Champions League

Eine Dortmunder Gala mit Götze

Der viel gescholtene Nationalspieler trifft bei Dortmunds 6:0-Kantersieg gegen Legia Warschau. Es wird der Abend der Zugänge .

Wie in alten Zeiten: Mario Götze (Nr.10) jubelt im Dortmund-Trikot über sein 1:0 per Kopf gegen Legia Warschau. Christian Pulisic (r.) freut sich mit ihm

Wie in alten Zeiten: Mario Götze (Nr.10) jubelt im Dortmund-Trikot über sein 1:0 per Kopf gegen Legia Warschau. Christian Pulisic (r.) freut sich mit ihm

Foto: Leszek Szymanski / dpa

Berlin.  Man hat Mario Götze schon vielerlei Dinge bezichtigt. Dass er sein Talent verschwende, dass er arrogant sei. Aber einer Sache hat man den 24-Jährigen bisher noch nie verdächtigt: ein Kopfballungeheuer zu sein. Seit Mittwochabend ist damit Schluss.

Seit der Partie von Borussia Dortmund bei Legia Warschau zum Auftakt der Champions-League-Gruppe F weiß die Welt, dass Götze vielleicht nicht besser als Messi ist, aber ein Kopfballungeheuer – wenn man ihn lässt. Und der polnische Doublegewinner Legia hatte sich bei seiner Rückkehr auf die Bühne Königsklasse nach 20 Jahren vorgenommen, die Borussen machen zu lassen, wie sie wollten.

Mit 6:0 (3:0) siegte das Team von Trainer Thomas Tuchel bei dessen Premiere in der Champions League und der Dortmunder Rückkehr nach einjährigem Verweilen in der Europa-League-Diaspora durch die Treffer von Götze (8. Minute), Sokratis (15.), Marc Bartra (17.), Raphael Guerreiro (51.), Gonzalo Castro (76.) und Pierre-Emerick Aubameyang (87.). Es war der höchste Sieg des BVB in der Champions League – und der höchste Auswärtssieg für den Klub überhaupt.

„Schöner hätte es nicht laufen können“

Den Anfang machte Götze: Ousmane Dembelé hatte geflankt. Der 1,76 Meter kleine Götze war im Strafraum höher gesprungen als zwei hünenhafte Legia-Verteidiger und nickte zum 1:0 ins Netz. Tuchel grinste auf der Bank. Er wusste: Dieses Spiel nahm die gewünschte Richtung und sollte sich nicht mehr verirren.

„Schöner hätte es nicht laufen können. Wenn wir uns etwas hätten wünschen dürfen, hätten wir uns ein solches Ergebnis nicht einmal getraut“, sagte Tuchel. Besonders für Götze aber freue er sich „doppelt“, so der BVB-Trainer. Es war ja auch eine Art Diaspora, in der sich Götze in den letzten drei Jahren befand.

Beim FC Bayern, zu dem Götze 2013 vom BVB unter vielen Misstönen gewechselt war, wurde er nicht glücklich und kehrte im Sommer für 22 Millionen Euro zurück – was nicht alle bei der Borussia goutierten. Aber nach zwei starken Auftritten zuletzt werden sie beim Vizemeister nun glücklich sein, ihn zu haben. Auch beim 0:1 gegen RB Leipzig am Sonnabend hatte Götze einen guten Eindruck hinterlassen. „Man sieht, dass ich mich wohl fühle. Ich freue mich auf die Zukunft“, sagte Götze nach seiner Gala.

Warschau hat den geringsten Marktwert aller Champions-League-Teams

Aber jene Niederlage gegen Leipzig hatte den Druck auf Tuchel vor der Partie in Warschau erhöht: Beim Team mit dem geringsten Marktwert aller 32 Klubs in der diesjährigen Königsklassen-Saison musste der 43-Jährige gewinnen – vor allem mit Blick auf die beiden anderen Gruppengegner: Real Madrid und Sporting Lissabon.

Warschaus Spieler kommen zusammen nur auf 30,45 Millionen Euro. Zum Vergleich: Dortmunds Kaderwert wird auf 339,50 Millionen Euro geschätzt. Und genauso unterschiedlich geriet auch die Partie. An Götzes Kopfballtreffer nahm sich Sokratis ein Beispiel: Nach einer Freistoßflanke von Guerreiro köpfte der Grieche das 2:0 (15.).

Weil das so gut klappte, wiederholten die Dortmunder das Muster nur zwei Minuten später zum 3:0: Freistoßflanke Guerreiro, Gestocher im Legia-Strafraum, Bartra staubte ab (17.). Es sollte also der Abend der Zugänge bei der Borussia werden.

200 Hooligans versuchen, BVB-Block zu stürmen

Neben Götze waren im Sommer ja auch der portugiesische Europameister Guerreiro und der Spanier Bartra nach Dortmund gewechselt. Vor allem Guerreiro, diesmal im zentralen Mittelfeld aufgeboten, zeigte ein herausragendes Spiel und markierte nach der Pause das 4:0.

Vorarbeit Dembelé – noch so ein Neuer im Dortmunder Sortiment – und der 22-Jährige schloss trocken und flach zum vierten Treffer des Tages ab (51.). Für den Endstand sorgten dann Castro und Aubameyang (87.). Die waren zwar schon letzte Saison in Dortmund, können aber auch Tore schießen: das 5:0 (76.) und 6:0 (87.).

Aber es gab dann auch hässliche Szenen: Der BVB hatte vor der Partie eine Reisewarnung an seine Fans rausgegeben, weil Legias Anhängerschaft als gewaltbereit gilt. Und den Beweis trat sie an: Mitte der ersten Halbzeit sollen rund 200 vermummte Hooligans versucht haben, in den mit 1800 BVB-Fans besetzen Auswärtsblock zu gelangen. Die Ordner konnten die Situation später entschärfen. Es blieb aber das einzige Mal, dass die Dortmunder an diesem Abend nicht lachten.