Fussball

Das hat Ronaldo nicht verdient

Cristiano Ronaldo ist nicht mehr zufrieden mit seinem Gehalt. Er bekommt von Real Madrid zwar sehr viel Geld. Doch Lionel Messi und Neymar kriegen mehr!

Keine Sorge: Wir müssen uns alle keine Sorgen um die Lebenssituation von Herrn Ronaldo machen. Aber der stürmische Portugiese fühlt sich nicht mehr richtig eingruppiert, was sein Gehalt betrifft

Keine Sorge: Wir müssen uns alle keine Sorgen um die Lebenssituation von Herrn Ronaldo machen. Aber der stürmische Portugiese fühlt sich nicht mehr richtig eingruppiert, was sein Gehalt betrifft

Foto: Denis Doyle / Getty Images

Madrid.  Cristiano Ronaldo hatte am Donnerstag frei, er wurde geschont. Nicht mal mitreisen musste er die wenigen Kilometer bis Madrids Vorort Leganes, wo Real am Abend zum Hinspiel im spanischen Pokalviertelfinale antrat. Zeit auf der Couch. Zeit für seine vier Kinder. Zeit aber auch für Geschäfte und Zukunftsfragen.

Sein Klub Real Madrid will nicht mal drüber reden

Denn es gibt da ja eine Gemengelage um den fünffachen Weltfußballer, die am Königshof dieser Tage sogar die sportliche Krise mit 19 Punkten Rückstand in der Liga überstrahlt: Ronaldos Wunsch nach einer Gehaltserhöhung. Die Weigerung des Klubs, darüber zu reden, jedenfalls jetzt. Und die von beiden Seiten lancierte Schlussfolgerung: dass es im Sommer zu Ende sein könnte mit CR7 in Madrid.

Der laut Fachmagazin „Forbes“ zumindest im letzten Jahr noch bestverdienende Sportler des Planeten (83 Millionen Euro aus Salär, Prämien und Sponsoreneinnahmen) fühlt sich ungerecht behandelt. Obwohl gerade zum zweiten Mal in Folge als Bester seines Fachs ausgezeichnet, hat ausgerechnet er noch nicht an der Preisspirale partizipiert, die seit der Transferoffensive von Paris St. Germain die Summen im Fußball nach oben treibt. Der Brasilianer Neymar, Nummer drei der letzten Kickerwahl, wird dort auf 36 Millionen Euro Nettojahresgehalt taxiert.

Selbst abgehalfterte Stars verdienen in China mehr

Lionel Messi, Zweiter bei der Auszeichnung, hat solange mit den panischen Verlustängsten seines Vereins FC Barcelona gepokert, dass er jetzt gar auf 50 Millionen Euro pro Saison kommen soll, netto. Ronaldo? Steht angeblich mit seinem zuletzt vor gut einem Jahr bis 2021 verlängerten Arbeitspapier bei rund 22 Millionen Euro Grundgehalt. Selbst manch abgehalfterte Stars sollen in China mehr (Carlos Tévez) bzw. etwa gleich viel (Oscar, Hulk, Lavezzi) einstreichen.

Seit Monaten hat er in Interviews codierte Botschaften geschickt. „Ich würde gern hier meine Karriere beenden, aber es hängt nicht von mir ab“ – so eine der Standardformulierungen, mit denen er den Ball zu Vereinspräsident Florentino Pérez spielte. Doch der hält nichts davon, schon gar nicht jetzt, wo die Saison auf der Kippe steht: Ein Ausscheiden gegen Topfavorit Paris in der Champions League, und es warten Monate der sportlichen Bedeutungslosigkeit.

422 Tore in 418 Spielen – aber bald 33 Jahre alt

Monate, in denen es eine neue Mannschaft zusammenzustellen gälte – womöglich ohne den bisherigen Projektleader. Der 2009 zur damaligen Rekordsumme von 94 Millionen Euro akquirierte Ronaldo hat mit 422 Toren in 418 Spielen für Real Madrid seine Schuldigkeit mehr als getan. Laut der portugiesischen Sportzeitung „Récord“ soll sein Berater Jorge Mendes grünes Licht erhalten haben, seinem Klienten einen neuen Klub zu suchen.

Als ob das so einfach wäre. So enthemmt das Fußball-Monopoly auch daherkommen mag – bei 50 Millionen Euro Nettogehalt plus bis zu dreistelliger Ablöseforderung für einen bald 33-Jährigen zögern in Europa selbst die finanzstärksten Klubs. Nicht mal Ronaldos Lieblingsdestination und Ex-Verein Manchester United, nach einer aktuellen Uefa-Studie schon zuletzt der Klub mit dem zweitüppigsten Lohnzettel des Kontinents, konnte sich bislang nicht zu einer Offerte durchringen. Mindestens müsste Ronaldo wieder öfter sein Gesicht aus der Champions League zeigen (neun Saisontore) statt dem aus der spanischen Liga (erst vier Treffer, schlechtester Karrierewert).

Auch Klublegende Di Stefano musste eines Tages gehen

„Cristiano ist da, wo er hingehört, ich sehe kein Real Madrid ohne ihn“, beharrt zwar Trainer Zinédine Zidane. Offenbar würde Pérez aber lieber Neymar haben. Seit der Präsident nach der Preisverleihung des Goldenen Balls – Ronaldos Gala! – einen öffentlichen Flirt mit dem Brasilianer begann („Wäre er bei Madrid, hätte er größere Chancen, selbst zu gewinnen“), reißt der Gerüchtefluss in der Causa nicht ab. Ob Pérez wirklich eine Chance auf den Transfer sieht oder das Thema zur Destabilisierung von Paris interessiert, wie man dort klagt – niemand weiß es mit Gewissheit.

Geredet wird natürlich trotzdem, vor allem über Ronaldo. „Wenn die Saison den Bach runtergeht, steht er auf der Abschussrampe“, erklärte Ex-Kapitän Manolo Sanchís und fügte kühl hinzu: „Madrid muss ihm nicht das Gehalt erhöhen. Sogar Di Stefano (Klublegende, d. Red.) ging eines Tages, alles andere ist da kein Drama mehr.“ Worte, die eine weit verbreitete Stimmung wiedergeben. Viele Fans sind Ronaldos ewige Anspielungen und Abschiedsdrohungen leid, die sich dann ja bisher doch immer nur ums Geld drehten. In einer Umfrage der Sportzeitung „As“ gaben zwei Drittel von 125.000 Teilnehmern eine klare Antwort auf die Frage, ob Ronaldo bleiben solle: Nein.