Fussball

Warum der Supercup zugleich Lust und Last ist

Bayern will mit Ancelotti den Titel gewinnen, Tuchel und Dortmund würden den Wettbewerb lieber weglassen.

Foto: Matthias Balk / dpa

München.  Der Schüler bitte nach vorn, vor die Klasse. Der Lehrer setzt sich ganz nach hinten, als stummer Beobachter und Scharfrichter. Mit Stift und Zettel. Carlo Ancelotti, der Schüler auf dem Podium der Pressekonferenz am Freitagmittag an der Säbener Straße, spürte den Druck und verriet, dass „er versuchen werde, Deutsch zu sprechen, weil mein Lehrer Max da ist“. Ancelotti schlug sich wacker, nach fünf Wochen im Bayern-Kosmos spricht der neue Trainer recht passabel Deutsch.

Nach wenigen Antworten schlug der Italiener, der vor seinem Bayern-Engagement in Vancouver einen Deutsch-Sprachkurs an der University of British Columbia belegt hatte, vor: „Wenn ich von nun an weiter Englisch spreche, kommen wir alle rechtzeitig zum Mittagessen. Bleiben wir beim Deutsch, sind wir bald beim Abendessen.“ Ein charmanter Schachzug.

Ancelotti feiert mit Bayern seine Pflichtspiel-Premiere

Und inhaltlich? Nur wenige Infos konnte Ancelotti vor dem Supercup am Sonntag (20.30 Uhr, ZDF und Sky) bei Borussia Dortmund verraten. „Unsere Idee ist es, mutig zu spielen und unser Spiel durchzuziehen. Gegen eine fantastische Mannschaft, vor einem fantastischen Publikum.“

Die EM-Nachzügler, die seit 5. August trainieren, seien „bereit, zu spielen“. Er nannte Torhüter Manuel Neuer, Thomas Müller, Robert Lewandowski und Mats Hummels, den Überläufer. Sie sollen helfen, dass Ancelotti den ersten Titel der Saison und seiner Amtszeit in München gewinnt.

Und das im Duell mit Thomas Tuchel, der in sein zweites Jahr geht – durch Vizemeisterschaft und Pokalfinalniederlage gegen Bayern undekoriert. Bayern gegen Dortmund, ein seit der Vorsaison wiederbelebter Klassiker, wird nun von Ancelotti (57) und Tuchel (42) verantwortet.

Zwei Trainergenerationen treffen aufeinander

Nach zwei Spielzeiten Pep Guardiola gegen Jürgen Klopp (Bilanz 4:4 in allen Pflichtspielen) und Guardiola gegen Tuchel im letzten Jahr (ein Sieg, ein im Elfmeterschießen gewonnenes Cup-Endspiel, ein Remis) beginnt nun ein neues Duell, das die Liga über die nächsten Jahre prägen dürfte. Zwei Trainergenerationen treffen aufeinander.

Der ruhige, bedächtige, routinierte Genussmensch Ancelotti, für die Spieler eine Art Onkelfigur. Auf der anderen Seite Tuchel, der Asket. In seinem Streben nach Perfektion und Ruhm ein besessener Arbeiter, ein Fußball-Nerd. Weltanschauung und Herangehensweise der beiden an bestimmte Themen und Herausforderungen sind gänzlich unterschiedlich. Beispiel Supercup-Termin. Während Tuchel nach der Test-Pleite gegen Bilbao (0:1) haderte, die Partie komme zum falschen Zeitpunkt, freut sich Ancelotti auf sein Pflichtspieldebüt.

Bedenkenträger Tuchel „hätte auf den Supercup verzichten können“. Lebemann Ancelotti, den vor seiner Premiere ein wenig Nervosität plagt: „Es ist ein Finale, ein Titel, also immer wichtig. Es wird Zeit, den Supercup wieder zu gewinnen.“ Unter Vorgänger Guardiola verloren die Bayern dreimal hintereinander die Saison-Ouvertüre.