Fifa-Prozess

Angeklagter droht Kronzeugen im New Yorker Gericht mit Mord

Alejandro Burzaco belastet Ex-Funktionäre und TV-Anstalten. Es geht um die WM 2022, Schmiergelder und einen vermeintlichen Selbstmord.

Manuel Burga (M.), angeklagter Ex-Präsident des Peruanischen Fußballverbandes, wurde im Dezember 2015 an die USA ausgeliefert

Manuel Burga (M.), angeklagter Ex-Präsident des Peruanischen Fußballverbandes, wurde im Dezember 2015 an die USA ausgeliefert

Foto: dderella|File|Filed|12/2/2016 7: / picture alliance / AP Photo

New York.  Es war eine kleine Geste, aber eine unmissverständliche. Als Alejandro Burzaco im Zeugenstand des Prozesses vor einem New Yorker Gericht den Korruptionssumpf im Fußball-Weltverband Fifa beschrieb, strich sich einer der Angeklagten mit zwei Fingern über den Hals. Was die empörte Staatsanwaltschaft sofort als Todesdrohung rügte, erinnerte an einen Mafia-Film, der immer makaberer wird.

Angeklagter macht Halsabschneider-Geste

Schon die Nachricht vom vermeintlichen Selbstmord des Argentiniers Jorge Delhon, nur kurz nachdem er von Burzaco der Korruption bezichtigt worden war, warf einen Schatten auf den Prozess. Burzaco erschien sichtlich mitgenommen, zwischenzeitlich musste die Befragung unterbrochen werden. Und dann machte Manuel Burga seine Halsabschneider-Geste.

Burgas Rechtsbeistand verteidigte den Peruaner, der seine Unschuld beteuert. Sein Klient habe „sich nur am Hals gekratzt“ und leide an Dermatitis, sagte sein Anwalt Bruce Udolf. Dennoch befeuerte die Geste Spekulationen, dass sich auch Delhon am Vortag im Großraum Buenos Aires nicht freiwillig vor einen Zug gestürzt habe.

Angeklagt sind neben Burga (60) noch Jose Maria Marin (85) und Juan Angel Napout (59). Sie waren Funktionäre im südamerikanischen Kontinentalverband Conmebol, in dem laut Burzaco unter der Hand riesige Summen als Gegenleistung vom US-Medienriesen Fox Sports, TV Globo (Brasilien), der argentinischen Mediengruppe Full Play und MediaPro (Spanien) für TV-Rechte an Turnieren und Spielen geflossen sein sollen.

Eine Million Dollar für die Stimmvergabe an Katar

Tags zuvor hatte er unter Eid ausgesagt, Nicolas Leoz (Paraguay), Ricardo Teixeira (Brasilien) und der 2014 verstorbene Julio Grondona (Argentinien) hätten bei der Vergabe der WM 2022 an Katar im Dezember 2010 betrogen. Grondona habe für seine Stimme eine Million Dollar bekommen.

Perus früherer Fußballchef Burga soll mit 3,6 Millionen Dollar bestochen worden sein, der ehemalige Conmebol-Boss Napout strich 4,5 Millionen ein und der ehemalige brasilianische Verbandsboss Marin 2,7 Millionen. Noch mehr Geld sei versprochen worden, sagte Burzaco, der sich bereits 2015 der Korruption schuldig bekannt hatte und einen Deal mit den Ermittlern eingegangen war.

Es geht um 100 Verbrechen und 200 Millionen Dollar

Der frühere Chef der Sportmarketingfirma Torneos y Competencias, die im Fifa-Skandal eine entscheidende Rolle gespielt hatte, war offenbar mit großer Angst in den Zeugenstand getreten. Laut eigener Aussage habe ihn sein Bruder, der in Argentinien für die Regierung arbeitet, gewarnt, dass Teile der Polizei in Buenos Aires verhindern wollten, dass er in New York auspackt – und das mit allen Mitteln.

Der Prozess wird vermutlich Monate dauern. Insgesamt richtet sich die US-Anklageschrift gegen 42 frühere Offizielle und Manager. Es geht um knapp 100 Verbrechen und ein Gesamtvolumen von 200 Millionen Dollar.

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