Bundesliga

Guardiola bringt Bayern um Tanz in den Mai

Durch das Unentschieden gegen Mönchengladbach ist die Meisterfeier verschoben. Die Bayern fokussieren sich bereits auf Atlético Madrid.

Bayern-Trainer Pep Guardiola (l.) und Weltmeister Thomas Müller (r.) diskutieren

Bayern-Trainer Pep Guardiola (l.) und Weltmeister Thomas Müller (r.) diskutieren

Foto: KAI PFAFFENBACH / REUTERS

MÜNCHEN.  Nix war’s. Party verschoben. Die Bayern-Fans unter den 75.000 Zuschauern verließen enttäuscht die Arena. Ein wenig unterhaltsames 1:1 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach bedeutete: Titel Nummer 26 kann frühestens am kommenden Sonnabend in Ingolstadt gefeiert werden, im kleinsten Stadion der Liga (Kapazität 15.000). Verfolger Borussia Dortmund, 5:1-Sieger über Wolfsburg, ist auf fünf Punkte herangekommen – geht da etwa noch was?

Den aufgeschobenen Titelgewinn nahm Trainer Pep Guardiola mit seiner Aufstellung billigend in Kauf. Die wichtigsten Akteure sollten geschont werden, zudem wollten die Bayern neuen Mut holen für das Rückspiel am Dienstag gegen Atlético Madrid. Für die Aufholjagd, um nach dem 0:1 das Finale der Champions League zu erreichen.

Kapitän Philipp Lahm, Arturo Vidal, Javi Martínez, Xabi Alonso (beide zur Schonung auf der Tribüne) spielten nicht. Torjäger Robert Lewandowski blieb ebenfalls komplett draußen. Was interessiert den Spanier eine Meisterfeier zu Hause? Wohl herzlich wenig. Dabei war eine etwaige Weißbierdusche für diesen Spieltag laut Verein ohnehin nicht vorgesehen gewesen.

Müller trifft zur frühen Führung

Umständlich, mit viel Ballgeschiebe, quer und wieder quer – wie zu den schlimmsten Zeiten unter Louis van Gaal präsentierten sich die Bayern unter Guardiola. Sie sind irgendwie aus dem Rhythmus gekommen. Auch durch die ständigen Rotationen? „Das Spiel für uns am Dienstag hat überragende Bedeutung“, erklärte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, „es war klar, dass der Trainer rotiert, um dem ein oder anderen Spieler eine Pause zu geben. Damit wir am Dienstag nicht müde, sondern voller Tatendrang auf dem Platz stehen.“

Kann der Schalter einfach wieder so umgelegt werden? Torschütze Thomas Müller sagte: „Die Enttäuschung ist da, nach der 1:0-Führung tut es doppelt weh. Ganz zufrieden ist man mit einem 1:1 nicht, wenn man hier mit einem Sieg hätte Meister werden können.“ Trotzdem verteidigte Müller seinen Coach: „Die Rotation ist in dieser Phase der Saison ganz wichtig.“

Pep Guardiola brachte acht Neue gegenüber dem 0:1 in Madrid. Franck Ribéry stand wegen Rückenbeschwerden nicht im Kader. Es war Müller, natürlich, der Bayern die Führung nach sechs Minuten bescherte. Eine Ecke von Joshua Kimmich köpfte Müller aus zehn Metern Richtung Tor, Tasci stocherte mit langem Bein samt Stiefelspitze zum Ball, erwischte diesen aber nicht. Gladbach-Torhüter Yann Sommer war irritiert, die Kugel trudelte ins Netz – 1:0.

Abwehrchef Boateng gibt sein Comeback

Die Partie war auch das Comeback von Abwehrchef Jérôme Boateng. Man merkte dem Ex-Herthaner die fehlende Spielpraxis nach über drei Monaten Verletzungspause an, dennoch hielt Boateng 68 Minuten durch.

Es war ein schleppendes Spiel. Die Nicht-Champions-League-Besetzung verwaltete die frühe Führung, ohne Inspiration mit wenigen Torchancen. Vorgezogener Sommerfußball, bei dem auch die Gäste erst nach dem Wechsel mit Zug zum Tor agierten. Weil die Bayern immer pomadiger wurden, glich André Hahn aus (72.) - völlig verdient. Kein Tanz in den Mai also.

Müller blickte auf das Atlético-Spiel: „Wir müssen am Dienstag mit den Fans im Rücken als Mannschaft ein richtiges Feuerwerk abbrennen.“ Guardiola meinte nach seinem 100. Bundesliga-Spiel: „Wir wollten für unsere Fans gewinnen. Nun brauchen wir noch einen Punkt, fokussieren uns aber auf Atlético.“