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Champions League

Bayern entdeckt die Jugend und rüttelt am Thron der Alten

Trainer Jupp Heynckes forciert beim deutschen Meister den Umbruch. Die Verjüngung eröffnet dem Klub glänzende Aussichten.

French Connection: Corentin Tolisso (r.) bejubelt seinen Treffer zum 2:0 mit Kingsley Coman. Beide sind erst 21 Jahre alt und Hoffnunssträger der Bayjuwaren

Foto: Pressefoto ULMER/Markus Ulmer / imago/Ulmer

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Berlin.  Es ist der wohl meist diskutierte Begriff dieses zu Ende gehenden Jahres beim FC Bayern: Der personelle Umbruch. Wann beginnt die Zukunft? Wann wird der etwas überalterte Kader mit zwölf Profis, die 28 Jahre oder älter sind, verjüngt? Und vor allem: Wer leitet das Lifting des Personal ein?

Der entlassene Trainer Carlo Ancelotti (58) versagte auch in diesem Punkt, die Entwicklung der Perspektivspieler blieb aus. Sein Nachfolger Jupp Heynckes (72) packt das Projekt mutig und entschlossen an. Alter schützt vor Verjüngung nicht.

Team im Schnitt drei Jahre jünger als noch unter Ancelotti

Beim formidablen 3:1 im letzten Gruppenspiel der Champions-League-Vorrunde gegen Paris St. Germain betrug das Durchschnittsalter der Startelf genau 26 Jahre. Noch vor etwas mehr als zehn Wochen schickte Ancelotti gegen Wolfsburg (2:2) eine Mannschaft im stolzen Durchschnittsalter von 29,5 Jahren auf den Platz, die älteste Startelf aller 18 Bundesligisten in dieser Saison.

"Ich habe in meiner Karriere immer gerne mit jungen Spielern gearbeitet", erklärte Heynckes, "und die Jungen sollen von den Alten lernen. Das war schon immer so." Wie im Fußball so im Leben.

Kingsley Coman, der Turbo-Sprinter auf der Außenbahn, ist erst 21 Jahre alt. Ein Versprechen für die Zukunft. 22 Lenze zählt Joshua Kimmich, der Rechtsverteidiger, drauf und dran, den zurückgetretenen Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm eins zu eins zu ersetzen.

Nächste Generation steht ante portas

Auch der bärenstarke Niklas Süle, stets zuverlässiger Innenverteidiger, ist 22, lediglich ein Jahr älter Corentin Tolisso, der Doppeltorschütze gegen Paris. Diese jungen Hupfer begeisterten am Dienstag. Bayern-Inventar David Alaba (25), James Rodríguez (26), die Leihgabe von Real Madrid, von Jupp Heynckes aufgebaut und als defensiverer Mittelfeldspieler neu erfunden, gehören wie der verletzte Thiago ebenfalls zu Bayerns U27.

Die neue Generation rüttelt am Thron der Routiniers wie Startelf-Rückkehrer Franck Ribéry (34), Arturo Vidal (30) und dem momentan vom Ischiasnerv geplagten Arjen Robben (33). Auch Thomas Müller (28), Javi Martínez (29) sowie die Innenverteidiger-Weltmeister Mats Hummels (28) und Jerome Boateng (29) gehört nicht mehr zu den Jüngsten. Die nächste Generation steht ante portas – den Bayern muss um ihre mittelfristige Zukunft nicht bange sein.

Heynckes lobt besonders Coman

Besonders begeistert war Heynckes von Coman, dem jüngsten Stammspieler aus dem Profi-Kader. In seinem dritten Jahr in München blüht der Franzose erst jetzt richtig auf. "Kingsley wird immer besser, behält jetzt auch die Übersicht, wenn er über die Außen durchbricht und flankt. Das ist auch ein Ergebnis unseres Trainings. Außerdem hat er jetzt auch die Anerkennung der Mannschaft und der Fans", sagt Heynckes und prophezeit seinem Schützling eine große Zukunft.

"Er hat riesige Fähigkeiten, die er weiter perfektionieren muss. Das ist ein Reifeprozess. Er hat das Zeug dazu." Heynckes, der Ausbilder. Dem 19-jährigen Österreicher Marco Friedl verhalf er im November zu seinem Profidebüt.

Das taktisch clevere 3:1 gegen Paris – geistreich schlug man die Neureichen - war Bayerns neunter Sieg in Serie unter Heynckes in der Champions League, vier sind es in dieser Saison. Das kann ja heiter werden. "Wir sind da!" So das Fazit von Sportdirektor Hasan Salihamidzic vor der Auslosung des Achtelfinals am Montag.

Heynckes fühlte sich derweil bestätigt. "Ich habe ja gesagt, dass der FC Bayern eine große Historie im Europapokal und in der Champions League hat. Mit dem Spiel haben wir untermauert, dass wir nach wie vor nicht nur wettbewerbsfähig sind, sondern dass wir eine gute Mannschaft mit Ambitionen haben." Und neuerdings mit Perspektive.