Euro 2016

Was ARD und ZDF von der Fußball-Europameisterschaft zeigen

Die Öffentlich-Rechtlichen senden so ausgiebig wie nie zuvor von der EM. Trotz Vorfreude haben die Moderatoren ein mulmiges Gefühl.

Bewährtes Team: Matthias Opdenhövel (l.) und Mehmet Scholl führen in der ARD durch die EM

Bewährtes Team: Matthias Opdenhövel (l.) und Mehmet Scholl führen in der ARD durch die EM

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Berlin.  – Gerd Gottlob kommentiert bei der Fußball-EM in Frankreich am 10. Juli in der ARD das Endspiel. Für den 51-Jährigen vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) wird es in Paris eine Finalpremiere. Beim Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien am 10. Juni im ZDF sitzt Béla Réthy am Mikrofon.

Insgesamt 22 Begegnungen werden im Ersten zu sehen, 23 im ZDF. Außerdem haben sich die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten mit ProSiebenSat.1 auf die Sublizenzierung von sechs Partien verständigt. Deshalb sendet erstmals Sat.1 die parallel beginnenden Duelle am letzten Spieltag der Gruppenphase, die nicht in ARD und ZDF zu sehen sind.

Dementsprechend herrscht Vorfreude auf ein Fußballfest der Superlative.Und keine reine Angst vor Terror: Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF wollen sich die Lust auf die Europameisterschafts-Endrunde in Frankreich trotz der akut gestiegenen Gefahrensituation nicht nehmen lassen. Stattdessen werden die beiden Sender in so großem Umfang wie noch nie von der Euro (10. Juni bis 10. Juli) berichten.

„Diese EM steht nicht nur unter dem Vorzeichen des Terrors“

„Wir werden versuchen, ein Fußballfest zu übertragen und mitzuentwickeln. Es wird für uns keine EM, die nur unter dem Vorzeichen des Terrors steht“, sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

Nach den Anschlägen in Paris im vergangenen November und jüngst im belgischen Brüssel steht die Sicherheit der Mitarbeiter jedoch klar im Vordergrund. Deswegen wurden in den vergangenen Wochen bereits spezielle Sicherheitskonzepte erarbeitet.

„Wir reden intensiv über mögliche Szenarien, denn wir sind verantwortlich für die Kollegen und stehen in engem Kontakt mit den französischen Behörden“, sagte Frey. Innerhalb der ARD kümmern sich ein Sicherheitskoordinator und ein Krisenteam im WDR um einen reibungslosen Ablauf.

„Dass wir zu Krisenreportern wurden, war nicht abzusehen“

Die Mitarbeiter der Sender fahren trotzdem mit einem teils mulmigen Gefühl nach Frankreich. „Es hat alles verändert, dass man über so etwas nachdenken muss. Für uns ist es wichtig, dass wir das für den Moment ausblenden“, sagte ZDF-Moderator Oliver Welke.

ARD-Moderator Matthias Opdenhövel war während der Anschläge im November in Paris im Stadion, als Deutschland 0:2 gegen Frankreich verlor. „Der Tag selbst war ein schwarzer Tag. Dass wir zu Krisenreportern wurden, war nicht abzusehen und nicht schön“, sagte Opdenhövel, der genau wie viele Kollegen trotzdem zur Euro reist: „Wir haben Vertrauen in die Sicherheitsplanungen.“

Insgesamt berichten beide Sender so umfangreich wie noch nie von der EM, an der erstmals 24 Mannschaften teilnehmen. „Es ist eine EM der Superlative und wird eine große Geschichte. Es wird Sendestrecken von bis zu 10 Stunden am Tag geben“, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Scholl und Kahn sind wieder als Experten im Einsatz

Das ZDF beginnt die Live-Berichterstattung am 10. Juni (21.00) im Stade de France in Saint-Denis mit der Übertragung des Eröffnungsspiels zwischen Frankreich und Rumänien. Mit dem Endspiel am 10. Juli (21.00 Uhr) an gleicher Stelle endet in der ARD der Reigen der insgesamt 51 EM-Spiele.

Im internationalen Sendezentrum auf dem Messegelände im Pariser Süden betreiben die öffentlich-rechtlichen Sender ihr gemeinsames Studio. Zentrales Element wird eine 30 Quadratmeter große LED-Wand. Das Weltbildsignal wird jeweils mit 35 Kameras produziert, wie schon bei der EM vor vier Jahren in Polen und der Ukraine wird durchgehend in HD TV gesendet.

Bei den Begegnungen mit deutscher Beteiligung kommen außerdem sieben bis zehn weitere eigene Kameras und ein Übertragungswagen zum Einsatz. Als Experten sind in gewohnter Manier die ehemaligen Bayern-Profis Mehmet Scholl (ARD) und Oliver Kahn (ZDF) vor Ort.