Italiens Nationalelf

Warum ein Teenager Buffons Nachfolger im Tor wird

Italien baut den 17-jähigen Gianluigi Donnarumma als Nachfolger für Torhüter Gianluigi Buffon auf. Er soll gegen Deutschland spielen.

Gegen Frankreich durfte Torwart Gianluigi Donnarumma erstmals in Italiens Tor

Gegen Frankreich durfte Torwart Gianluigi Donnarumma erstmals in Italiens Tor

Foto: dpa Picture-Alliance / Pressefoto ULMER / picture alliance / Pressefoto UL

Florenz.  Seit er da ist, schläft Gigi Buffon ruhiger. Das verriet der Capitano der Azzurri kürzlich, denn jetzt müsse er sich um sein nationales Erbe nicht mehr sorgen. Italien besaß zwar kein eklatantes Torwartproblem, doch die Nationalelf ist nun auf etliche Zeit in sicheren Händen. Wenn „Supergigi“ wie angekündigt nach der WM 2018 im Alter von 40 Jahren Platz macht, rückt „Gigio“ nach, der erst im kommenden Februar volljährig wird. Offiziell unterschreibt er mit Gianluigi Donnarumma – und schon der Name dröhnt wie ein imposanter Donnerhall.

Zweiter Einsatz

Gigio nach Gigi, das passt klanglich ganz akkurat. Es passt freilich auch vorzüglich, dass Donnarumma am Dienstag gegen Deutschland zum zweiten Länderspiel-Einsatz kommen könnte. Ein Test dient schließlich zum Testen, und in seiner Wahlarena San Siro würden die Tifosi schon gern die internationale Substanz ihres Neuen überprüfen, an der er seit einem Jahr regelmäßig in der Serie A arbeitet.

Der Name war nur wenigen geläufig, bis sich Sinisa Mihajlovic am 25. Oktober 2015 zu einem radikalen Ausrufezeichen gegen die Mailänder Ergebnismisere entschloss. Der Milan-Trainer verbannte den schwächelnden Ex-Madrilenen Diego Lopez auf die Bank und vertraute überraschend nicht dem routinierten Christian Abbiati, sondern Donnarumma. Sein Alter von 16 Jahren und acht Monaten machten den Youngster zum drittjüngsten Torwartdebütanten der Serie-A-Geschichte nach Gianluca Pacchiarotti (Pescara, 1980) und Milans Giuseppe Rossi (1941), und zum allerjüngsten, der dabei in der Startelf stand.

Die Teamkollegen hakten im Vorfeld misstrauisch nach, ob die Maßnahme nicht äußerst riskant sei. Zimmergenosse Abbiati beruhigte: „Gigio ist von Gott zum Torwart berufen worden.“ Mihajlovic hatte der demütig medienscheue 1,96-Meter-Hühne schon in der Vorbereitung mit drei parierten Elfmetern imponiert (einen von Real Madrids Toni Kroos) und erzählte entspannt: „Es gibt keine jungen und alten Spieler, es gibt lediglich gute und schlechte.“

Das Essen der Oma

Der Serbe wurde letzten April entlassen, Donnarumma blieb die Sensation zwischen den AC-Pfosten. Hauptberuflich ist er noch stinknormaler Teenager. Gianluigi Donnarumma erzählt verlegen grinsend, seine große Schwester würde ihn jeden Abend zum Gute-Nacht-Sagen anrufen. Und am meisten vermisse er überhaupt das unfassbar leckere Essen der Oma. Er läuft rot an, wenn man ihn in darauf anspricht, dass Paparazzi ihn neulich in einem Mailänder Park mit seiner Freundin erwischt hätten. Paparazzi und Donnarumma? Im vergangenen Jahr noch unvorstellbar.

Unten in der Schublade bewahrt er seine sakralen Schätze auf, Trikots der Lieblingsspieler wie Buffon oder Zlatan Ibrahimovic. Im Gegensatz zu anderen 16-Jährigen bekam Donnarumma die Jerseys nicht zum Geburtstag. Das von Buffon erhielt er letzten November persönlich per Schulterklopfer auf dem Rasen. Wegen Ibra fragte er bei dessen Manager Mino Raiola nach – eine Woche später kam das Trikot mit Widmung aus Paris eingeflogen. Dabei schadete nicht, dass Raiola unter anderem auch das Geschick von Torwart Donnarumma vertritt. Der bauernschlaue Berater besitzt ein Näschen für Talent und vor allem Profit. „Gianluigi ist jetzt schon 100 Millionen Euro wert“, sagt Raiola.

Millionenvertrag mit winkt mit 18

Nicht wirklich, aber nach Schätzungen circa 15 Millionen, 2015 waren es 250.000 Euro. Mittlerweile verdient er eine Million Euro und an seinem 18. Geburtstag Ende Februar müssen Salär und Kontrakt nach den Regularien neu ausgetüftelt werden, da Minderjährige nicht länger als für drei Jahre unterschreiben dürfen. Pep Guardiolas Manchester City bekundete bereits Interesse, wie auch Real Madrid, Chelsea und Juventus. Die üblichen Verdächtigen.

Nachfolger von Buffon bei den Azzurri und der Juve wäre natürlich ein fabelhaftes Kapitel des laufenden Drehbuches. Noch tritt Donnarumma als Milan-Angestellter an und nimmt teil am aus Geldmangel zwangsläufigem Babyboom beim AC, der auf Platz drei überrascht. Dabei wäre er beinahe beim Stadtrivalen gelandet. Die Internazionale war sich mit dessen Vater über das Engagement des damals 14-Jährigen eigentlich so gut wie einig, als der AC dazwischen grätschte: „Milan ist seit jeher mein Lieblingsklub, deshalb musste ich keine Sekunde überlegen. Außerdem spielte auch mein älterer Bruder dort in der Jugend.“

Neuer ist sein Vorbild

Die Karriere des neun Jahre älteren Antonio verlief unspektakulärer. Er dient gegenwärtig als Keeper-Reserve des griechischen Erstligisten Asteras Tripolis. Beide zogen früh aus der Provinz von Neapel nach Milanello, wo zumindest Gigio nun an höheren Berufungen arbeitet. Im August wurde er zum jüngsten berufenen Azzurro seit 1910 und mit seinem Einsatz am 1. September gegen Frankreich zum jüngsten Torwart-Debütanten Italiens überhaupt.

„Seit einiger Zeit sehe ich mir alle Spiele von Manuel Neuer an, um seinen Stil nachzuahmen“, sagt Donnarumma. Auch dessen Trikot hätte er künftig gern in der Schublade. Ausgerechnet jetzt, da Italien auf Deutschland trifft (am Dienstag um 2045 Uhr) fehlt der Bayern-Keeper angeschlagen. Doch mit 17 hat Donnarumma ja noch viel Zeit zum Sammeln.