DFB-Pokalfinale

Guardiola gegen Tuchel oder das Beste kommt zum Schluss

Großer Respekt, noch größerer Ehrgeiz: Über das letzte Duell von Guardiola und Tuchel beim DFB-Pokalfinale in Berlin.

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Berlin.  Für den einen ist es das große Abschiedsspiel, für den anderen eine großartige Premiere: Das prickelnde DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund wird auch zum großen Showdown der Trainer Pep Guardiola und Thomas Tuchel.

Die leidenschaftlichen Fußballlehrer dirigieren die beiden besten deutschen Teams in extremer Weise. Und das ausverkaufte Olympiastadion bietet den so gleichen und zugleich ungleichen Kontrahenten am Sonnabend (20 Uhr, ARD und Sky) die national größtmögliche Bühne.

Der gegenseitige Respekt ist gewaltig, die Anerkennung auch. „Jedes Spiel gegen Pep ist eine große Herausforderung“, sagt Tuchel, „jedes Treffen mit ihm eine echte Inspiration. Pep ist jemand, der dich dazu bringt, deine eigene Haltung zu straffen und deine Höchstleistung ständig zu hinterfragen.“

„Der Trainer spricht durch seine Mannschaft, durch die Spielweise“

Guardiolas Replik fällt ähnlich aus: „Thomas lebt Fußball. Er hat diesen Willen, alles wissen zu wollen, immer besser zu werden. Er macht sich 24 Stunden am Tag Gedanken um seine Mannschaft, den Gegner, den Fußball generell. Das schätze ich an ihm.“ Das Lob des Katalanen, es zeichnet zugleich ein Selbstbild.

Es ist für Guardiola das 161. und zugleich letzte Pflichtspiel als Bayern-Trainer. Und: Es soll mit dem 124. Sieg enden. Das Ergebnis ist allerdings nicht das Einzige, war den 45 Jahre alten Katalanen antreibt. „Der Trainer spricht durch seine Mannschaft, durch die Spielweise“, sagte Guardiola: „Titel sind nur Nummern.“

Nach 14 Titeln in vier Jahren mit dem FC Barcelona und sechs in drei Spielzeiten mit dem FC Bayern lässt sich so etwas leicht dahersagen. Bei Tuchel sieht das anders aus. 20:0 Titel für Guardiola heißt es vor dem ersten großen Endspiel des 42-Jährigen, der in seiner Trainer-Vita bislang zwei A-Jugend-Meisterschaften vorweisen kann; 2005 mit Stuttgart, 2009 mit Mainz.

Double wäre versöhnlicher Abschluss

Ein Triumph über die Bayern und Guardiola würde seine erste BVB-Saison jedoch krönen, ihn als Trainer auf eine neue Stufe heben. Das Hinspiel in der Bundesliga endete mit einem desaströsen 1:5, das Wiedersehen 0:0.

Vereinschef Hans-Joachim Watzke bescheinigt dem Nachfolger von Jürgen Klopp ein „großartiges“ erstes Jahr. Den Wechsel aus dem beschaulichen Mainz ins Großbiotop Dortmund habe Tuchel bestens gemeistert. „Er hat uns gleich in ein Finale geführt. Ich bin optimistisch, dass das nicht sein letztes sein wird“, sagte Watzke.

Für Guardiola wäre das elfte Bayern-Double ein versöhnlicher Abschluss eines dreijährigen Projektes, dem die Krönung fehlt: der Champions-League-Triumph. „Meine Aufgabe hier war nicht perfekt“, gestand der Katalane nach dem dreimaligen Halbfinal-Aus.

Er selbst, der München in wenigen Tagen in Richtung Manchester City verlässt, seine Wohnung in München aber behalten wird, kann damit leben: „Es tut mir leid, aber wir haben alles getan. Wir können gut schlafen.“

„Von unserer Topform sind wir so weit entfernt wie nie“

Auch Bundestrainer Joachim Löw misst Guardiolas Schaffenszeit in Deutschland nicht nur an Trophäen. Der Spanier habe Spieler in der täglichen Arbeit besser gemacht, sagte Löw in der „Süddeutschen Zeitung“, er habe Bayern nochmals auf ein anderes Fußballniveau gehoben.

Tuchel hat den BVB ebenfalls weiterentwickelt, ließ Dortmund taktisch flexibler und dominanter spielen. Anders als Guardiola plagten ihn aktuell aber Bauchschmerzen. „Von unserer absoluten Topform sind wir so weit entfernt wie nie“, sagte Tuchel nach dem schwachen Bundesliga-Ende mit nur einem Punkt aus zwei Spielen.

Eine Erkältung von Marco Reus (dem auch immer noch ein Titel fehlt) erschwerte die Vorbereitung, hinzu kommen Wechselgerüchte um Henrikh Mkhitaryan, dem ein Angebot des FC Chelsea vorliegen soll.

Dennoch „trauen wir uns zu, nicht nur ein Gegner zu sein, sondern der Gegner, der die Bayern in einem Spiel bezwingen kann“, so Tuchel. Einen würdigeren Rahmen für ihr Abschiedsduell können sich beide Ausnahmetrainer nicht wünschen.