fussball

Reals nächste Havarie bringt Zidane in Bedrängnis

Während Rivale Barca kräftig einkauft und Neuzugang Coutinho präsentierte, rutscht Madrid tief in die Krise. Der Trainer ist angezählt.

Foto: AHMED JADALLAH / REUTERS

Barcelona.  Alles läuft derzeit nicht mal in Barcelona nach Plan. Bei der Präsentation des teuersten Transfers der Klubgeschichte wurden am Montag keine großen Kunststücke inszeniert. Philippe Coutinho konnte nicht mal Bälle ins Publikum schießen.

Wie zuvor der Medizincheck ergeben hatte, plagt den für 120 Millionen Euro (plus 40 an möglichen Prämien) aus Liverpool verpflichteten Profi eine Verletzung am rechten Bein. Unter Wettkampfbedingungen wird man ihn an neuer Arbeitsstätte erst in rund drei Wochen sehen.

Ansonsten aber wussten sie in den Bars der Stadt zur Essenzeit am frühen Nachmittag gar nicht, über welche Bilder der Sportnachrichten sie sich mehr freuen sollten. Die des strahlenden Brasilianers („Ein Traum wird wahr“) - oder die der Nachlese von Real Madrids nächster Havarie am Sonntagabend in Vigo. Beim Erzrivalen wurde klassische Krisenliturgie gegeben.

Präsident Florentino Pérez ging in die Kabine, und die Tür blieb lange verschlossen. Selbst der sonst immer diplomatische Klubdirektor Emilio Butragueno fand keine Formel der Beschönigung. Als Trainer Zinédine Zidane schließlich vor die Mikrofone trat, erklärte er, dass er keine Erklärung habe: „Ich muss das Problem finden.“ Und Vizekapitän Marcelo sagte: „Auch wenn es komisch klingt – wir tun, was wir können.“

Selbst Toni Kroos verliert jeden Ball

Das ist es also, was Real Madrid kann, in der Hinrunde der Saison 2017/18: ein 2:2 bei Celta Vigo, bei dem neben den zwei Toren des zuvor lange verletzten Gareth Bale das Ergebnis die einzig gute Nachricht war. Eine konfuse Darbietung, bei der selbst einer wie Toni Kroos einen Ball nach dem anderen verlor. Ein spielerischer Tiefpunkt, nach dem der Kredit von fünf Titeln im Kalenderjahr 2017 endgültig aufgebraucht scheint.

Nicht mal die Hinrunde in Spanien ist absolviert, und der Titelverteidiger liegt in der Tabelle mit 16 Punkten (bei einem Spiel weniger) hinter Barca. 16 Punkte: „Ich schäme mich“, schreibt ein Kolumnist in der Sportzeitung „As“, der seinen Klub sonst selbst in den schwersten Stunden verteidigt. „Einige Spieler scheinen Hauptdarsteller aus ‚The Walking Dead‘“, ergänzt ein „Marca“-Kommentator und präzisiert: „Diesmal fiel die Rolle des Zombies an Cristiano Ronaldo.“ In der Tat spielte der Weltfußballer zum Fürchten.

Auch Zidane durchlebt schwere Stunden. Diese Woche feiert er zweijähriges Amtsjubiläum. Hätte er in dieser kurzen Zeit nicht acht Trophäen gewonnen und wäre er nicht Klublegende – es stünde schlecht um ihn. So ist eine Entlassung vorerst kein Thema, weshalb nach Branchenlogik umso mehr der andere Hebel in den Fokus rückt, den man im Fußball in Bewegung setzen kann.

Der am Spielermarkt: Wo Barcelona neuerdings an sämtlichen Transferrekorden beteiligt ist, zauderten die Hauptstädter zuletzt bei den großen Namen und kaprizierten sich lieber auf das Horten spanischer Talente. Als nächstes steht Torwart Kepa Arrizabalaga, 23, von Athletic Bilbao auf der Liste, es soll Einigkeit über einen sofortigen Wechsel geben.

Inter Mailands Icardi im Fokus

Zidane scheint von Reals Ausbildungsoffensive jedoch allmählich genug zu haben. Auch so jedenfalls lässt sich der Dissens verstehen, den der sonst so diplomatische Franzose vergangene Woche öffentlich machte. „Ich brauche jetzt keinen Torwart“, sagte Zidane da.

Und einen Stürmer? Oft fällt der Name von Inter Mailands Mauro Icardi. Der wäre zwar teuer, aber sofort in der Champions League einsetzbar, und in der geht es bald gegen den Topfavoriten Paris St. Germain. Für Real wird dieses Spitzenspiel nun schon ein Finale für die ganze Saison.