Fussball

Wenn der Mensch Matthias Sammer wichtiger wird

Sportvorstand Matthias Sammer verlässt nach gesundheitlichen Problemen den Bayern München. Montag wird Trainer Ancelotti vorgestellt.

Ein Gesicht des FC Bayern: Matthias Sammer

Ein Gesicht des FC Bayern: Matthias Sammer

Foto: Lajos-Eric Balogh / picture alliance / Lajos-Eric Ba

Berlin. Die Augen der Fußball-Bundesliga sind heute auf den FC Bayern gerichtet: Um 11 Uhr präsentiert der Deutsche Meister und Pokalsieger mit Carlos Ancelotti den neuen ­Trainer. Einer wird fehlen: Matthias Sammer (48) sitzt nicht mehr mit auf dem Podium, auf dem die Münchener den italienischen Coach vorstellen.

Wie der FC Bayern wenige Stunden vor dem EM-Finale in Paris mitteilte, verlässt Sammer den Verein „auf eigenen Wunsch“. Der bis Juni 2018 laufende Vertrag als Sport­vorstand wurde vorzeitig aufgelöst. Nach Informationen von „Sport 1“ hat Sammer eine Abfindung erhalten. Schon bei der Europameisterschaft waren im deutschen Teamquartier in Évian immer wieder hartnäckige Gerüchte über eine mögliche Trennung aufgekommen. Die bestätigen sich nun.

Im April war Sammer ernsthaft erkrankt, er soll einen leichten Schlaganfall erlitten haben. Der FC Bayern teilte damals mit, dass sein Sportvorstand an einer „winzigen Durchblutungsstörung des Gehirns erkrankt ist, die komplett und folgenlos ausheilen wird“. Zuletzt hatte Sammer betont, dass es ihm ­wieder besser gehe. Er war seither jedoch nicht mehr in seiner Funktion als Sportvorstand der Bayern aufgetreten.

Eine neue, andere Einstellung zum Leben

Die „Sport-Bild“ berichtet unter Berufung auf das Umfeld von Sammer, er fühle sich derzeit nicht bereit für das stressige Fußballgeschäft. Die „Bild“ hingegen schreibt, dass Sammer eine Abfindung erhalten hat und einem neuen Engagement nichts im Wege stünde.

Sammer wird in der offiziellen Bayern-Mitteilung so zitiert: „Mir geht es sehr gut. Meine Gesundheit ist wiederhergestellt. Die umfangreichen medizinischen Untersuchungen haben dies zu 100 Prozent bestätigt.“ Er hatte viel Zeit zum Nachdenken über sich, seine Familie und den Job. Sammer: „Sportvorstand beim FC Bayern zu sein, bedeutet: Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag mit aller Energie dem Klub, der Mannschaft und auch der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stehen. Diesen Aufgaben möchte ich im ­Moment nicht nachkommen.“

Sammer war seit Sommer 2012 bei den Bayern. In seine Zeit fiel die legendäre Saison 2012/13, die unter Trainer Jupp Heynckes mit dem Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League endete. In diesem Zeitraum gewannen die Münchener zum ersten Mal in ihrer Vereinshistorie vier Meisterschaften in Folge.

Grantler und Mahner

In der Öffentlichkeit trat Sammer immer wieder als Grantler und Mahner auf. Mal bremste er die interne Freude, mal verlangte er von der Öffentlichkeit mehr Respekt und Anerkennung für die Leistungen des FC Bayern. Intern soll sich Sammer mit diesen Auftritten nicht nur Freunde gemacht haben. Unter Trainer Pep Guardiola schien der Einfluss von Sammer zurück­gegangen zu sein. Ob der Rückzug von Sammer mit der Ankunft von Neu-Trainer Ancelotti zu tun hat, ist nicht bekannt.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, sagte: „In den vielen Gesprächen mit Matthias habe ich verstanden, dass er in seiner Auszeit in den vergangenen Monaten eine andere, eine neue Einstellung zum Leben eingenommen hat. Er setzt nun andere Prioritäten. Dazu passt die Tätigkeit beim FC Bayern nicht mehr. Dafür habe ich Verständnis. In diesem Fall ist der Mensch wichtiger als der Klub.“

Nach Einschätzung der „Süddeutschen Zeitung“ bauen die Bayern ihre Chefetage erheblich um. Am Freitag war bekannt geworden, dass Mediendirektor Markus Hörwick, seit 35 Jahren im Verein, die Bayern verlässt. Nun geht Sammer. Damit wird das interne Gewicht von Rummenigge und dem Kaderplaner Michael Reschke, der bisher in der zweiten Reihe tätig war, zunehmen. Außerdem erwartet die Münchener in diesem Monat eine endgültige Festlegung von Uli Hoeneß. Der ­langjährige Bayern-Präsident hatte nach seiner Entlassung Ende Februar aus der Haftstrafe, die er wegen Steuerhinterziehung abgesessen hatte, eine mehrmonatige Auszeit angekündigt.

FC Bayern wartet auf Hoeneß-Entscheidung

Im Juli, also in diesem Monat, will Hoeneß dem ­Verein mitteilen, ob und falls ja, in ­welcher Position, er beim FC Bayern künftig tätig sein wird.

Ob die Bayern einen neuen Sportvorstand suchen, diese Frage ließ Rummenigge offen: „Die Position von Matthias Sammer wird bis auf Weiteres nicht nachbesetzt. Wir werden seine Aufgabenbereiche wie schon seit April innerhalb der bestehenden Strukturen des FC Bayern aufteilen. Somit kann über eine Wiederbesetzung mit der dafür nötigen Ruhe entschieden werden.“

Im Kader hingegen soll der neue Trainer Ancelotti mit den vorhandenen Spielern arbeiten. Ungeachtet der schweren Verletzung von Verteidiger Jérôme Boateng (Muskelbündelriss im Oberschenkel) wollen die Bayern keine neuen Verpflichtungen machen. BM