Fussball

Vor dem Derby des Hasses hängen schon Strohpuppen an Brücken

Geschmacklose Aktion weist auf das heiße Derby in Leipzig hin. Nach 31 Jahren treffen Chemie und Lok aufeinander. Und RB ist vergessen.

Das Derby Chemie Leipzig gegen den 1. FC Lok Leipzig elektrisiert die Massen und versetzt die Polizei in Alarmbereitschaft

Das Derby Chemie Leipzig gegen den 1. FC Lok Leipzig elektrisiert die Massen und versetzt die Polizei in Alarmbereitschaft

Foto: Twitter/1.FC Lok Leipzig / BM

Leipzig.  – Ganz Deutschland spricht derzeit über RB Leipzig, doch in der Stadt selbst rücken vor dem Wochenende die Traditionsklubs ins Rampenlicht. Nach 31 Jahren gibt es am Sonntag wieder das Derby der ersten Mannschaften von Chemie und Lok (12.20 Uhr/MDR), fünfte gegen vierte Liga. Mehr Rivalität geht nicht - wie äußerst fragwürdige Aktionen im Vorfeld zeigen.

Jüngster Spuk: In der Nacht zum Donnerstag wurden an mehr als einem Dutzend Brücken rund um Leipzig lebensgroße Puppen in den grünen Vereinsfarben von Chemie aufgehängt. „Wir sehen einen Zusammenhang zum anstehenden Landespokalderby am kommenden Sonntag“, sagte Polizeisprecher Uwe Voigt der „Leipziger Volkszeitung“.

Die Attrappen bestanden aus grün angemalten und mit Stroh ausgestopften Maleranzügen, die am Hals aufgehängt über den Straßen baumelten. Viele Autofahrer meldeten sich bei der Polizei, die Ermittlungen aufnahm. „Es hätte ja sein können, dass Lkw an den Puppen hängen bleiben“, sagte Voigt.

Zuvor hatten sich die Gemüter schon an der Auswahl des Stadions erhitzt. Der 1. FC Lok, Europapokalfinalist 1987, wollte das Viertelfinale im Landespokal in der RB-Arena austragen. Lok-Trainer und Ex-Bundesliga-Profi Heiko Scholz, der für beide Mannschaften gespielt hat, hoffte so auf ein „fantastisches Fußballfest“, mit dem man ganz Deutschland zeigen könne, „dass Leipzig mehr Fußball zu bieten hat als nur RB Leipzig“.

BSG Chemie winkte jedoch ab. „Klar, dass Heiko Scholz in der Leutzscher Hölle nicht spielen will“, sagte Dirk Skoruppa, Sprecher des Chemie-Vorstands, dem SID. „Als ehemaliger Chemie-Spieler weiß er nur zu gut, wie schwer es bei uns für ein Auswärtsteams ist.“

4999 Zuschauer passen in den legendären Sportpark, der nach dem ehemaligen Meistertrainer Alfred Kunze benannt ist. 15.000 bis 20.000, vor allem Lok-Anhänger, wären gerne dabei. Chemie stellte dem Anhang der gegnerischen Mannschaft die gebotenen zehn Prozent (455 Tickets) zur Verfügung und rundete auf 750 auf.

Die Rivalität ist enorm. In der vergangenen Woche waren schon 100 Unbekannte in den Chemie-Sportpark eingedrungen und hatten mit dem Spruchband „Good Night Green White“ für die Kamera posiert. Natürlich tauchte das Video dazu bei YouTube auf.

Auf die Polizei kommt viel Arbeit zu. Neben dem Derby wurde unglücklicherweise das Regionalligaspiel zwischen RB Leipzig II und dem BFC Dynamo für Sonnabend in der Messestadt angesetzt. „Das sind für uns dann zwei absolute Highlights, die einen extrem hohen Personalaufwand abfordern“, sagte ein Leipziger Polizeisprecher dem MDR.

Die Feindschaften der Klubs datiert noch aus DDR-Zeiten. Die damalige Sportführung hatte in den 60er-Jahren den Fußball umstrukturiert und förderte seitdem vor allem Lok. Viele Spieler wurden dorthin delegiert, auch von Chemie. Trotzdem wurde Chemie 1964 Meister.

Letztmals trafen die Top-Teams beider Klubs 1985 unter ihrem jetzigen Namen aufeinander und gingen im Anschluss in Nachfolgevereine wie VfB oder Sachsen Leipzig über. Nach langem Kampf fanden beide Klubs zu ihrer alten Identität zurück, wurden aber sportlich längst abgehängt: von der 2009er Neugründung RasenBallsport Leipzig, immerhin mittlerweile erster Bayern-Jäger.