Terrorgefahr

Joachim Löw: „Wir vertrauen den Sicherheitskräften“

Der Weltmeister kehrt an den Ort zurück, an dem zuletzt wegen Terrorgefahr das Spiel abgesagt wurde: Das Stadion von Hannover 96.

Polizisten kontrollierten vor dem Spiel jeden Sitz im Stadion - und trotzdem kam es im Vorjahr zur Spielabsage in Hannover

Polizisten kontrollierten vor dem Spiel jeden Sitz im Stadion - und trotzdem kam es im Vorjahr zur Spielabsage in Hannover

Foto: Marvin Guengoer / picture alliance / GES-Sportfoto

Hannover.  Das mulmige Gefühl in Martin Kind hat sich mittlerweile verabschiedet. Der Präsident von Hannover 96 fuhr wie viele Fans am kalten Abend des 17. November 2015 in Richtung HDI-Arena. Dort sollte das Länderspiel zwischen den deutschen Weltmeistern und den niederländischen Nachbarn steigen.

Doch die Partie, die vier Tage nach der Terrornacht von Paris mit 130 Getöteten als klares Zeichen einer offenen Gesellschaft gegen die Bedrohung erscheinen sollte, wurde nie angepfiffen. Es gebe eine „akute Gefährdungslage“, erklärte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe damals.

Zurück blieb nicht nur bei Kind ein mulmiges Gefühl – und viele offene Fragen. An diesem Dienstag kehrt die deutsche Nationalelf in der WM-Qualifikationspartie gegen Nordirland (20.45 Uhr, RTL) erstmals nach der Absage nach Hannover zurück. Martin Kind wird sich wieder ins Auto setzen und auf den Weg in „sein“ Stadion machen. „Und ich freue mich darauf“, sagt der 72-Jährige im Gespräch mit der Morgenpost. „Das Thema der Absage ist für mich beendet.“

Darum ist das DFB-Team nicht in Barsinghausen

Für die Nationalspieler auch? „Ja“, bestätigt der Teammanager der Nationalelf, Oliver Bierhoff. „Das war im Vorfeld der Partie überhaupt kein Thema innerhalb des Teams.“ Bundestrainer Joachim Löw stimmt zu und denkt bei „den Vorfällen des Vorjahres“ eher an Paris als an Hannover. „Beides“, sagt er, „haben wir gut verarbeitet. Wir vertrauen den Sicherheitskräften und konzentrieren uns aufs Sportliche.“

Es gibt keine Nachwirkungen innerhalb des Teams, wenn der Name Hannover fällt. Dabei machten in Niedersachsens Landeshauptstadt Gerüchte die Runde, der Weltmeister habe sich wegen der Ereignisse gegen das traditionelle Quartier in Barsinghausen entschieden.

Statt wie seit Jahrzehnten üblich am Stützpunkt des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) steigt der Weltmeister diesmal am Expogelände ab – und begründet das mit rein logistischen Überlegungen. Sprecher Jens Grittner: „Das Team kommt aus Hamburg, absolviert das Abschlusstraining im Stadion und will einfach kürzere Wege haben. Es hängt überhaupt nicht mit dem letzten Termin in Hannover zusammen.“ Dieser war ohnehin nie das ganz große Thema.

96-Präsident Kind wartet weiter auf eine Erklärung

Denn nur vier Tage, bevor die Weltmeister in Sicherheit mit dem Bus zurück ins Hotel gebracht wurden, erlebten sie den Terrorschrecken im Pariser Stade de France hautnah mit, spürten die Bombenexplosionen auf dem Rasen. Dagegen wirkt die präventive Absage des Hannover-Spiels nicht nach – obgleich die Hintergründe für die Öffentlichkeit bis heute unklar sind.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sorgte mit seinem Erklärungsversuch, „ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“, für Diskussionen. Auch bei Kind hängt die fehlende Klarheit nach: „Wir haben nie erfahren, was tatsächlich passiert ist. Das ist ein bisschen unbefriedigend für mich. In solchen Krisensituationen sollte es Klarheit geben.“

Trotzdem sei klar: Angst gibt es nicht mehr. Das belegt der Kartenvorverkauf: Bisher sind 36.000 von 40.000 Karten verkauft. Der Auftritt beim 3:0 gegen die Tschechen in Hamburg hat die Hannoveraner angestachelt. Sie wollen das DFB-Team wieder sehen – obwohl sie beim letzten Mal alle wieder nach Hause mussten.