Bundesliga

Das war’s noch nicht in Leipzig

RB Leipzig reagiert trotzig auf die 0:3-Demontage beim FC Bayern und kauft sich erst einmal ein eigenes Stadion.

Ausbaufähig, findet Red Bull und übernimmt das Stadion

Ausbaufähig, findet Red Bull und übernimmt das Stadion

Foto: imago sportfotodienst / imago/Hübner

Leipzig.  Die Laune von Ralf Rangnick war schlecht. Er wirkte beleidigt, beinahe persönlich beleidigt, was seinen Ruf als schlechter Verlierer nun nicht unbedingt widerlegte. Das 0:3 (0:3) beim FC Bayern am Mittwochabend war ihm sichtlich an die Nieren gegangen. Darüber konnte seine Feststellung nicht hinwegtäuschen, dass RB Leipzig mit 36 Punkten aus nunmehr 16 Spielen eine „fantastische Bilanz“ vorweisen kann und die „Mannschaft das bisher grandios gemacht hat“.

„Wir haben nicht gut gespielt, gar keine Frage“, sagte Rangnick, ehe er attestierte: „In der ersten Halbzeit haben die Bayern mit unseren Waffen geglänzt. Der FC Bayern war in der ersten Halbzeit so stark wie schon lange nicht mehr in dieser Saison.“ Diesen zweiten Teil seiner Analyse wiederholte der Leipziger Sportdirektor mehrfach. Es klang, als wolle er sagen: Seht her, der FC Bayern spielte nur deswegen so gut, weil er uns einfach abgekupfert hat.

Erhöhung der Kapazität

Nach Rangnicks Auffassung spielte der FC Bayern wie sonst RB Leipzig. Doch das stimmte allenfalls in einem Punkt: Die Münchner wollten es gegen diesen lästigen Aufsteiger einfach wissen, waren deshalb „hochmotiviert“, wie Rangnick erkannte. Und Leipzig? War in den entscheidenden Momenten der ersten Halbzeit vor allem gedanklich zu langsam und verlor Angreifer Emil Forsberg mit Rot. Der Schwede wurde nach seiner rüden Attacke gegen die Achillessehne von Philipp Lahm am Donnerstag für drei Spiele gesperrt. „Wir haben nicht unser Leistungslimit erreicht“, sagte Rangnick.

Dem wollte Trainer Ralph Hasenhüttl, der unter der Woche von Uli Hoeneß als ein Mann mit Zukunft beim FC Bayern umschmeichelt wurde, nicht widersprechen. „Das war eine Lehrstunde“, sagte der Österreicher, betonte aber auch: „Das ist nicht schlimm. Unsere junge Mannschaft hat gesehen, dass man gegen so eine Mannschaft alles bringen muss.“ Das hätte sie allerdings vorher wissen können. Fast schien es, als vertrauten die „Roten Bullen“ nicht ihrem beachtlichen Potenzial.

Ein bisschen kleinreden

Ein bisschen hatten die Leipziger sich diese Niederlage deshalb selbst zuzuschreiben. „Alles kann, nichts muss“, hatte Rangnick vor dem Spiel gesagt, und Stürmer Yussuf Poulsen ergänzte hinterher: „Wir sind gegen alle Mannschaften auf Augenhöhe, außer gegen die Bayern, aber das muss man auch nicht sein.“ Fast scheint es, als wollten die Leipziger sich künstlich kleinreden. Doch dazu besteht keine Veranlassung.

Wie groß Leipzig wirklich ist, machte eine Meldung vom Tag nach dem Bayern-Spiel deutlich: Der Klub gab bekannt, dass er seine Spielstätte, die Red Bull Arena in Leipzig, gekauft habe. Damit verbunden ist der Ausbau der Kapazität von derzeit gut 42.000 auf 57.000 Plätze, nachdem sechs der sieben Heimspiele bislang ausverkauft waren. Nur einer pfeift eh auf die falsche Bescheidenheit bei RB Leipzig: Dietrich Mateschitz, der Firmenchef des österreichischen Brause-Imperiums, der Überboss.

Ziel wird erstmal nicht korrigiert

„Wir wissen ja, dass vier die Champions League und zwei die Europa League erreichen – das ist das Minimalziel“, wurde Mateschitz in der Schweizer Zeitung „Blick“ zitiert. Rangnick bereitet diese Aussage fast körperliche Schmerzen. „Ich glaube nicht“, erwiderte er am Mittwoch mürrisch, „dass es nach so einem Spiel wie heute Sinn macht, das Saisonziel zu korrigieren“.

Das Ziel hieß und heißt weiterhin: eine „sorgenfreie“ Saison. Nur: Es ist überfällig, das Ziel zu korrigieren, daran kann auch das deutliche 0:3 bei den Bayern nichts ändern. Der Aufsteiger hat 36 Punkte, und mit dieser Punktzahl ist zuletzt im Jahr 2003 Arminia Bielefeld direkt abgestiegen – allerdings nach 34 Spielen. „Ich kann versprechen, dass wir in der Rückrunde auch wieder versuchen werden, ähnlich viele Punkte zu holen“, sagte Hasenhüttl, bevor er sich in den Weihnachtsurlaub verabschiedete. Ein bisschen mutiger dürfen sie schon sein in Leipzig, und übrigens: Die Hinrunde ist noch nicht beendet. Am 21. Januar empfängt RB Eintracht Frankfurt.