandowski-Stellvertreter. Zieht man wohlwollend das Adrenalin ab, das nach seinem Kopfball-Tor und dem energetischen Jubel noch im Überfluss durch seinen Körper raste, bleiben dennoch Fragezeichen.

Keine Freigabe für Lewandowski

„Wir wussten, dass sie keinen Fußball spielen wollen, darauf waren wir eingestellt“, stichelte Wagner: „Die haben die Bälle vorgeknallt und sind dann auf die zweiten Bälle gegangen. Das ist ihr Spiel und eine Riesenstärke.“ Als er in der Hinrunde noch mit Hoffenheim gegen RB angetreten war, „haben wir auch versucht, guten Fußball zu spielen, aber das ist eben schwierig gegen Leipzig. Da musst du etwas anders auftreten.“

Etwa wieder von Beginn an mit Weltklassestürmer Robert Lewandowski, der sich laut „El Mundo Deportivo“ mit Real Madrid auf einen ab Sommer gültigen Zweijahresvertrag geeinigt haben soll. Dem „Kicker“ zufolge wollen die Bayern dem 29-Jährigen (Vertrag bis 2021) keine Freigabe für einen vorzeitigen Wechsel erteilen.