Nationalmannschaft

Löw will mehr Rambazamba im Strafraum

Der Bundestrainer fordert von seiner Elf einen souveränen Start in die WM-Qualifikation gegen Norwegen und künftig mehr Zug zum Tor.

Foto: Mika Volkmann / Bongarts/Getty Images

Oslo.  Die Reisegruppe aus Deutschland erreichte Oslo am Sonnabend und schon damit war die erste Enttäuschung für die norwegische Fußball-Gemeinde verbunden. Denn die Gäste, die da aus dem Flugzeug stiegen, waren die, die gemeinhin zu erwarten waren: Mats Hummels zum Beispiel, Toni Kroos, Manuel Neuer und die anderen eben, die auch aus der Ferne unzweifelhaft als Männer zu identifizieren sind.

Nicht dass die Skandinavier etwas Grundsätzliches gegen Männer hätten, aber nachdem die norwegische Mannschaft unter der Woche gegen den Winzling Weißrussland verloren hatte, war in den Medien der Wunsch verbreitet worden, der Weltmeister möge doch bitteschön seine Damen-Mannschaft schicken, damit wenigstens eine geringe Chance auf einen eigenen Sieg bestünde .

Es ist offensichtlich, dass Joachim Löw dieser Umbruch aber dann doch etwas zu umfangreich geraten wäre. Der Bundestrainer hat vor dem Start in die Qualifikationsphase für die WM 2018 in Russland auch so schon ausreichend zu tun mit der Neukonzeption einer Mannschaft. Zum Beispiel vor dem ersten ernsthaften Spiel seit der EM am Sonntag (20.45 Uhr, RTL) gegen eben jene Norweger.

Die Effizienz ist verloren gegangen

Spiel eins nach dem Rückzug Bastian Schweinsteigers und Lukas Podolskis. Es sei ein Spiel „ein bisschen aus der kalten Hose heraus“, sagte Löw, was vermutlich so unangenehm ist, wie es klingt. Nun sitzt er im Erdgeschoss des Ullevaal-Stadions von Oslo, das hübscher ist als es klingt. „Dieses Mal möchte ich nicht so eine durchwachsene Qualifikation haben“, mahnt der 56-Jährige.

Den zweijährigen Zyklus vor der vergangenen EM hatte sein Team sehr früh mit Misserfolgen (u.a. gegen Polen) versehen, so dass der Weg zum Turnier beschwerlicher wurde als erhofft. Diesem Druck gilt es mit einem überzeugenden Auftritt gegen Norwegen aus dem Weg zu gehen. Doch, sagt Löw, Norwegen sei gut, „die verteidigen gut und kontern gefährlich“.

Eine Kombination, die dem deutschen Spiel nicht behagt, weil es ihm zuletzt an Effizienz mangelte. Daher steht dieses erste Spiel für viele weitere, die kommen werden, und damit für das große Thema, dem sich Löw widmen muss.

Leichte Abkehr vom spanischen Stil

„Wir sind eine der besten Mannschaften der Welt, wenn es darum geht, den Gegner zu dominieren. Aber was Spiele ausmacht, haben wir bei der EM gemerkt“, sagt er. Während Deutschland wie eine riesige Maschine den Ball von einem Produktionssektor in den anderen weiterschob, lieferte Frankreich im Halbfinale kühl ein Ergebnis ab. 0:2, Deutschland fuhr nach Hause. Ein Resultat, das dazu führte, dass Löw seinen beschrittenen Weg überdenkt.

Jahrelang hat er seinen Spielern von den Spaniern vorgeschwärmt, ihre endlosen Ballstafetten waren es, die er liebte. „Wenn ich an die Vision denke, die ich vor ein paar Jahren mit dieser Mannschaft hatte, dann sind wir schon sehr weit gekommen“, sagt Löw in Oslo. Vielleicht sogar zu weit. Der Bundestrainer ließ sich gern von den Impulsen des spanischen Star-Trainers Pep Guardiola inspirieren, der den Bayern mit seinem Ballbesitzfußball in der Bundesliga zu Dominanz verhalf, auf internationalem Terrain aber mit diesem Stil schmerzhafte Niederlagen erlebte.

Löw hat – das räumt er selbst als Versäumnis ein – in dem Versuch, jene Dominanz ebenfalls herzustellen, den Jagdinstinkt seiner Spieler ein wenig verkümmern lassen. Den schnellen Drang zum Tor nach Ballgewinn, mit dem Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp eine so erfolgreiche Ära mit zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg feierte. Nun soll es also eine Nuance weniger Guardiola sein, dafür in manchen Situationen mehr Klopp.

Leerstelle im Sturm muss bis zur WM 2018 besetzt werden

„An der Spielidee werden wir nicht viel ändern, weil die einfach gut ist“, sagt Mittelfeldstratege Toni Kroos dazu. Er ist es, der das deutsche Spiel mit seinen Pässen kontrolliert. Aber ein bisschen mehr Kontrollverlust, ein bisschen mehr Adrenalin soll die DFB-Elf bis 2018 wieder können. Die Unbekümmertheit von Talenten wie Max Meyer, Leroy Sané oder Julian Brandt will Löw sich auf dem Weg dorthin zunutze machen.

Und natürlich braucht es jemanden, der die Chancen auch nutzt. Mario Gomez ist derzeit verletzt und mit seinen 31 Jahren kein Mann der Zukunft mehr. Mario Götze überzeugt auf der Position zu selten. Auch auf diese offene Frage braucht Löw in den kommenden Monaten eine gute Antwort.

Wie das denn nun sei mit der Frauen-Mannschaft und der von den Norwegern eifrig gepflegten Außenseiterrolle, ist Joachim Löw noch gefragt worden. „Geplänkel“, sagt der Bundestrainer. Er erwarte in Oslo reichlich „Rambazamba“.