Kommentar

Löw hat nun Ruhe für das große Ziel

Die Verlängerung bis 2020 wäre eine verdiente Wertschätzung für den Bundestrainer und ein Zeichen an die Jugend, meint Jörn Meyn.

Joachim Löw ist seit August 2006 Bundestrainer und hat mit der deutschen Nationalelf in 141 Partien bisher 94 Siege errungen

Joachim Löw ist seit August 2006 Bundestrainer und hat mit der deutschen Nationalelf in 141 Partien bisher 94 Siege errungen

Foto: Arne Dedert / dpa

Es fühle sich an wie drei Jahre, oder wie fünf. Jedenfalls nicht wie die zehn, die Joachim Löw nun Bundestrainer ist. Das sagte Löw neulich im Interview mit dieser Zeitung, um zu verdeutlichen, warum er bei sich selbst noch keinerlei Abnutzung verspüre und keine Lust, den Job bald sein zu lassen.

Und dann sagte der Weltmeister von 2014 etwas, das man vielleicht nur völlig versteht, wenn man einen solchen Erfolg errungen hat: „Der Titel hat in mir die Gier freigesetzt, diese Leistung bestätigen zu wollen. Das war eine ganz wichtige Erkenntnis für mich. Der Weg nach oben ist das eine. Oben zu bleiben, ist etwas anderes.“

EM 2020 als Fluchtpunkt

Joachim Löw hat nun offenbar dafür gesorgt, dass er in Ruhe versuchen kann, oben zu bleiben. Laut „Bild“ hat der 56-Jährige seinen noch bis 2018 gültigen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) vorzeitig um zwei Jahre bis 2020 verlängert. Das bedeutet, es wird vor der WM 2018 in Russland, wenn Löw und seine Elf versuchen werden, den Titel zu verteidigen, keine leidliche Diskussion um seine Zukunft geben.

Das passt zum gelernten Großhandelskaufmann, der stets mit klaren Verhältnissen in ein Turnier gehen wollte. Nur vor der WM 2010 scheiterte das Unterfangen – allerdings an Streitigkeiten und Indiskretionen im Verband. Zudem umfasst der neue Kontrakt auch die EM 2020 und gibt sie als Fluchtpunkt aus: Die Generation der heute 20-, 21-Jährigen um Joshua Kimmich und Leroy Sané dürften dann das Gesicht der Nationalelf prägen. Und Löw hat erkannt, dass das schöne Aussichten sind.

Trotzdem kann nach der WM 2018 Schluss sein

Der Zeitpunkt der Verlängerung überrascht kurz nach Beginn der WM-Qualifikation. Andererseits hat Löw in den ersten drei Partien (drei Siege, 8:0 Tore) erneut bewiesen, dass er fähig zur Erneuerung ist.

Und es geht bei der Verlängerung auch darum, einem Trainer, der den deutschen Fußball in eine ähnliche Blütezeit geführt hat wie seine großen Vorgänger Helmut Schön und Sepp Herberger, Wertschätzung entgegen zu bringen. Löw hat sie sich verdient. Und natürlich bedeutet das neue Arbeitspapier keineswegs, dass nach der WM 2018 nicht trotzdem Schluss für ihn sein könnte. Nur kann Löw bis dahin in Ruhe am Obenbleiben arbeiten.