Historisches Spiel

In Kuba mit Klinsmann: Wo Fußball nur eine Nebenrolle spielt

Das US-Team von Jürgen Klinsmanns siegt 2:0 auf Kuba. Im Mittelpunkt steht die politische Annäherung beider Länder.

Foto: Rolando Pujol / dpa

Havanna.  Als Maynor Hernández hörte, dass die US-Fußballnationalmannschaft erstmals seit fast 70 Jahren ein Freundschaftsspiel in Kuba bestreiten würde, zögerte der Amerikaner nicht lange: Er kaufte ein Flugticket nach Havanna, um bei der historischen Partie dabei zu sein. „Der Fußball vereint die beiden Länder“, sagte der Kalifornier, der mit Verwandten nach Kuba gekommen ist. „Es ist toll, hier zu sein.“

Die letzte Begegnung der beiden Teams in einem Freundschaftsspiel auf der Karibikinsel fand am 20. Juli 1947 in Havanna statt. Damals schickten die Kubaner die Gäste mit 5:2 nach Hause.

Auf den Rängen des Stadions Pedro Marrero schwenkten die Fans kubanische Flaggen, aber auch das eine oder andere Sternenbanner war zu sehen. Die Haupttribüne war gut besetzt, doch im weiten Rund der am Rande des Zerfalls stehenden Arena fanden sich nur wenige Zuschauer.

Die Frau des Vizepräsidenten war dabei

Jill Biden, Frau des US-Vizepräsidenten Joe Biden, feuerte an der Seite des neuen US-Botschafters Jeffrey De Laurentis ihre Mannschaft an. Die US-Boys schlugen die Gastgeber mit 2:0. Die Tore für die USA erzielten Chris Wondolowski (62.) und Bayern-Spieler Julian Green (71.). Doch das ist nicht so wichtig. Fußball ist in Kuba Randsport – auch deshalb überragt die politische Bedeutung der Begegnung die sportliche bei Weitem.

Die Partie ist ein weiterer Schritt der Aussöhnung zwischen den einstigen Erzfeinden. Vor gut einem Jahr hatten Washington und Havanna wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. Auch gesellschaftlich, sportlich und wirtschaftlich öffnet sich Kuba derzeit.

Im Sommer 2015 kam mit dem Team von New York Cosmos erstmals seit 1978 wieder eine Profi-Fußballmannschaft aus den USA zu einem Spiel nach Kuba. NBA-Stars gaben kubanischen Kindern Basketballunterricht. Das Baseball-Spiel zwischen den Tampa Bay Rays und der kubanischen Nationalmannschaft im März schauten sich die Präsidenten Barack Obama und Raúl Castro gemeinsam an.

Herthas John Brooks wurde zur Halbzeit ausgewechselt

Für die US-Boys, bei denen Herthas John Brooks in der Startelf stand und zur Pause ausgewechselt wurde, war die Partie nur ein Testlauf für die nächste Qualifikationsrunde zur WM 2018 in Russland. Trainer Klinsmann gab mehreren jungen Spielern die Chance, sich zu beweisen. Torhüter Ethan Horvath (21) etwa empfahl sich mit drei parierten Schüssen für Höheres. „Wir wollen den Jungs eine Chance geben“, sagte Klinsmann vor dem Spiel. „Solche Möglichkeiten gibt es nur sehr selten.“

Der US-Coach blickt schon auf das nächste Etappenziel: Am 11. November trifft seine Mannschaft mit Mexiko auf den stärksten Konkurrenten im Kontinentalverband. Drei der sechs verbliebenen Mannschaften aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik lösen direkt ein Ticket nach Russland.

Fußball-Arithmetik interessierte die Kubaner im Stadion Pedro Marrero wenig. Sie wollten guten Fußball sehen. „Wir sind begeistert vom US-Sport“, sagte Luis Enrique Reyes und hüllte sich in einen Sternenbanner. „Wir haben nichts gegen unser Land, aber den besten Sport der Welt gibt es in den Vereinigten Staaten.“