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Alles Müller im Volkspark

WM-Qualifikation: Der Münchner erzielt auch in Hamburg beim Sieg gegen Tschechien einen Doppelpack.

Traf zweimal: Thomas Müller

Traf zweimal: Thomas Müller

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Hamburg.  Eigentlich müsste Joachim Löw den Tschechen dankbar sein. Ohne die demütigende Pleite gegen eine B-Elf aus Tschechien (1:2), die das Vorrunden-Aus bei der EM 2004 und den Rücktritt von Teamchef Rudi Völler einen Tag später bedeutete, hätte es die nunmehr schon zwölf Löwschen Jahre beim DFB vielleicht niemals gegeben. Klinsmann-Co., Cheftrainer, Weltmeister. Danke Tschechien.

Aber Dankbarkeit hat bekanntlich viele Aggregatzustände. Einen gab es am Sonnabend beim zweiten WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Tschechien über die Ohren zu vernehmen: Das vom heimischen HSV arg gebeutelte Publikum im Hamburger Volksparkstadion bejubelte frenetisch das 3:0 (1:0) von Löws Elf nach den Toren von Thomas Müller (13., 65.) und Toni Kroos (49.).

Und das völlig zu Recht: Denn die DFB-Auswahl zeigte ein vorzügliches Spiel, bei dem einzig und allein mal wieder die Chancenverwertung mangelhaft war. Der Sieg hätte deutlich höher ausfallen müssen. „Die erste Halbzeit war sehr gut, wir haben sehr gut kombiniert und die Tschechen laufen lassen. Vielleicht war es bis dahin ein Tor zu wenig“, sagte Verteidiger Jerome Boateng.

Schon gegen Norwegen traf Müller zweimal

Im Blickpunkt war einer, der sich seine Tore in dieser Spielzeit scheinbar für die internationale Bühne aufhebt. Thomas Müller, bei der EM noch auf der Suche nach seinem eigentlich unverschämt scharfen Torriechers, hatte in den ersten sechs Spielen der Bundesliga für den FC Bayern noch kein einziges Tor erzielt.

Gegen Tschechien markierte der 27-Jährige schon seine Treffer Nummer drei und vier in nur zwei WM-Qualifikationsspielen in diesem Jahr. Schon beim Auftakt gegen Norwegen (3:0) hatte Müller doppelt getroffen.

Sein erstes Tor fiel so: Mario Götze, den Löw in der Sturmspitze aufbot, dribbelte nach einem wunderbar raumsezierenden Pass vom starken Mats Hummels auf den tschechischen Strafraum zu. Götze passte rüber auf Mesut Özil, der sogar die Fähigkeit besitzt, weiterzupassen, ohne den Ball zu berühren.

Das Spielgerät landete bei Müller, und der sagte ebenfalls: danke. 1:0 (13.). Tor Nummer zwei baute sich dann so zusammen: Ein Augenweiden-Pass von Özil landete bei Jonas Hector. Der Linksverteidiger legte ab auf Müller im Strafraum. Zack. 3:0 (63.). Danke.

Ein sehr selbstverständlich spielender Joshua Kimmich

„Wir haben ein sehr souveränes Spiel abgeliefert. Das war eine Superstimmung, da macht es noch mehr Spaß, für Deutschland zu spielen“, freute sich Müller. Zwischen den beiden Müller-Toren ließ die DFB-Auswahl aber wieder eine Handvoll bester Gelegenheit aus – Julian Draxler (23., 38.), Müller (25., 38.) und Götze (31.) hätte dafür sorgen können, dass es schon zur Pause 6:0 steht, taten das aber nicht.

Es könnte sein, dass Löw in der Kabine noch einmal darauf hingewiesen hat: Wir brauchen zu viele Torchancen. Jedenfalls zeigte sich das scheue Wesen namens Effizienz im deutschen Spiel gleich nach der Pause.

Der wieder einmal sehr selbstverständlich spielende Joshua Kimmich passte ganz schnörkellos auf Kroos am Strafraum, und der Madrilene erzielte ein Tor, das irgendwann mal seinen Namen bekommen sollte: flach um alle Verteidiger herum und gegen den Laufweg des Torwarts ins Netz (49.).

Löw überholt Schön im 140. Spiel als Bundestrainer

Nun hat die tschechische Mannschaft schon lange nichts mehr mit dem brachialen Team von 2004 zutun. Am Sonnabend kam die Elf von Trainer Karel Jarolim erst in der 63. Minute zu einem Torschuss. Manuel Neuers Fäuste parierten. Aber ein Gegner ist auch immer nur so schlecht, wie man ihn aussehen lässt. „Wir können sehr zufrieden sein, die Mannschaft hatte jederzeit die Kontrolle“, sagte Löw.

Die bisher letzte Niederlage gegen die Tschechen liegt fast neun Jahre zurück. Damals, im Oktober 2007, verlor Löws Elf in der EM-Qualifikation 0:3 in München. Dabei handelte es sich um die bis heute letzte Heimspielniederlage einer deutschen Nationalelf in einem Pflichtspiel.

Doch nicht nur das sagt etwas aus über die Löwschen Jahre. Der Sieg vor 51.299 Zuschauern war Löws 140. Länderspiel als Bundestrainer. Damit hat er Helmut Schön (139) hinter sich gelassen und zielt nun auf den Rekord von Sepp Herberger (167).