FC Bayern

Heynckes wusste: Wenn Cando zweimal bellt...

Trainer Jupp Heynckes will die Bayern entkrampfen und entschleunigen. Dabei hat er die volle Rückendeckung seiner gesamten Familie.

Jupp Heynckes bei seiner ersten Trainingseinheit nach seiner Rückkehr zum FC Bayern

Jupp Heynckes bei seiner ersten Trainingseinheit nach seiner Rückkehr zum FC Bayern

Foto: MICHAEL DALDER / REUTERS

München.  Ganz am Ende der einstündigen Präsentation von Jupp Heynckes gab es für die Fotografen noch jenes Bild, mit dem sich der FC Bayern gerne darstellt. Dicht nebeneinander standen auf dem Podium der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, Heynckes, Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Präsident Uli Hoeneß. Sie alle hielten in die Kameras jene Trainerjacke, die Heynckes nun wieder als Arbeitskleidung trägt, gut vier Jahre nach seinem Triple-Gewinn 2013 mit den Bayern und seinem anschließenden Dasein als Ruheständler. Es sollte ein Bild der Geschlossenheit werden im Bauch der Münchner Arena. Doch es vermittelte zugleich den Eindruck eines weiteren Kompromisses, auf den sich die Führung des FC Bayern verständigt hatte. Zwischen Rummenigge und Hoeneß standen die Kompromisslösungen Heynckes und Salihamidzic.

Es ist am Montag vor allem darum gegangen, mit welchen Mitteln Heynckes die Mannschaft des FC Bayern „wieder auf Vordermann bringen“ möchte, wie es der 72-Jährige zu Beginn seiner vierten Münchner Amtszeit ausdrückte. Immer wieder begann Heynckes dabei Sätze mit „es ist meine Aufgabe“. Es folgten Formulierungen, die verdeutlichten, dass er auch aus der Ferne von seinem Bauernhof in Schwalmtal am Niederrhein den Eindruck gewonnen hatte, wie viel beim Deutschen Meister zuletzt aus den Fugen geraten ist.

„Ordnung“, „Struktur“, „Vertrauen“ und „eine ganz klare Hierarchie“ zu schaffen, seien seine Aufgaben. Ebenso, „wieder ein Team zu formen, in dem der eine für den anderen da ist“ und das „zusammenspielt und zusammenarbeitet“. Schließlich sagte Heynckes: „Ich denke auch, dass es meine Aufgabe ist, die Situation beim FC Bayern zu entkrampfen, zu entschleunigen und zu beruhigen.“

Bindeglied zwischen Hoeneß und Rummenigge

Am Nachmittag begann er damit auf dem Platz, als er die erste Einheit seiner Mannschaft leitete. Mit Heynckes wird auch die Hoffnung verbunden, das Binnenverhältnis von Rummenigge und Hoeneß zu entkrampfen, zu entschleunigen und zu beruhigen. Diese Wortwahl von Heynckes ist als Hinweis darauf zu werten, dass er sich dessen bewusst ist und sich auch als Bindeglied auf dieser Ebene versteht.

Rummenigge und Hoeneß ließen ebenfalls Verbesserungsbedarf in ihrer Zusammenarbeit untereinander anklingen. Man habe zu dem Schluss kommen können, „dass es da Unebenheiten gegeben hat“, sagte Hoeneß, „den Schuh ziehe ich mir auch an, dass wir das zu sehr an die Öffentlichkeit getragen haben. Das wird nicht mehr passieren“. Zuletzt waren Hoeneß und Rummenigge häufig mit Differenzen aufgefallen. Beispielsweise nach Robert Lewandowskis Kritik an der Transferstrategie des Vereins sowie bei der Nachfolge des Sportvorstandes Matthias Sammer oder des beurlaubten Trainers Carlo Ancelotti.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir nicht nur im Traineramt ein neues Kapitel aufschlagen werden, sondern auch in der Zusammenarbeit“, sagte Hoeneß nun in Bezug auf Rummenigge. Und der Vorstandschef erzählte, Hoeneß und er hätten zuletzt „gute Gespräche“ geführt, „ich würde sagen: überfällige Gespräche zu diesem Thema“. Und als Heynckes aus seiner Zeit als Ruheständler auf seinem Bauernhof berichtet hatte, sagte Rummenigge: „Wer Hund und Katze befriedet, der ist auch in der Lage, den FC Bayern zu trainieren.“

Ruhepuls von 60: Körper und Geist sind topfit

Wenn man so will, erhoffen sich die Münchner von Heynckes auf allen Ebenen Friede, Freude, Hundekuchen. Oder, wie es Hoeneß zum Engagement „meines ziemlich bestens Freundes“ formulierte: „Es gibt uns die Zeit, alle Probleme, alle Baustellen zu befrieden.“ Um dann, am 1. Juli 2018, die Mannschaft „besenrein zu übergeben“. An einen jungen, deutschsprachigen Trainer, wie Heynckes aus den Gesprächen mit der Klubführung berichtete. Aussichtsreicher Kandidat ist Hoffenheims Julian Nagelsmann (30).

Heynckes sei sehr zuversichtlich, die „schwierige Aufgabe“ zu bewältigen: „Ich weiß, wie der Fußball funktioniert, was ich machen und wie ich die Mannschaft anpacken muss. Ich habe einen ganz klaren Plan, körperlich bin ich fit, der Geist macht mit.“ Das Alter sei nur eine Zahl, und er habe einen Ruhepuls von 60, „da muss man schon gut drauf sein“.

Und er hat den Rückhalt seiner Familie. Seine Frau Iris sowie seine Tochter Kerstin „haben mir zugeraten und gesagt: Wir kriegen das hin“. Ein Familienmitglied musste aber noch zustimmen. „Dann hat Cando zweimal gebellt, und dann war das Ding in trockenen Tüchern“, erzählte Heynckes über seinen geliebten Schäferhund.