Wrestling

Warum alle Tim Wiese hassen dürfen

Für Ex-Bundesliga-Torwart Tim Wiese beginnt am 3. November eine neue Karriere. Dann steigt er als Showkämpfer in den Wrestling-Ring.

Der ehemalige Bundesliga-Torwart Tim Wiese ist jetzt Wrestler

Der ehemalige Bundesliga-Torwart Tim Wiese ist jetzt Wrestler

Foto: FUNKE Foto Services / Kai Kitsch / Funke Foto Services

Essen.  Als Sportjournalist und Hobbyfußballer, der bei einer Körpergröße von knapp zwei Metern im Schwergewicht angesiedelt ist, muss man sich in der Regel nicht verstecken. An diesem Mittwochvormittag ist es anders. In einem kleinen und abgeschiedenen Trainingszentrum in Essen-Katernberg wartet ein Muskelberg mit 120 Kilogramm Lebendgewicht im Ring.

Es ist Tim Wiese (34), ehemaliger Fußball-­Nationaltorhüter mit sechs Länderspielen und jetzt Showkämpfer in der amerikanischen Wrestling-­Profiliga WWE. Nach wenigen Sekunden im Schwitzkasten des ehemaligen Bremers war dieser ungleiche Kampf schon vorbei. Verloren!

Tim Wiese. Nur die nach hinten gegelten Haare erinnern noch an den früheren WM-­ und EM-Teilnehmer. 40 Kilogramm Muskelmasse hatte Wiese in den letzten beiden Jahren zugelegt. „Zehn Kilo mussten wieder runter, sonst hätte ich mich gar nicht mehr bewegen können“, scherzt Wiese.

Mischung als Athletik und Choreographie

Der „dünne Hering“, wie er sich einst bezeichnete, ist Geschichte. Und das ist das Produkt harter Arbeit, besonders im Kraftraum. Wrestling ist eine Mischung aus Athletik und Choreographie. Die Ergebnisse der Kämpfe werden vorher festgelegt. Doch um dem breiten Publikum eine spektakuläre Show zu bieten, müssen die Darsteller körperlich in Topform sein. „Die Intensität beim Wrestling­-Training ist mit Fußball gar nicht zu vergleichen“, sagt Wiese.

Nur einen Steinwurf entfernt von der Zeche Zollverein, dem bekanntesten Industriedenkmal des Ruhrgebiets, schuftet Wiese täglich mehrere Stunden lang. Schon beim Aufwärmprogramm kann er seine These belegen: Intensives Dehnen, zahlreiche Liegestütze und Rumpfbeugen sowie einen Sportreporter später wischt er sich den Schweiß von der Stirn. Es folgen Übungen mit zwei erfahrenen Sparringspartnern. Die fliegenden Schwergewichte sorgen für ohrenbetäubenden Lärm, wenn sie auf den Ring-­Boden klatschen.

Obwohl Tim Wiese Spätstarter ist, macht er eine durchaus gute Figur beim Wrestling. „Beim Fußball bin ich jahrelang durch die Luft geflogen. Das kommt mir nun entgegen“, sagt er. Sein Profivertrag in Hoffenheim („Elf Spiele und drei Jahre bezahlter Urlaub. Das ist wie ein Lotto-Jackpot“) war im Sommer ausgelaufen.

Für große Sprüche braucht er kein Training

Angetrieben wird er von seinem Kindheitstraum. Wiese will ein Wrestling-­Superstar in den USA werden, der „King of the Ring“ (englisch: König des Rings), wie es auf seiner Trainingsjacke steht. Hoffnung macht ihm eine Größe des Sports: „Ich weiß, dass Tim als ehemaliger Leistungssportler alles mitbringt, was es braucht“, sagt WWE-­Legende Paul Levesque alias Triple H.

Ab dem 3. November möchte er in München an der Seite der großen Namen des Wrestlings erstmals sein Können beweisen und mit Stars wie dem Schweizer Cesaro und dem Iren Sheamus antreten. Lampenfieber hat er nicht. „Ich werde wie ein Tornado durch den Ring fegen“, tönt Wiese. Markige Sprüche gehören im Showgeschäft Wrestling zum guten Ton.

Dass Wiese diese Sprache beherrscht, hat er schon in der Bundesliga bewiesen. „Ich war schon beim Fußball der Bad Boy – und das werde ich nun auch im Ring sein. Schon beim Fußball war ich für die gegnerischen Fans der böse Mensch, den alle im Stadion beschimpft haben. Damit komme ich klar. Die können mich ruhig alle hassen.“ Man glaubt es Tim Wiese.