Fussball

Bei den Bayern sind die Rücklichter schon eingeschaltet

Schon zu Saisonbeginn dominieren die Bayern die Liga. Ein variabler und breiter Kader sind der Grund dafür.

Freud und Leid: Bayerns Joshua Kimmich (l.) bejubelt sein Tor zum 2:0,

Freud und Leid: Bayerns Joshua Kimmich (l.) bejubelt sein Tor zum 2:0,

Foto: Guido Kirchner / dpa

GELSENKIRCHEN.  Da hat sich Joshua Kimmich was eingebrockt. Jetzt muss er auch noch singen nach seiner doppelten Tor-Premiere. Vergangenen Sonntag traf der 21-Jährige im WM-Qualifikationsspiel in Norwegen, am Freitag im Liga-Auswärtsspiel beim FC Schalke. Zwei Treffer gleicher Machart, beide Male mit rechts satt ins lange Eck, beide Male zum 2:0-Endstand. „Ein 2:0 ist immer ein schönes Tor, weil es etwas Ruhe gibt“, sagte der Bayern-Profi.

Ihn selbst bringt es in Schwierigkeiten. „Vielleicht können wir ihn überreden, dass er ein Lied singen muss. Das ist bei uns beim Einstand eigentlich immer der Fall“, meinte Kapitän Philipp Lahm. Meist bei einem Abendessen, der „Glückliche“ muss sich dann auf einen Stuhl stellen.

Die Laune ist also prächtig bei den Münchnern. Zwei Siege, 8:0 Tore. Die Rücklichter sind angeschaltet. Ist der Schulterblick überhaupt noch nötig in dieser Saison? 80 Minuten machten die mutigen Schalker der Bundesliga Hoffnung.

Neuer glaubte an Bayerns Chance

Sie konnten den Meister tatsächlich in Schwierigkeiten bringen, beinahe an den Rand eines Unentschiedens. Klaas-Jan Huntelaars Schuss wurde von Torhüter Manuel Neuer an die Latte gelenkt. „So wie sie das Spiel betrieben haben, war es sehr aufwändig“, meinte der Nationaltorhüter, „ich hatte damit gerechnet, dass sie es nicht über 90 Minuten durchhalten werden.“

Das sind sie, die neuen Bayern unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti. Man wartet auch mal ab, bis sich der Gegner ausgepowert hat. Ewiger Ballbesitz und (er-)drückende Dominanz sind out, die Lehrinhalte von Ex-Coach Pep Guardiola bilden aber immer noch die Grundlage des Spiels – und des Erfolgs. Mit Ancelotti kommt eine Prise Coolness hinzu. Ein Boxer kann einen Fight auch in den letzten beiden Runden gewinnen, selbst wenn er nach Punkten hinten liegt.

Wenn ein Ribéry schwächelt, glänzt Costa auf dem Flügel

„Wir sind voll im Soll“, sagte Neuer, „wir brauchen weitere Spiele, brauchen den Wettbewerb.“ Klingt nicht gut für die Konkurrenz. Eigentlich befinden sich die Bayern in der Warmlauf-Phase nach EM und Sommerpause. „Früher hat man gesagt, man hat sie am liebsten am Anfang, dann sind sie noch müde von den Turnieren“, sagte Schalkes Manager Christian Heidel, „aber das hat sich – siehe 6:0 gegen Bremen – auch erledigt.“ Es ist die zweite September-Woche, der zweite Spieltag und der Rest der Liga staunt nur. Auch weil der Kader der Münchner noch breiter, noch variabler geworden ist.

So fehlt etwa Deutschlands Fußballer des Jahres, Jerome Boateng. Dann zeigt sich eben Javi Martínez in Topform. Der Spanier war Bayerns Bester, räumte hinten auf und leitete das 1:0 von Robert Lewandowski mit einem feinen Zuspiel ein. Wenn Franck Ribéry wie nicht in die Gänge kommt, wirbelt der eingewechselte Douglas Costa den Flügel auf. 35-Millionen-Zugang Renato Sanches wirkte etwas nervös beim Liga-Debüt, also stabilisierte der eingewechselte ­Arturo Vidal das Mittelfeld.

Schließlich Kimmich, der „lucky player“ wie ihn Ancelotti nannte, weil er „mehrere Positionen“ spielen kann. Als Xabi Alonso im Mittelfeld den Zugriff verlor, gewann Kimmich mehr und mehr Zweikämpfe, sorgte für Dampf nach vorne und die Entscheidung in der Nachspielzeit.