Bundesliga

Dortmund lässt die Muskeln spielen

Der BVB berauscht sich vor dem Champions-League-Spiel gegen Warschau an sich selbst – dank des Sieges über die Bayern und Rekordzahlen.

Die Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang und Marc Bartra haben derzeit allen Grund zum Lachen

Die Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang und Marc Bartra haben derzeit allen Grund zum Lachen

Foto: Bernd Thissen / dpa

Dortmund.  Rekordmeister FC Bayern bezwungen, den Einzug ins Achtelfinale der Champions League schon vor der Partie am Dienstag gegen Legia Warschau (20.45 Uhr, Sky) in der Tasche, dazu Rekordzahlen auf der Jahreshauptversammlung – bei Borussia Dortmund herrscht in diesen Tagen Jubel, Trubel und Heiterkeit ohne Ende. Mittendrin mit Hans-Joachim Watzke ein Geschäftsführer, der die Versammlung vor allem für klare Ansagen nutzte, die nicht jedem gefallen müssen.

Die Rekordzahlen waren ja bereits bekannt. Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, also die ausgelagerte Profiabteilung des BVB, hatte schon einen Geschäftsbericht veröffentlicht. Und so wussten die Aktionäre auf der Hauptversammlung, dass der BVB das Geschäftsjahr 2015/16 mit einem Rekordumsatz von etwa 376,3 Millionen Euro abgeschlossen hatte, dass der Gewinn bei 29,4 Millionen lag.

Und weil Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ohnehin keiner ist, der sich mit Wonne durch endlose Zahlenkolonnen arbeitet, nutzte er die Versammlung lieber für Muskelspiele: „Der BVB steht so gut da wie noch nie“, sagte er. Die Aktionäre sahen das ähnlich, nahmen den Jahresabschluss mit nahezu 100 Prozent an und beschlossen auch die vom Vorstand vorgeschlagene Dividende von sechs Cent pro Aktie – was den Verein rund 5,5 Millionen Euro kostet.

Dortmund hat den FC Barcelona im Visier

Nicht nur finanziell sieht Watzke den BVB auf gutem Kurs: „Wir sind jetzt der zweitgrößte Verein Deutschlands, wir haben die Blauen abgehängt und die werden uns auch nie wieder erreichen“, stichelte er in Richtung des ungeliebten Rivalen Schalke 04. „Wir sind jetzt viertgrößter Verein der Welt, aber das reicht uns nicht“, legte er dann nach. „Wir wollen zweitgrößter Verein werden, wir wollen Benfica Lissabon und den FC Barcelona einholen. Und was wir uns vornehmen, erreichen wir in der Regel auch.“

Hervorragende Wachstumschancen sieht der BVB-Boss auch bei den Finanzen. Schon bald werde man 400 Millionen Euro Umsatz erreichen, „das garantiere ich“. Der neue TV-Vertrag für die Bundesliga werde dem BVB wohl zusätzlich einen mittleren achtstelligen Betrag bringen, das neue Format der Champions League 30 Millionen, wenn nicht mehr. Auch im Bereich Sponsoring liege noch viel Potenzial.

An die Kritiker der Internationalisierung gewandt sagte Watzke: „Wir stehen mit beiden Beinen auf dem Borsigplatz – das ist unsere Heimat. Wir machen keinen Spagat zwischen Borsigplatz und Shanghai, aber wir strecken die Fühler aus.“ Das helfe auch, den Stadionbesuch bezahlbar zu lassen: „Wir holen uns das Geld lieber aus Fernost, als hier die Eintrittspreise zu erhöhen.“

Geschäftsführer Watzke wettert erneut gegen Leipzig

Eine klare Ansage gab es von Watzke an den TV-Experten Lothar Matthäus, der Ex-BVB-Spieler Mats Hummels für sein Verhalten vor der Partie der Dortmunder gegen Bayern München kritisiert hatte: „Ich fand die Aktion von Mats Hummels, weit vor dem Spiel die alten Kollegen in der Kabine zu besuchen, großartig. Wenn ich dann höre, das sei unprofessionelles Verhalten, muss ich kotzen.“

Natürlich bekam auch RB Leipzig noch einmal sein Fett weg. „Wir brauchen diesen Tabellenführer nicht“, sagte Watzke am Montag: „Ich ziehe aber den Hut vor der sportlichen Leistung.“ Watzke gilt als einer der größten Kritiker des Leipziger Modells.

Nicht weniger populistisch hatte Watzke vergangene Woche geätzt: „Bei Rasenballsport, wie sie ja tatsächlich heißen, haben wir das erste Mal den Fall, dass da nichts, aber auch gar nichts historisch gewachsen ist. Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu performen.“ Er wolle keine „englischen Verhältnisse, in denen die Fans gemolken werden“. Und das von einem Geschäftsführer, dessen Unternehmen 40 Millionen Euro aus dem Merchandisinggeschäft einnimmt.

Torwart Weidenfeller ersetzt verletzten Bürki

Um das schwarz-gelbe Glück vollkommen zu machen, fehlt nur noch der Gruppensieg in der Königsklasse. Doch Trainer Thomas Tuchel muss sein Team gegen Warschau umstellen. Stammtorhüter Roman Bürki hat sich gegen Bayern einen Mittelhandbruch zugezogen – acht Wochen Pause.

Der langjährige Stammkeeper Roman Weidenfeller bekommt damit die unverhoffte Gelegenheit, noch einmal Werbung in eigener Sache zu machen. Der Vertrag Weidenfellers, der diese Saison nur noch im DFB-Pokal eingesetzt wird, endet 2017.

Im Winter soll die Entscheidung fallen, ob Weidenfeller noch ein Jahr dranhängt oder ob der 36-Jährige nach 15 Jahren als BVB-Spieler die Handschuhe an den Nagel hängt.