Kommentar

HSV: Labbadia geht, doch das Problem Beiersdorfer bleibt

Labbadias Entlassung zeigt, dass das Problem beim HSV woanders liegt. Beiersdorfer ist als Führungsfigur zu schwach, meint Uwe Bremer.

Der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, Dietmar Beiersdorfer, teilte am Sonntag vor Journalisten die Entlassung Labbadias mit

Der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, Dietmar Beiersdorfer, teilte am Sonntag vor Journalisten die Entlassung Labbadias mit

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Berlin.  Mirko Slomka, Josef Zinnbauer, Peter Knäbel und nun Bruno Labbadia - es ist die vierte Trainer-Kündigung beim Hamburger SV, die Dietmar Beiersdorfer seit September 2014 ausspricht. In der rasch eskalierenden Schlammschlacht um Labbadia, eben noch als „Hamburger des Jahres 2015“ ausgezeichnet, hat Beiersdorfer eine schwache Figur abgegeben.

Auf dem Papier ist er der starke Mann beim Bundesliga-Dino: Beiersdorfer ist seit Juli 2014 Vorstandsvorsitzender und seit Mai auch Direktor Profifußball. Weil er zudem noch Kündigungen an seine Manager Oliver Kreuzer und Peter Knäbel aussprechen musste.

In der Wahrnehmung wirkt Beiersdorfer jedoch als ausführende Kraft des eigentlichen Herrschers des HSV – Klaus-Michael Kühne. Die Hamburger, eingeschnürt durch 90 Millionen Euro an Verbindlichkeiten, haben so gut wie keinen eigenen Bewegungsspielraum. Bezeichnend, dass es Kühne war, der kein Amt und damit eigentlich keine Legitimation beim HSV hat, der den Trainer nach dem ersten (!) Spieltag zum Abschuss freigab.

Keine Rückendeckung für den Trainer

Mit seiner Äußerung, dass man mal sehen müsse, ob Bruno Labbadia das Team in Schwung bekomme, war dessen Ende vorgezeichnet. Brav hielten sich nach der zweiten Niederlage am zweiten Spieltag alle Beteiligten in Hamburg an das von Kühne vorgegebene Drehbuch.

Von Beiersdorfer darf man Führungsstärke erwarte. Der erweckt aber den Eindruck, als ginge es darum, den schwarzen Peter weiterzureichen: Beiersdorfer wollte als derjenige dastehen, der trotz aller finanziellen Nöte den Kader mit 33 (Kühne-)Millionen aufgerüstet hat. Was kann er dafür, wenn der Trainer aus so viel Qualität kein durchschlagskräftiges Team bauen kann?

Von Beiersdorfer war öffentlich für den Trainer null Rückendeckung zu hören. Egal, wie der neue Trainer heißt: Derzeit driftet der HSV trotz seiner XXL-Etats und trotz der Beliebtheit in der Region in Richtung „nicht tauglich fürs Profigeschäft“. Der Klub braucht jemanden, der die Beziehung zu Geldgeber Kühne auf eine ­funktionierende Basis stellen kann. Dafür braucht es eine starke Führungspersönlichkeit. Beiersdorfer ist sie nicht. Fragt sich, ob der HSV die Kraft hat, so jemanden überhaupt zu installieren.